Deutschland regieren ist easy. Zerstöre alles – behaupte das Gegenteil. Beispiele: Du demontierst Demokratie nicht, du »verteidigst« sie. Du säst nicht Hass, du kämpfst gegen ihn. Du zerstörst nicht Natur, du »rettest das Klima«. – Seht ihr? Easy!

Wenn du den Faschismus einführen willst, nenne dich Antifaschist.

Wenn du die Natur zu zerstören beabsichtigst, nenne dich Naturschützer. (Und wenn es zu offensichtlich wird, dass du gerade die Natur zerstörst, dann erfinde eine esoterische Kategorie Klima und zerstöre die Natur, um das Klima zu retten.)

Willst du die Seelen der Frauen kaputt machen, nenne dich Feminist.

Wenn du dafür bezahlt wirst, die Demokratie auszuhöhlen, wenn der Staat zur Beute eurer Parteien wird, dann sage: »Wir, die demokratischen Parteien« und »Unsere Demokratie«.

Willst du die Menschen in die Dunkelheit ihrer inneren Abgründe hinabstoßen, nenne das nicht Verdunkelung, sondern Aufklärung!

Willst du starke Familien in tausend schwache Bruchstücke zersplittern lassen, den Vätern den Arm brechen und den Kindern das Gehirn waschen, so besetze das Familienministerium. (Die Scherben der zerbrochenen Familien – von der Gesellschaft hierhin und dorthin gekehrt – nenne ein Patchwork, das klingt besser als Scherbenhaufen.)

Um die Wirtschaft zu zerstören, werde Wirtschaftsminister. (Nenne die Zerstörung einen »Umbau«, so wie das Feuer ein Haus »umbaut«.)

Und willst du selbst straflos die Gesetze brechen, so lasse dich zum Herrn über das Gesetz erheben.

Willst du die Sprache der Menschen verwirren, so sage, dass du die Sprache erweitern willst, gerechter machen willst, modernisieren willst.

Willst du Hass säen, Hass und Spaltung und Schwäche, dann rufe auf zum Kampf gegen den Hass.

Willst du die Gesellschaft in tausend kleine, fragile Blasen zerschlagen – jedes Haus in eine geschlossene Zelle, alle in nervöser Angst und also allein –, dann sage, dass das die offene Gesellschaft ist. (Und wenn die Blasen platzen, dann sage den Leuten, dass das jeweils Ausnahmen sind, und dass auch von vielen Einzelfällen auf eine Regel zu schließen ein übles moralisches Vergehen wäre.)

Willst du die moralische Einheit und damit die Kraft des Volkes brechen, um Land und Volk unter fremde Herrschaft zu stellen, dann führe widersprüchliche Denkweisen ein, nenne den praktischen Widerspruch die Diversität und behaupte, diese Diversität sei unsere Stärke. (Tatsächlich ist kulturelle Zersplitterung immer eine Schwäche. »Diversität ist unsere Stärke« ist ein Orwell-Slogan im Stil von »Freiheit ist Sklaverei«.)

Wenn du Überwachung einführen willst, wenn du den Menschen auch das letzte Moment an Freiheit nehmen willst, sage ihnen, das permanente unsichere Gefühl, ob nicht jemand sie überwacht, auf dass man etwas fände, wofür sie bestraft werden können, genau dieses beißende Gefühl sei Sicherheit – und diese Sicherheit sei die wahre Freiheit.

Willst du den fleißigen Bürgern den Lohn für ihre Arbeit nehmen und ihn den Gewieften und Faulen geben, nenne diese zerstörerische Ungerechtigkeit die soziale Gerechtigkeit.

Willst du das Volk von vorn bis hinten und vom Morgen bis zum Abend belügen, dann nenne die Lüge die Wissenschaft und Fakten aus vertrauenswürdigen Quellen. Und erkläre, wer deiner Lüge widerspricht, verbreite Desinformation und Hetze.

Willst du Barbarei und Intoleranz einführen, nenne es Toleranz und freundliches Gesicht zeigen.

Willst du die Wurzeln deines Glaubens verraten, behaupte, der Verrat an deinen Wurzeln sei begründet in ebendiesen Wurzeln.

Ähnlich mit der Geschichte: Willst du auf eklatante Weise die Lehren deiner Geschichte ignorieren, berufe dich auf ebendiese.

Willst du dein Volk verraten, tue es nicht, ohne zu schwören, Schaden von diesem abzuhalten und seinen Nutzen zu mehren.

Ach, die Liste solcher Sätze ist lang, doch der Tag ist kurz. Genug des Sarkasmus, genug des Zynismus. Ab jetzt nur noch Heilsames – ernsthaft.

Wenn die Unordnung und die Lügen deiner Zeit dir unerträglich werden, dann suche selbst nach Ordnung und nach Wahrheit.

Du wirst die Wahrheit zunächst nur leise hören, und die Ordnung wird dir so zerbrechlich erscheinen, dass du geradezu um sie fürchtest.

Die zarte, weil friedliche Ordnung zu stärken, und die leise Wahrheit etwas lauter zu sagen, das erkläre zu deiner Aufgabe – zu einem Sinn deines Lebens.

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