»Warum zitieren Sie ständig die Bibel?«, fragen Leser. Ich könnte ein weiteres Mal den bekannten Vers vom Neuen unter der Sonne vorlegen:
Was gewesen ist, dasselbe wird wieder sein, und was geschehen ist, dasselbe wird wieder geschehen; es gibt nichts Neues unter der Sonne.
– Prediger 1:9
Wir könnten überrascht sein von manchem aktuellen Ereignis. Wir könnten ratlos sein, was wir darüber denken sollen, was wir fühlen dürfen.
Ich sage euch, die Zeit ist nicht mehr fern, da wird es illegal sein, die Bibel zu zitieren. Schon heute ist es mindestens »problematisch« (und wird also von Feiglingen geleugnet), auszusprechen, dass die Bibel maximal eindeutig zur gelebten Homosexualität ist (ob Altes oder Neues Testament, ob Levitikus 18:22 oder Römer 1:26-27).
Mir fallen weitere Themen und Passagen ein, etwa diese fluchartige Beschreibung des eigenen Volkes durch den Propheten Jesaja:
O über mein Volk! Seine Zwingherren sind Buben, und Weiber haben es beherrscht. O mein Volk! Deine Leiter sind Irreführer und haben den Weg ungangbar gemacht, den du gehen sollst.
– Jesaja 3:12
Unsere »Leiter sind Irreführer«, das steht außer Zweifel. Einige setzen sogar an, »Zwingherren« zu sein, also Diktatoren. Und »Buben« sind einige von denen sowieso. Solange man es aber allgemein und in der bisweilen antiken Sprache der Menge-Bibel ausdrückt – also weder konkret noch lustig –, ist das Risiko überschaubar, dass die Behörden dir deswegen die Polizei ins Haus schicken.
Ich bin aber sicher, dass euch die Sache mit den Weibern aufgefallen ist. Jesaja beschreibt es als Fluch, wenn Frauen ein Land beherrschen.
Diese wenig feministische Aussage ist im linken Lügenweltbild derart störend, dass die woke Bibel-Interpretation »Luther 2017« das Wort für »Frauen« (נָשִׁים) hier als »Wucherer« verfälscht – und damit in der Geschichte der Übersetzungen praktisch allein steht. (Siehe auch Rudolf Ebertshäuser, 25.3.2017.)
Wenn man schon diese Bibelstelle »frei« deuten will, ließe sich »Frauen« nicht als Herrscher etwa im Sinne eines Königs deuten, sondern auch als wenn Frauen »das Sagen haben«.
Oder noch allgemeiner: Es ist ein Fluch für ein Land, wenn »weibliche Prinzipien« dessen Schicksal bestimmen.
Soziologen stellen seit Jahrzehnten die These auf, dass im Westen die Rationalität als Denkprinzip von Gefühlen abgelöst wurde.
Merkels merk-würdiger Trick
Es ist nun ein Jahrzehnt her, dass ich den Essay »Merkel und ihr merk-würdiger Trick« schrieb (und davor das Talking-Points-Buch). Merkel betäubte regelmäßig die Debatte, indem sie die Argumentation von Ratio und Realität zum Reden übers Gefühl pervertierte.
Ob die Reaktion auf Fukushima oder die von Soros & Co. geforderte Migrations-Initiative: Merkel sprach übers Besorgtsein und über »hässliche Bilder«. Merkels Argumentation ähnelte vulgärsten weiblichen Klischees über das Frausein: die Frau, die Emotion über Ratio stellt und auf diese Weise übles Leid über ihren Verantwortungsbereich bringt.
Sympathisch findet sie alle
In den sozialen Medien kursiert dieser Tage eine bei stern.de erschienene Überschrift. Eigentlich stammt sie ja schon vom Januar dieses Jahres, doch sie kocht gerade neu hoch.
Eine Richterin wird zitiert: »Ich finde fast alle meine Angeklagten sympathisch.« (stern.de, 18.1.2026)
Die zitierte Richterin urteilt für die Jugendkammer des Hamburger Landgerichts. Und man liest Berichte über sie schon mal im Kontext »überraschend« milder Strafen.
Im »Stadtpark-Prozess« etwa verhängte die Richterin bloße »Bewährungsstrafen« für die meisten Mittäter einer Gruppenvergewaltigung. Als daraufhin ein Sturm der Empörung losbrach, wurde die Richterin von linker (= täterfreundlicher) Presse zum Opfer stilisiert, nämlich dem Opfer von »Hassrede« (siehe etwa taz.de, 1.12.2023).
