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Wann hast du … nein, halt, ich sollte mich selbst fragen: Wann habe ich mich zum letzten Mal öffentlich zu meinem eigenen Versagen bekannt?
Sicher, heimlich ärgert mich so mancher Fehler. Und in der Beichte bekenne ich mich zu meinem Versagen. Doch würde ich es wagen, mich öffentlich zu bekennen, komplett versagt zu haben?
»Ich bekenne öffentlich« auf Latein lautet »confiteor«. Und ja, wir reden hier vom Confiteor der Alten Messe.
Der Priester sagt das Confiteor, und wenn wir es einmal verstehen, wird es auch uns verändern.
Mit neuer Kraft
Zuvor erklärte der Priester Introíbo ad altáre Dei (Essay, Dushan Wegner), und wir bestätigten ihm, dass Gott seine Kraft und Jugend dafür sicherstellen wird. In vielen traditionellen Pfarrgemeinden wurde danach der ganze Psalm 42 gesagt. Dann Doxologie (»Ehre sei …«), nochmal Introíbo, dann Adjutórium nostrum (»Unsere Hilfe …«).
Was aber tut der Priester, nachdem er mit neuer Kraft und Jugend zum Altar des Herrn trat?
Der Priester bekennt seine Schuld und Sünden!
Das berühmteste Schuldgeständnis
Confíteor Deo omnipoténti: Ich bekenne dem allmächtigen Gott. Der Priester bekennt seine Sünden vor dem allmächtigen Gott (Deo omnipoténti), vor der seligen, ewigen Jungfrau Maria (beátae Maríae semper Vírgini), dem seligen Erzengel Michael (Micháeli Archángelo), Johannes dem Täufer (Joánni Baptístae), den heiligen Aposteln Petrus und Paulus (sanctis Apóstolis Petro et Paulo), aber eigentlich alle Heiligen (ómnibus Sanctis) – und dazu: vor uns, welche der Priester seine Brüder nennt (et vobis, fratres).
»quia peccávi nimis cogitatióne, verbo et ópere«, bekennt der Priester: dass ich viel gesündigt habe, in Gedanken, Worten und Taten.
Der Priester spricht es allein. Vorm allmächtigen Gott, vor den einzeln genannten Heiligen und vor uns, seinen Brüdern.
(Eine Notiz, jetzt und ab hier nicht mehr zu oft: Vieles hier gesagt fehlt in der Vatikan-II-Messe, und zwar einige der wichtigsten und erhabendsten Gebete. Ich werde es nicht immerzu wiederholen. Es muss nicht immerzu betont werden, dass es in der Sonne heller zugeht als im Schatten.)
Mit dem Gesicht zum Altar also gipfelt das Bekenntnis des Priesters in das berühmteste Schuldgeständnis der Geschichte: mea culpa, mea culpa, mea máxima culpa.
Das bedeutet: durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine übergroße Schuld.
Der Priester bittet nun all diese Genannten, die Heiligen und uns, seine »Brüder«, dass wir für ihn bei unserem gemeinsamen Gott beten (oráre pro me ad Dóminum Deum nostrum).
Reiner als Sonnenstrahlen
Unsere Vorväter wussten, warum sie diese komplexe und auf gewisse Weise selbst-demütigende Prozedur einrichteten. Der Priester, der das Kreuzesopfer nachvollziehen wird, soll »reiner als die Sonnenstrahlen selbst« sein (Chrysostomos). Der Priester muss mit Galater 2:20 sagen können: »So lebe also nicht mehr ich selbst, sondern Christus lebt in mir.«
Die Ministranten antworten, indem sie um die Gnade des allmächtigen Gottes für den Priester flehen (Miseréatur tui omnípotens Deus). Dann sagen sie ihr eigenes Confiteor. Es ist wortgleich, aber statt an die »Brüder« (fratres) ist es an den Priester als Vater (pater) gerichtet.
Der Priester antwortet schließlich den Ministranten mit dem Miseréatur vestri und bittet um deren Lossprechung. Es folgt ein zweites, eigenes Gebet (Indulgéntiam, absolutiónem, et remissiónem). Der Priester bittet darin um Nachlass, Absolution und Vergebung unserer Sünden.
Dieses öffentliche Geständnis
Und dann, erst und endlich, beginnt der Aufstieg zum Altar.
Nein, ich werde hier nicht allzu lang lamentieren, wie viel verloren ging und wie sehr es der Welt schadete, als all diese wichtigen Vorbereitungen zusammengekürzt wurden – doch versteht bitte meinen Schmerz.
Ich freue mich darüber, dass es sie noch gibt, die Alten Messen, wo der Priester allein, mit Ministranten an der Seite uns im Rücken, sich ausgiebig vorbereitet, um rein genug zu sein, an den Altar zu treten.
Und ich weiß, dass es Menschen verändert, an diesen Vorbereitungen und dann am Opfer teilzuhaben.
Diese wichtigen Gebete ändern Menschen, dieses öffentliche Geständnis macht die Menschen stark gegen die großen und kleinen Stürme, und das verärgert die Gegenseite sehr.
Ja, es kommen neue Stürme auf uns zu. Wohl dem, der vorbereitet ist. Es zeigt sich, dass die Vorbereitung auf die kommenden Stürme viel gemeinsam hat mit der Vorbereitung auf den Aufstieg zum Altar.
Schön, dass wir uns dann auch schon an den folgenden Versen erfreuen dürfen, am Beginn des Aufstiegs zum Altar: Deus, tu convérsus vivificábis nos – Du, o Gott, wirst dich uns zuwenden und uns beleben.
Weiterschreiben, Wegner!
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Der Essay Durch meine übergroße Schuld von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/confiteor/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!
