21.02.2022

Die Normalisierung der Blutgerinnsel

von Dushan Wegner, Lesezeit 8 Minuten, Foto von Shai Pal
Die US-Behörde CDC schaltet Propaganda, wonach es schon immer Blutgerinnsel bei Gesunden und Athleten gab – und weigert sich derweil, wichtige Daten zu Covid-Impfungen herauszugeben… gehen Sie bitte weiter, es gibt hier nichts zu sehen!
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Ich mag es einfach nicht mehr – so schreibt eine liebe Leserin: »Ich mag es einfach nicht mehr, Herr Dushan Wegner. Ich will, dass es aufhört. Erst der Cousin meines Mannes. Dann der Sohn von seinem Sportkameraden. Der Ex-Freund unserer Tochter. Und jetzt die ehemalige Klassenkameradin.« (@katharina_munz, 21.2.2022)

Die Leserin schrieb diese Zeilen als Reaktion auf meinen flapsigen Kommentar zu einer aktuellen Meldung der Firma Pfizer. Jene wunderbare, niemals nicht in Skandale verwickelte Firma ist ja auf geradezu rührenswerte Weise um unser aller Gesundheit besorgt, ja um die Gesundheit des gesamten Erdenkreises, und all der Menschen, die einen Mund haben, der Pillen schlucken kann, und einen Arm, in den sich heilende Wundermittel spritzen lassen.

Aktuell sorgt sich jene moralisch untadelige Firma unter anderem darum, dass Menschen nicht rechtzeitig die Anzeichen eines Blutgerinnsels in Hirn oder Lunge erkennen.

Unter der Domain notimetowait.com haben Bristol-Myers Squibb Company und Pfizer Inc. wichtige Informationen u.a. zur tiefen Venenthrombose zusammengestellt, und sie bewerben die Informationen auch in den Sozialen Medien (etwa @pfizer, 14.2.2022). »Contact your doctor if experiencing symptoms« – wenn du plötzlich nicht mehr atmen kannst, ruf auf jeden Fall einen Arzt an! Ich frage mich: Braucht man fürs Telefonieren nicht einen Atem? Ach, was weiß denn ich, ich bin nur ein Essayist. Die Firma Pfizer kennt sich da gewiss besser aus als ich.

Die US-Behörde »Centers for Disease Control« versucht schon seit geraumer Zeit die US-Bevölkerung für Blutgerinnsel zu sensibilisieren (siehe YouTube). Zur SuperBowl 2022 kursierte im Netz ein Propaganda-Spot der CDC von 2020 (@CDCgov, 2.2.2020), der die Bevölkerung davor warnt, dass Blutgerinnsel jeden treffen können, auch Athleten bei bester Gesundheit.

Die CDC verstärkt augenscheinlich aktuell ihr Messaging, und sie will uns wirklich, wirklich gründlich wissen lassen, dass »jeder ein Blutgerinnsel entwickeln kann« (»anyone can develop a blood clot«; @CDCgov, 10.2.2022).

Ob man es explizit so beabsichtigt oder nicht, der propagandistische Effekt ist, dass mit diesen »Warnungen« die Blutgerinnsel im Bewusstsein der Bevölkerung als normal verankert werden, da sie ja jeden treffen können – also auf keinen Fall die Schuld bei den mRNA-Injektionen zu suchen ist. Es erinnert an jenes »Meme« mit Leslie Nielsen, der vor einem wild explodierenden Haus steht, und den Passanten beruhigend zuruft: »Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen!« (7 Sekunden auf YouTube)

Würde man westlichen Gerichten nicht vollumfänglich vertrauen und wäre zugleich verschwörungstheoretisch veranlagt, könnte man doch glatt vermuten, dass da jemand die mildernden Umstände für zukünftige Gerichtsverfahren vorbereitet. Ich vermute das nicht, und Sie dürfen sich aussuchen, warum ich es nicht vermute.

Mir stellen sich zwei Fragen: Erstens, was hat es mit den Blutgerinnseln auf sich, und sind sie den Nutzen des Impfrisikos wert? Und zweitens, wovon will die Leserin, dass es aufhört? Sind es »nur« die »Einschläge« in ihrem Bekanntenkreis?

Was die tatsächlichen Wirkungen der mRNA-Injektionen betrifft, könnten wir ja konkret nachfragen, etwa beim erwähnten CDC oder bei Pfizer selbst. Wie gesagt, wir könnten – ob sie allerdings sinnvoll antworten würden?