In der linken Tralala-Blase wird spekuliert: »Vielleicht würde der Hass nicht so überschäumen, wären die Verurteilten weiße Deutsche statt Jugendliche mit Migrationsgeschichte, und wäre die Richterin keine Frau.« (ebenda) – Das ist korrekterweise im Konjunktiv formuliert, weil es irreal ist. Auch den linkesten Kommentator_Innen fällt kein jüngerer Fall ein, bei dem »Bio-Deutsche« als Gruppe eine Migrantin vergewaltigten und anschließend von einem »männlich gelesenen« Richter lediglich »zur Bewährung« »bestraft« wurden – sprich: frei aus dem Gerichtssaal spazieren konnten.
Ich sage nicht, dass dieses Urteil dieser Richterin falsch war. Oder dass es hätte anders gesprochen werden sollen. Ich sage, dass dieser Fall auf den ersten Blick eine allgemeine Wahrnehmung zu bestätigen scheint: Gesellschaften, in denen Frauen entscheiden und ihre »weibliche Empathie« einsetzen, neigen dazu, als »täterfreundlich« wahrgenommen zu werden.
Suizidale Empathie
Es wurden inzwischen eine Reihe von Büchern zur »Feminisierung« der Gesellschaft geschrieben. Zuletzt tauchte das Thema als »suizidale Empathie« auf. (Siehe dazu auch den Essay »Als die Empathie suizidal wurde«.)
Das Problem ist so simpel wie politisch unkorrekt: Männer und Frauen sind nicht nur am Körper »unterschiedlich verkabelt«, sondern auch im Kopf.
Zu den vielen gefährlich-absurden Eigenschaften des Wie-es-mir-gerade-passt-Feminismus gehört, dass Frauen sich damit rühmen, empathischer zu sein – doch zugleich bestritten wird, dass ebendiese tatsächlich natürliche Eigenschaft bei Rechtsurteilen ein echtes Problem darstellen kann.
Es ist ausführlich belegt, dass Frauen politisch nach »modern links« tendieren; und mit »modern links« meine ich: Fernstenliebe, Wohlgefühl im Moment, Symbolpolitik. (Siehe etwa academic.oup.com, 13.6.2025 und viele weitere.)
Die simple Anschauung besagt aber auch, dass Männer und Frauen in traditionellen Familien und Stammesgemeinschaften unterschiedliche Rollen innehaben, und entsprechend anders »verkabelt« sind.
Frauen sind traditionell die »Richter« über Kinder – und Männer regeln dann die »große Politik«. Eine Familie zu organisieren erfordert völlig andere angeborenen Fähigkeiten, als die Jagd auf Bisons anzuleiten oder einen ganzen Stamm zu organisieren.
Wenn Männer die Familie absolut gerecht und empathiefrei leiten würden, würden alle Familien zerbrechen. In der Familie und Kindern gegenüber braucht es Empathie und eine ewige zweite Chance auch für den Lausbuben. Deshalb ist es wichtig und richtig, dass Frauen über den Alltag von Kindern entscheiden.
Doch dieselbe für Kinder und Familien notwendige Empathie, auf eine Gesellschaft angewandt, wird zu Desastern führen! Täter würden lernen, dass selbst übelste Taten de facto straffrei bleiben, solange sie nur an die Empathie der Richterin appellieren können.
Warum ich die Bibel zitiere
»Warum zitieren Sie ständig die Bibel?«, so fragen Leser, und eine wahre und wichtige Antwort bleibt, dass was geschehen ist, wieder geschehen wird, und dass es nichts Neues unter der Sonne gibt. Warum neu lernen, was frühere Generationen – teils unter großen Opfern – schon gelernt hatten? Warum blind herumtapsen, wo göttlicher Rat verfügbar ist?
Ja, studiert (man endlich wieder?) die Bibel – und bereitet euch darauf vor, dass die (halbwegs korrekt übersetzte) Bibel bald wieder verboten sein könnte.
Es gibt Leute, die wissen sehr wohl, dass die Bibel uns vor gefährlichen Fehlern warnt, und wollen deshalb nicht, dass wir die Bibel lesen. Vielleicht, weil diese Leute ebendiese Fehler aktiv machen wollen. Zum Beispiel eine Gesellschaft zerstören, indem Tätern übermäßige Empathie entgegengebracht wird.
Nach der oben zitierten Menge-Übersetzung dürfen wir solche Leute eben »Buben« mit ganz altem Zungenschlag nennen – und »Irreführer« sowieso.
Weiterschreiben, Wegner!
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Der Essay Wenn Frauen ein Land beherrschen von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/wenn-frauen-ein-land-beherrschen/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!
