Grüne wollen Grenzkontrollen abschaffen. Weil sie ohnehin nicht funktionieren. Außerdem offenbar, weil sie so gut funktionieren und Schleuser aufsammeln, die man ja nicht nur heimlich mag. Das ist »grüne Logik«!

Haltet euch fest! Falls ihr steht, setzt euch hin, und falls ihr schon sitzt, legt euch am besten zur Sicherheit auf den Boden und rollt euch zusammen oder so.

Hier kommt der – seid ihr bereit? – hier kommt der Schocker des Tages.

Und zwar: Grüne sind gegen Grenzkontrollen.

Wer hätte das gedacht? Wow, was für ein Schocker!

Die Grünen sind gegen Grenzkontrollen und wollen die paar Grenzkontrollen, die während der Fußballmeisterschaft und während Olympia zähneknirschend umgesetzt wurden, wieder einstellen, obwohl (oder gerade weil?) die nachweislich effektiv waren und also notwendig sind. Außerdem haben die Grünen ein Gutachten vorliegen, wonach die Grenzkontrollen total nicht effektiv und daher auch nicht notwendig sind, und das ist »grüne Logik« … doch, eins nach dem anderen!

Nicht alle böse

Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Brandenburger Landtag hat ein Gutachten beauftragt, wonach »Zweifel an Wirksamkeit von Grenzkontrollen« belegt sind, und im Mai dieses Jahres legten sie es vor.

Auch lassen uns die Grünen wissen, dass Schleuser nicht alle böse sind, sondern nur, wenn sie daran persönlich viel Geld verdienen.

Jenes Gutachten mit dem Titel »Auswirkungen von Grenzkontrollen« wurde übrigens von einem hauptberuflichen Experten für Migration erstellt. Also wird es neutral und wissenschaftlich sein.

Erstellt wurde es von einer Dame und einem Herrn, dessen Namen ich auch im Kontext des berüchtigten »DeZIM« gefunden habe (»DeZIM« steht für: »Deutsches Zentrum- für Integrations- und Migrationsforschung«).

»Toxische Debatte« vs. Vielfalt

Derselbe Herr wird auch mal vom politisch sehr neutralen WDR zitiert. Oder sein Text wird von der Heinrich-Böll-Stiftung verbreitet. Oder er schreibt, letzten Monat erst (auf fes.de/en), für die Friedrich-Ebert-Stiftung ein flammendes Plädoyer, und auf Englisch klingt das so:

»Even if toxic migration debates primarily focus on refugees, they permeate the entire immigration debate. However, the debate should not overlook the fact that it is not just about economic arguments, but also about the defence of an open society, in which diverse lifestyles have their place.«

Mal frei übersetzt und gedeutet: Die »toxische« Debatte über Migration fokussiert sich auf Flüchtlinge. Doch es darf nicht nur um Geld gehen! Es geht auch darum, die »offene Gesellschaft« zu verteidigen, in der vielfältige Lebensstile ihren Platz haben!

»Open Society«, »Diversity« – man seufzt.

Man ist versucht, einfach nur zu sagen: Herr Experte, schauen Sie mal in migrationsbetroffenen Stadtteilen selbst nach, ob und wie viel »Vielfalt« da stattfindet und wie »offen« die Gesellschaft dort ist!

Und überhaupt: Migrationsexperten, die der »toxischen« Debatte vorwerfen, »Flucht« und »Migration« zu vermischen? Zugegeben, ich finde, das hat Chuzpe.

Spiel mit Wörtern

Ratet also mal, zu welchem Schluss der Experte kommen wird, in diesem seinem Gutachten, dass uns mit der Grünen-Sonnenblume auf dem Cover präsentiert wird?

Grenzkontrollen sind »zu einem großen Teil ein Element politischer Kommunikation« und sollen bloß »den Eindruck von Kontrolle erwecken«. (selbst nachlesen)

Überhaupt wird »irreguläre Migration« zahlenmäßig total überschätzt, so lernen wir.

Habt ihr es gemerkt? Das Propaganda-Wort »irreguläre Migration« ersetzt »illegal« durch »irregulär«.

Für Grüne ist Ladendiebstahl vermutlich nur »irregulärer Einkauf« und Vergewaltigung bloß »irreguläres Liebemachen« – und während ich mich hier an diesem zynischen Scherz versuche, wird mir klar, dass die das wirklich so sagen könnten.