Ja keine »falsche« Interpretation

Die ansonsten eher stramm linientreue New York Times merkt aktuell kritisch an, dass die CDC weite Teile ihrer gesammelten Covid-Daten nicht veröffentlicht (nytimes.com, 20.2.2022(€)).

»The agency has withheld critical data on boosters, hospitalizations and, until recently, wastewater analyses«, schreibt die New York Times, zu Deutsch: Die Behörde hat wichtige Daten zu Boostern, Hospitalisierungen und, bis kürzlich, zu Abwasser-Analysen zurückgehalten.

Warum aber hält man die Daten zurück, wenn doch alles wahr und wohlbegründet ist? Es ist »fear that the information might be misinterpreted«, zu Deutsch: »Furcht, dass die Daten fehlinterpretiert werden können.«

»Falsch interpretiert«, das ist eigentlich die Sprache der Propaganda, die ihre Lügen und Unverschämtheiten schönreden will. Wenn ein Politiker etwas Skandalöses sagte, oder wenn er blank log und betrog, dann sagt er nicht: »Ich war unverschämt«, sondern: »Ich wurde falsch interpretiert.«

»Falsch interpretiert zu werden«, das klingt wie Propagandasprache für »beim Lügen erwischt werden«.

Wenn die CDC ihre Covid-Daten nicht herausgeben will, um nicht »falsch interpretiert« zu werden, dann könnte ein misstrauischer, aber erfahrener Nachrichtenbeobachter den Propagandasprech in ehrliche Alltagssprache übersetzen, und er würde wohl hören: »Wir geben die Daten nicht heraus, um nicht beim Lügen erwischt zu werden.« – wir ahnen, dass die Behörden hierzu versichern werden, dass wir das »falsch interpretieren«.

Wie stehen also die Chancen, von den Behörden hüben oder drüben ehrliche Daten zum Thrombose-Risiko nach einer mRNA-Injektion zu erhalten? Wir werden es sicher erfahren, gleich nachdem wir erfahren haben, mit wie viel Geld deutsche Parteitage von Pharmafirmen gesponsert werden (deutschlandfunkkultur.de, 15.3.2021: »Dieser Parteitag wird Ihnen präsentiert von…«).

Wenn die CDC nicht die Daten bereitstellen will, dann könnte man doch bei der FDA nachfragen, also der US-Behörde, welche Medikamente zulässt, damit sie uns die Zulassungsunterlagen zeigt. Ging wirklich alles mit rechten Dingen zu? Fürchtet man auch da »falsch interpretiert« zu werden? Dank des amerikanischen »Freedom of Information Act« könnte man ja die Herausgabe erzwingen, oder?

Sicher, man könnte. Die Frage ist nur, ob man auch kann. Will sagen: Die FDA kann selbst festlegen, wie sie die Bearbeitung einer Anfrage priorisiert. Letztes Jahr gab sie an, dass sie für die Herausgabe immerhin 55 Jahre brauchen würde, denn man hat wohl offenbar Wichtigeres zu tun.

Nein, das ist kein Tippfehler: 55 Jahre, also im Jahr 2076. Siehe reuters.com, 18.11.2021. Inzwischen hat ein (übrigens von Donald Trump eingesetzter) Richter in Texas angeordnet, dass die FDA die Herausgabe der Impfdaten vorzieht (reuters.com, 7.1.2022).

»Wir werden sehen«, so sprach der Blinde, und der Lahme rief: »Auf geht’s!«

Und nun?

Ich schreibe hier von den USA, weil die Reaktion jener Leserin sich auf meinen Kommentar zu einer Kampagne der CDC bezog. Deutschland betreffend hege ich inzwischen Zweifel an allen Covid-Zahlen, auch aufgrund der Erfahrung zahlreicher Leser (siehe auch Essay vom 16.2.2022). Ich höre zu häufig aus glaubwürdiger Quelle, dass deutsche Ärzte einen schon mal geradezu aggressiv anraunzen, wenn Patienten fragen, ob die kurz nach der Impfung aufgetretenen erheblichen Gesundheitsprobleme mit eben dieser zu tun haben könnten. Wenn das wirklich die Praxis in einigen Praxen ist, dann kann ich nicht auf Anhieb sagen, warum ich die entsprechenden Statistiken nicht als quasi-manipuliert und also weniger-wert-als-wertlos erachten sollte.

