Oktober 2021

Warum ist es uns so erschreckend egal, wer sich in Berlin zur Koalition zusammentut? Woher kommt sie, diese neue, kollektive Gleichgültigkeit?

Als Junge willst du ein Held werden. Später verstehst du den Bösewicht. Zuletzt hoffst du, mehr als ein Statist in den Statistiken gewesen zu sein.

Facebook war ein paar Stunden down, und nicht wenige freuten sich, dass die Welt nun besser wird. – These: Wenn dein Fortfallen ein Fest für die Menschheit ist, dann ist dein Handeln womöglich, moralisch betrachtet, ziemlich böse.

Wenn sie dir alles nähmen, was du dir erarbeitet hast, was du für deinen Verdienst und dein Anrecht hältst, was wird dennoch bleiben? Was an der Mühe deines Lebens wäre es wert, neu bei Nichts zu beginnen?

Feigheit und Mut setzen beide sowohl die Furcht als auch das pflichtbewusste Gewissen voraus. Der Mutige folgt seinem Gewissen und seiner Pflicht, der Feigling aber folgt seiner Furcht, das ist der ganze Unterschied.

Eine neue Regierung »bildet« sich, und es fühlt sich mindestens für Zyniker nicht nach dem Sinne an, in welchem der Gebildete sich »bildet«, sondern mehr so nach dem Sinne, in welchem der saure Magen ein Problemchen »bildet«.

Wenn das Leben dir täglich »Zitronen gibt«, dann mach nicht nur Limonade draus und stell den Küchenschrank voll mit saurem Zuckersaft – wer soll das alles trinken? Wenn das Leben dir immerzu Zitronen gibt, dann frage dich: Warum tut es das?

Sagt der eine Boss: »Feure die Hälfte deiner Leute, egal welche! Die andere Hälfte wird sich dreifach anstrengen!« – Sagt der zweite Boss: »Ich werfe immer die Hälfte der Bewerbungen weg. Die hatten Pech, und Pechvögel kriegen keinen Job bei mir.«

Es ist traurig, etwas Wertvolles zu verlieren. Und doch liegt bittersüße Schönheit in dieser Traurigkeit. So schmerzhaft ein Verlust ist, wäre es nicht auf gewisse Weise trauriger, nie etwas besessen zu haben, das zu verlieren einen schmerzt?

Wer vorausdenkt, der könnte seine Mitmenschen gleich dreifach nerven. Zuerst, indem er mahnt und warnt. Später, indem er fragt: Was habt ihr denn erwartet? Und zuletzt, wenn er für sich selbst antwortet: Ich habe das hier erwartet, genau das hier.

Wir bedauern die Menschen im Flutgebiet. Es ist ja auch grausam. Unsere Häuser stehen aber heute ALLE im Flutgebiet, metaphorisch gesprochen – wir wollen es vielleicht nur nicht wahrhaben.

»Im ganzen Dorf, auf Scheunentoren und auf Holzlattenzäunen, ja sogar auf den Mauern des Saloons, überall waren auffällige Zielscheiben aufgemalt, konzentrische Kreise, und mitten durch jede Zielscheibe war ein Schuss gegangen…« (mit Audio 🔊)

»Wenn du statt der tausend Dinge, die du dir vorgenommen hast, nur genau drei angehen könntest, welche drei würdest du wählen?«

Alles schön und gut, aber die Frage sei erlaubt: Sind Sie eigentlich, so grundsätzlich, zufrieden?

Neue Regel: Es ist charmant, wenn jemand die Welt auf den Kopf stellen will – vorher aber sollte er davon, was er verändern möchte, ein Minimum an Ahnung haben. (Eigentlich eine uralte Regel, ist heute nur etwas in Vergessenheit geraten.)

Es ist eine bemerkenswerte Angelegenheit: Einer, der ein Bein verlor, ist wenige Jahre später oft glücklicher als einer, der zeitgleich im Lotto gewann.

»Gleichgesinnter« – was für ein schönes Wort! Ein Freund kann sich über die Jahre entfremden, aber ein Gleichgesinnter, dem steht der Sinn so wie mir, der versteht mich. Ja, viele Gleichgesinnte zu haben, das wäre fein.

Einerseits wollen wir unsere Ziele mit so wenig Aufwand wie möglich erreichen. Andererseits ist es das Überwinden von Hindernissen, das uns froh macht. Es ist ein Dilemma! Was soll man sich wünschen?

Sei wie der Bambus, so heißt es, er biegt sich im Wind und bricht doch nicht. Es ist aber nicht das Verbiegen allein, das ihm seinen Wert gibt. Der Bambus kehrt immer wieder zu seiner Form zurück, er erinnert sich also, was gerade zu sein bedeutet.

Mancher würde gern jeden Tag etwas Neues unternehmen, doch Größe braucht Beharrlichkeit. Die Wiederholung ist mein bester Freund – wenn und indem ich täglich beim Wiederholen dazulerne.

Je weniger heute einer der Welt anzubieten hat, umso mehr erwartet er von dieser. Das Verwunderliche ist, dass man damit einige Jahrzehnte lang tatsächlich Erfolg haben konnte! Es war nie ein stabiler Zustand.

In der DDR gab es das »Tal der Ahnungslosen«, und es gibt auch heute ein Gebiet in Deutschland, wo die Leute keine Ahnung haben, was in der Bundesrepublik passiert, und wir nennen es »Bundestag«.

Mark Zuckerberg hat Facebook einen neuen Namen gegeben: Meta. Ein charmanter Nebeneffekt: Leute reden wieder über Metaethik. Nun, »relevante Strukturen« SIND Metaethik! Wir haben »über Ethik« nachgedacht, bevor es plötzlich Tagesthema war.

»Ich denke, also bin ich«, so sagte René Descartes. Wir wollen es umdrehen, denn andersrum wird ein Lebensmotto daraus: »Ich bin, indem ich denke!« (Podcast. Und Essay! Und T-Shirt!!)

Grundsätzliche Frage: Ist es gestattet, sich darüber zu freuen, dass es Anderen schlechter geht als einem selbst? Ein klein wenig nur?