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Die Katze fängt die Maus, und sie spielt mit ihr, eine Zeit lang – bis sie zubeißt. Beim Spielen aber fühlt sich die dumme Maus noch »frei«. Die Leute, die sich heute in Unterhaltung verlieren oder große Pläne schmieden, sind so »frei« wie jene Maus.

Es war eine Machtdemonstration. Die Zigtausenden jungen Marokkaner, die mutmaßlich losgeschickt wurden, um nach Ceuta und Melilla einzudringen und dann aufs Festland weiterzuziehen, es sollte Macht fühlbar machen (Wikipedia »2026 Morocco–Spain border incident«). Auch und gerade weil etwas unscharf ist (oder: sein soll), wer genau welche Macht vorführt.

Und es ist nicht wahr, dass die jungen Männer praktisch alle wieder zurückgekehrt sind. Nicht wenige von ihnen, so hört man, sollen sich versteckt haben oder machen buchstäblich »die Stadt unsicher« (jungefreiheit.de, 31.7.2026). Und einige junge Marokkaner sollen als »Minderjährige« in die EU gebracht werden (tichyseinblick.de, 1.8.2026) – bis sie … ja was eigentlich?

Vorhut und Kostprobe

Die jungen Marokkaner waren zur Machtdemonstration auch eine zynische Kostprobe. In Marokko existieren seit Jahren schon Zeltcamps mit Migranten aus Regionen südlich der Sahara (Bericht von 2018: pbs.org; Reportage von 2019: reuters.com; Report/PDF von 2022: mixedmigration.org).

Laut Social-Media-Gerüchten – der zuverlässigsten Quelle für Wahrheit heute – sind diese Camps auch heute denkbar aktiv, und die zigtausenden Marokkaner waren »nur« die Vorhut – eine Machtdemonstration, ein Testlauf, eine unzweideutige Drohung. Der eigentlich Bedrohte weiß, wer es ist, der da droht. Wir indirekt Bedrohten müssen raten, wir können nur ahnen.

Realistischer als die Realität

Es fühlt sich wie ein Fiebertraum an, doch es ist realistischer als die sogenannte Realität der Tagesschau-Opfer. Westliche Politiker scheinen sich damit abgefunden zu haben, dass der Westen zerstört wird. Wirtschaftlich zerstört, machtpolitisch, kulturell – bis nichts und niemand mehr da ist, zumindest nicht wie früher.

Und was im Westen trotz aller politischen Sabotage funktioniert, das wird durch »NGOs« etwa via »Lawfare« attackiert (Kriegsführung unter Ausnutzung lokaler Rechtssysteme). Oder Infrastruktur wird gleich direkt zerstört (berichtete Beispiele: en.ilsole24ore.com, 25.07.2026, bild.de, 25.04.2025).

Das Drohszenario an die Mächtigen scheint lediglich zu sein, dass Zerstörung und Zersetzung in einer Geschwindigkeit und einer Dimension geschehen könnten, dass sie beim Drangeben ihrer Schafe ihre eigenen Schäfchen doch nicht in Sicherheit bringen können.

Gibraltar und Millionen junger Männer

Dass es ein Drohszenario und eine Machtprobe ist, bedeutet natürlich nicht, dass nicht auch weitere politische Ziele erreicht werden. Etwa: USA/Israel hätten, so ließe sich mutmaßen, gern Kontrolle über die Straße von Gibraltar, wenn schon die Straße von Hormuz derzeit dicht ist (straits.live, 3.8.2026) – nicht vollständig unverschuldet. Sonst bliebe Israel nur der Weg über Eilat und das Rote Meer – das derzeit ebenfalls nicht sicher ist.

Auch Marokko und Afrika insgesamt haben ein politisches Interesse daran, ihre jungen Männer nach Europa zu schicken. Millionen arbeitsloser junger Männer, deren Ansprüche an Lebensstandard auf westlichem Niveau sind, doch deren Qualifikation und Fähigkeiten nicht annähernd hinreichen, dies selbst zu erwirtschaften, gelten als Potenzial für Aufruhr und Revolution.

Schickt man diese jungen Männer in die EU, ist man a) die sozialen Probleme los, kann b) auf Überweisungen westlicher Devisen bauen und hat c) eine Zahl aktivierbarer junger Männer installiert, die nach manchen Fußballspielen bereits vorgeführt haben, wo ihre wahren Loyalitäten liegen – und was sonst noch in ihnen steckt (aljazeera.com, 27.11.2022). (Man vergleiche auch Erdoğans »Kasernen«.)

Ja, fürwahr, es wirkt alles wie ein Fiebertraum. Doch du bist es nicht, der fiebert. Und: Wenn ihr nicht draus aufwachen könnt, ist es kein Traum.

Katze und Maus

Der Westen und die Mächte, die ihn beenden wollen, erinnern mich heute an eine Katze, die eine Maus gefangen hat.

Die Katze, warum auch immer, spielt mit der Maus noch eine Zeit lang, bevor sie ihr endlich mit einem schnellen Biss das Genick bricht und sie auffrisst.

Ihr denkt, ihr habt eine Chance, so weiterzuleben wie bisher, wie früher gar?

Ha, das denkt die Maus auch.

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Der Essay Das denkt die Maus auch von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/das-denkt-die-maus-auch/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!