Was genau ist es, wovon die Leserin will, dass es aufhört? Ich könnte bei ihr nachfragen, dann aber würde ich sie auffordern, meinen Job zu tun. Der Leser sagt mir, was er von seinem Standpunkt aus sieht, und ich will aufgrund der Wegmarken die konkrete Position bestimmen.

Im Fall dieser Leserin meine ich ihre Position zu kennen, denn ich habe die Ahnung, dass es ihr sehr ähnlich geht wie so vielen von uns, auch mir.

Zuerst will ich, dass diese »plötzlichen« und »unerwarteten« Fälle aufhören, die längst viel zu häufig und erwartbar sind, um »plötzlich und unerwartet« zu sein. Solange Menschen leben, werden auch Menschen sterben – aber das Muster war doch mal ein anderes, oder nicht?

Und dann: Ich will, dass dieses Gefühl weggeht, belogen und betrogen zu werden.

Ich will, dass diese penetrante Angstmacherei aufhört – sie löst ja ohnehin inzwischen weit mehr Wut als Angst aus.

Noch wütender als die Angstmacherei macht es mich, wenn ich erlebe, wie bis dahin gesunde Menschen »plötzlich und unerwartet« krank werden. Ich will, dass es aufhört, in Angst davor zu leben, was die Genbrühe mit dem Blut meiner Lieben anstellen könnte.

Ich mag es einfach nicht mehr, dass das einzig Sichere heute ist, dass ich keiner Autorität mehr wirklich trauen kann.

Und, vor allem, es macht mich extra wütend, dass unsere Zeit und unser Leben – und das meiner Kinder – Jahr um Jahr von einer Panik bestimmt wird, die mir von Woche zu Woche mehr geschürt als notwendig zu sein scheint.

Meine Jugendzeit war von Charts, Rapmusik, Büchern, Bravo, Elmar Hörig, Skateboards und Comics geprägt – ich gebe mein Bestes, doch ich werde nicht verhindern können, dass diese Jahre im Leben meiner Kinder ganz wesentlich von Masken und Corona-Angst bestimmt sein werden. Ich mag es nicht so, ich will es nicht so, doch die Möglichkeiten, die es bräuchte, um es ganz zu verhindern, will ich gar nicht haben (ich bin ja Ihr treuer Essayist, nicht ein Milliardär mit Allmachtsphantasien).

Ich vertraue denen-da-oben mit jedem Tag weniger, und ich will, dass auch das aufhört! Ich will wieder vertrauen können.

Und doch, und doch

Meine Lebensphilosophie ließe sich heute mit zwei Wörtern zusammenfassen: »Und doch.«

Am Morgen wache ich auf, zuverlässig ahnend, dass ich schlimme Nachrichten lesen werde – und doch will ich dankbar sein, dass ich überhaupt aufgewacht bin, (noch) gesund, (noch) mit genug Energie. Wenn Hiob beulenübersät und ohne Familie etwas Gutes an seiner Existenz finden konnte, wenn er Gott sogar preisen konnte, wie dumm wäre es doch von mir, griesgrämig zu sein, nur weil ich »Hiobsbotschaften« höre?

Ja, einige der Einschläge geschehen unbequem nahe. Und doch: Wäre ich lieber tot, als diese Nachrichten zu hören? Nein! Ich bin froh, am Leben zu sein, mit zwei gesunden Händen, zwei gesunden Kindern und zwei gesunden Nieren (und einem gesunden Herzen, ohne Blutgerinnsel).

Niemand von uns »kleinen« Leuten weiß sicher, auf welcher Achse unsere kleine Welt nächsten Monat oder gar nächstes Jahr rotieren wird, und doch will ich auch in die denkbar neblige Zukunft hinein handeln. Ich will bestmögliche Pläne schmieden, will meinen Mut und meine Kraft sammeln, um sie zur neuen Realität werden zu lassen, denn ich glaube noch immer an die handelnde Hoffnung.

Ich mag es einfach nicht mehr, ich will, dass es aufhört. Die Angstmache, die Übergriffigkeit, das Herausrutschen aus der Freiheit – und, ja, die »plötzlichen« und »unerwarteten« Fälle.

Und doch beschließe ich, auch diesem Tag etwas Gutes abzuringen. Nicht obwohl es ist, wie es ist, sondern weil es ist, wie es ist. Das nächste Blutgerinnsel kann dich treffen, ob mit oder ohne mRNA-Spritzen.

Sei dankbar für diesen Tag. – Dieser Tag ist jeden Tag der einzige Tag, den du hast.

Ich danke Ihnen!

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