29.10.2021

Plötzlich sind sie alle »meta«

von Dushan Wegner, Lesezeit 3 Minuten, Foto von Jonathan Daniels
Mark Zuckerberg hat Facebook einen neuen Namen gegeben: Meta. Ein charmanter Nebeneffekt: Leute reden wieder über Metaethik. Nun, »relevante Strukturen« SIND Metaethik! Wir haben »über Ethik« nachgedacht, bevor es plötzlich Tagesthema war.
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Der Herr Zuckerberg hat also dem Facebook- Konzern einen neuen Namen gegeben (about.fb.com, 28.10.2021). Zuckerberg ist offenbar vom »Metaverse« inspiriert (ich schrieb im Juni 2021 davon: »Weidegründe im Metaverse«). Man will eine »Social Technology Company« sein. Man verändert nicht nur die soziale und damit auch politische Realität weltweit – man will auch eine ganz neue virtuelle Realität schaffen, in den ominös betitelten »Facebook Reality Labs«.

Nun, ich war »meta«, bevor es cool war (wenn es auch nicht ganz so profitabel war wie für Herrn Z.). Meine Kolumne bei Tichys Einblick hieß »Metaethics«. Das Buch, mit dem ich mein Denken erkläre, die Relevanten Strukturen, ist ein metaethisches Buch.

Plötzlich sprechen Menschen, zumindest dem Wort nach, über Metaethik (so etwa Nigel Warburton, Betreiber des berühmten Philosophie-Podcasts Philosophy Bites, @philosophybites, 28.10.2021). Ich will das einfach mal zum Anlass nehmen, einmal in aller Kürze meine Version der Metaethik aufzuschreiben. Wenn Sie also jemandem zusammenfassen wollen, was man wissen muss, um den Wegner zu verstehen – hier folgt die Grundlage meines Denkens in 10 einfachen Schritten!

Metaethics in 10 Punkten

Metaethik versucht herauszufinden, warum wir manche Handlungen für gut und andere für böse halten. Lassen Sie mich Ihnen in 10 simplen Schritten zeigen, wie Gut und Böse funktionieren.

  1. Jeder Mensch ist Teil von Strukturen, z.B. der Familie, eines Unternehmens, seiner Gesellschaft, aber auch Teil von Denkweisen (und auf gewisse Weise auch Teil und Eigenschaft seines eigenen Körpers).
  2. Manche Strukturen sind relevant (z. B. die Familie für ein Baby), andere fühlen sich sehr relevant an (z. B. eine Ideologie) – manche Strukturen sind beides, manche nur eines davon.
  3. Einige Strukturen fühlen sich nicht relevant an, z.B. weil wir sie nicht kennen, sind aber tatsächlich sehr relevant (z. B. die Wasserversorgung). Andere Strukturen fühlen sich zwar sehr relevant an, sind es aber nicht wirklich (z. B. weil sie nicht existieren, wie der Protagonist eines Romans). Kongruenz von tatsächlich relevanten und emotional relevanten Strukturen kann ein Zeichen von Weisheit sein.
  4. Die Relevanz einiger Strukturtypen ist den meisten Menschen angeboren, z.B. die Relevanz der Struktur »Kinder / Erhaltung der Art«.
  5. Veränderungen sind ethische Fragen, wenn sie eine (für uns relevante) Struktur stärken oder schwächen. Eine Struktur stärken/ schwächen bedeutet, ihren Fortbestand wahrscheinlicher zu machen/ zu gefährden.
  6. Wir nennen eine Handlung »gut«, wenn sie eine Struktur stärkt, die sich für uns relevant anfühlt.
  7. Wir nennen eine Handlung »böse«, wenn sie eine Struktur schwächt, die sich für uns relevant anfühlt.
  8. Um Menschen zu manipulieren oder zu überzeugen (auch sich selbst), muss man die von einer Veränderung betroffenen Strukturen sich relevant anfühlen lassen (siehe etwa Kindchenschema in Nachrichtensendungen) und/oder die Konsequenzen anstehender Veränderungen an (bereits/ neuerdings) relevanten Strukturen aufzeigen.
  9. Um sich selbst zu erkennen (im Geiste von »erkenne dich selbst«), muss man sich bewusst machen, welche Strukturen sich für einen sowohl relevant anfühlen als auch relevant sind.
  10. Die großen ethischen Wahrheiten und universellen Werte lassen sich so formulieren: »Es hat sich gezeigt, dass viele Menschen am Ende ihrer Tage und nach reiflicher Überlegung diese Strukturen für maximal relevant hielten und sie deshalb gestärkt sehen wollten.«

Diese Erklärung der Ethik (ergo: diese Metaethik) habe ich in meinem Buch »Relevante Strukturen« vorgelegt. Traditionelle Erklärungen zur Metaethik finden Sie in der Stanford Encyclopedia of Philosophy oder Wikipedia.

Falls Sie diese Erklärung aber jemandem auf Englisch weiterleiten möchten, habe ich eine Mini-Website eigens dafür eingerichtet: www.metaethics.org. Die zwei großen Fragen aller menschlicher Anstrengung sind ja »Was ist der Fall?« und »Was soll ich tun?«

Es herrscht kein Mangel an Personen und Institutionen, die uns beide Fragen beantworten wollen. Zumindest bei der Frage, »Was soll ich tun?«, wissen wir zumindest, dass wir uns selbst mit einer Rückfrage antworten wollen, um zunächst zu erforschen: Was ist mir relevant, was ist mir wichtig?

Ja, solche Fragen sind »meta«, ich weiß – doch aktuell ist »meta« ohnehin in Mode. Nein, wir folgen nicht der Mode des Tages, das nun wirklich nicht, doch wenn die Mode zufälligerweise uns folgt, dann dürfen wir das doch charmant finden!

Weiterschreiben, Wegner!

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