Eine erstaunliche und noch zu diskutierende Eigenschaft zu vieler Bürger: Man liest oder erlebt praktisch täglich denselben Horror. Man sieht, dass und wie es übler wird. »Schlimm!« sagt man … und tut zumeist: nichts.

Wovon soll ein Schreiber schreiben? Ein Essayist, sprich: ein öffentlicher Tagebuchführer? (Darf man eigentlich »Tagebuch« sagen?)

»Schreib, was dir auf der Seele liegt!«, so werden gutmeinende Leser gutmeinend antworten. Impliziert ist: »Schreib, was dir auf der Seele liegt, und wir Leser werden es würdigen!«

Ach, ich will es glauben und ich will vergessen, allzu oft jenes in der Seele messernde Lob gehört zu haben: »Wie brillant und klug von Ihnen, das sehe ich genauso!«

Kriechender Staatsstreich

Ich lese ja dieselben Meldungen wie ihr. Etwa vom kriechenden Staatsstreich der Altparteien. Aktuell aus dem Landkreis Friesland, wo man wieder den AfD-Kandidaten gleich ganz von der Wahl ausschließt, von außen betrachtet, um einen Sieg des alten Klüngels zu sichern (@jannibal_, 21.07.2026; ndr.de, 22.07.2026). Was sollte ich sagen, das nicht bloß eine Wiederholung mit neuem Datum wäre? Ich verweise also hiermit auf einen Essay aus dem Jahr 2024: »Staatsstreich im Voraus«

Ich lese von den Morden an Deutschen durch »junge Männer«. Ich halte mich oft zurück, etwa wenn es die Familien von Politikern trifft, deren Partei direkte Schuld an der allgemeinen Gefahrenlage trägt. Nicht was ich sagen darf ist meine Frage, sondern was ich sagen sollte?

Der Drops war vergiftet

Die Deutsche Politik und mit ihr der Mainstream als erweiterter Regierungssprecher sind von einer Verhinderung der Ermordung von Menschen und Wirtschaft zu einer psychologischen Bewältigung des Sterbens übergegangen.

Für die deutsche Politik von A wie Automobilindustrie bis Z wie Zukunftstechnologie gilt: Der Drops ist gelutscht (wie ich schon 2025 im Essay »Logisch-praktische Inkonsequenz« schrieb). Aber der Drops war vergiftet, und nun ist es an Politik und Propaganda nur noch, das Opfer vom Erbrechen abzuhalten, bis das Gift seine letzte Wirkung entfalten konnte.

All das wisst ihr so gut wie ich. (Und doch kitzelt es bisweilen, davon aufs Neue zu lesen, wie wenn ihr euch am Gaumen geschnitten habt und nicht ablassen könnt, mit der Zunge an der Wunde zu spielen (ja, die Metapher ist bei Palahniuk geliehen).)

Was soll ich also schreiben? Noch mehr Untergangshorror? Soll ich dem Land die Hoffnung verschreiben, wie ein müder Onkologe, der dem längst Todgeweihten noch eine Therapie empfiehlt?

Ach, ich habe euch vor Jahren den Innenhof empfohlen. Wer sich den Innenhof einzurichten in der Lage war, finanziell und praktisch und mental, der kann das nun Unabwendbare für sich und seine Lieben noch eine Zeit lang abwenden.

Keine Angst mehr

Ich schreibe nun diese Zeilen im aktiven Bewusstsein, dass längst nicht alle meine Leser mir zustimmen werden, sprich: für gut befinden werden, was ich tue. Auch nicht die, die 2018 mit mir das erste »Lied der Innenhöfe« sangen und ihr Leben passend zum Lied sortierten. Oder die, die 2016 mit mir erklärten, dass sie »Keine Angst mehr« haben.

Soll ich, um euch nicht zu verlieren, eben doch schreiben, wonach euch die Ohren kitzeln? (2. Timotheus 4:3)

Oder soll ich eben tun, wonach ihr in Worten verlangt, ohne es zu meinen, nämlich schreiben, wovon mein Herz wirklich voll ist? (Matthäus 12:34)

Soll ich trotzig mein Bestes geben, entlang des Wittgensteinschen Imperativs der Fliege den Weg aus dem Fliegenglas zu weisen, wohl wissend, dass nicht allen Fliegen dieser Hinweis gefällt? Bekanntlich gilt in Deutschland derjenige, der die Ketten abnehmen will, als viel störender denn der, der die Ketten anlegt.

Rückgrat ist das lateinische Gebet

Nun, mein bester Versuch, mir und euch innere Freiheit zu zeigen, bleibt: Es waren Lateinische Gebete, die den Westen und damit die Menschheit zu ihrem Scheitelpunkt begleiteten. Es sind nicht Moscheen oder Synagogen, sondern alte Kirchen, die in den USA und Europa brennen. Es ist die alte Liturgie, die von Rom bis Berlin bekämpft wird, nicht die häretische Blasphemie. Es sind die alten christlichen Werte, die den Westen lebenswert machten, doch welche die deutsche Propaganda zum Feindbild erklärt hat – statt der importierten Barbarei. Alles, was gut war, und alles, was noch gut ist, hat das Rückgrat des Lateinischen Gebets – und genau dies ist nach meinem besten Wissen das realistischste Werkzeug zur inneren Freiheit. Deshalb arbeite ich an Latin Prayer (und lade besonders Android-Benutzer ein, euch zum Beta-Test einzutragen).

Was aber ist mit der äußeren Freiheit. Nun, auch da arbeite ich mit Ernst an einem Werkzeug. In einem bis zwei Monaten mehr dazu.

Was also soll ein Schreiber schreiben? Oder anders gefragt: Was soll der Leser zu lesen verlangen?

Bitte verlangt heute nicht, weder von mir noch von einem anderen freien Denker, zu schreiben, was auch eure Meinung ist. Dafür ist keine Zeit mehr. Und davon werden die Ohren haarig.

Was aber sollt ihr lesen wollen?

Wir sprachen viel vom Weg hinaus aus der Fliegenfalle. Ein altes Buch könnte uns heute mit einem erstaunlich aktuellen Ratschlag helfen, hier erst Latein (Vulgata Clementina), dann auf Deutsch (Menge):

induite vos arma Dei ut possitis stare adversus insidias diaboli quia non est nobis conluctatio adversus carnem et sanguinem sed adversus principes et potestates adversus mundi rectores tenebrarum harum contra spiritalia nequitiae in caelestibus
Ziehet die volle Waffenrüstung Gottes an, damit ihr gegen die listigen Anläufe des Teufels zu bestehen vermögt! Denn wir haben nicht mit Wesen von Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit den (überirdischen) Mächten, mit den (teuflischen) Gewalten, mit den Beherrschern dieser Welt der Finsternis, mit den bösen Geisterwesen in der Himmelswelt.
Epheser 6:11-12

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Der Essay Rückgrat, auch wenn’s nicht gut ist von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/fliegenfreiheit/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!