»Grüne Logik« vs. Realität

Die »Logik« dieser Grünen ist etwa diese: Grenzkontrollen funktionieren nicht, auch weil Schleuser ohnehin wissen, wo kontrolliert wird (woher eigentlich?), also sollte man sie ganz abschaffen, denn nicht alle Schleuser sind böse, und es wäre fies, wenn bei den offenbar doch funktionierenden Grenzkontrollen auch »gute« Schleuser festgenommen würden, weil die zwar Illegales tun, aber dabei moralisch gut sind … laut den Grünen.

Dieses Gutachten wurde schon im Mai dieses Jahres präsentiert. Aufgespießt wird dieser neueste grüne Wahnsinn aktuell von Matthias Nikolaidis bei Tichys Einblick.

Er spießt es aus dem Anlass auf, dass während der Fußball-Europameisterschaft in Deutschland und während der Olympischen Spiele in Frankreich durchaus Grenzkontrollen innerhalb des Schengen-Raums stattfanden, und dass einige Grüne sich nun in einem »offenen Brief« ausgerechnet an die EU-Kommission wandten, mit der Forderung, diese Grenzkontrollen schnellstmöglich wieder aufzuheben – und zwar alle! Rabbäääh!

Während der EM wurden, so lesen wir bei bild.de, 12.8.2024, die Grenzen zu Polen, Tschechien, Österreich und der Schweiz kontrolliert. Und es wurden auch tatsächlich Schleuser gefasst!

»Nicht effektiv« – aber wirksam!

Wir erfahren: »An den deutschen Binnengrenzen wurden 9.171 unerlaubte Einreisen festgestellt, 6.401 Menschen wurden zurückgewiesen. Die Polizei fasste 275 mutmaßliche Schleuser und vollstreckte mehr als 400 Haftbefehle.« (bild.de, 12.8.2024)

400 Haftbefehle und 275 mutmaßliche Schleuser, oder wie man im Grünen-Dunstkreis abschätzig abwinken würde: bloß »politische Kommunikation«, die einen »Eindruck von Kontrolle« vermitteln soll.

Aber, Moment – hatte das gute Gutachten im Auftrag der guten Grünen nicht festgestellt, dass Grenzkontrollen total schlecht funktionieren?

Wenn du an dieser Stelle verwirrt bist, dann nur, weil du auf traditionelle Weise logisch denkst, also »räääächts« oder so.

Jedes Denken folgt einer »Logik«, doch diese muss offenbar nicht zwingend »logisch« sein, und hier wird uns ein sehr privater Blick in die Mechanik speziell der grünen Logik gewährt.

Aktivisten der Dummheit

Ich habe die Grünen mehr als einmal als die parteigewordene Dummheit bezeichnet. Zuletzt im Mai, etwa zeitgleich mit der Präsentation jenes Gutachtens, in meinem Essay »Der politische Arm menschlicher Dummheit«. (Es ging um die Antwort der Grünen-Außenministerin, die auf die Frage, warum sie Deutschland liebe, antwortete: »Weil Pommes-Schranke auf dem Dönerteller unschlagbar ist«.)

Wenn ich hier das Wort »Dummheit« sage, meine ich damit das vorsätzliche oder fahrlässige Ignorieren von Zusammenhängen und Wirkungsweisen.

Das politische Denken der Grünen – wie von Sozialisten generell – ist nach dieser Definition »dumm«, insofern es wichtige und eigentlich leicht in Erfahrung zu bringende – oder blank offensichtliche – Zusammenhänge ausblendet. (Übrigens: Eine heute zentrale massenpsychologische Methode zum Ignorieren wichtiger, aber für politische Absichten störender Fakten nennen wir »politische Korrektheit«.)

Grüne stellen sich immer wieder aktiv dumm. Sie ignorieren etwa aktiv den Zusammenhang kultureller Prägung mit gewissen Verhaltensweisen. Oder Wirtschaftspolitik: Grüne stellen sich dumm und ignorieren den Zusammenhang von Abgabenlast mit wirtschaftlicher Entwicklung. Und so weiter und so fort.

So viele!

Auch nach Jahren finde ich es immer noch immer schockierend, wie offen die Grünen sich selbst angesichts grundsätzlicher Logik »dumm stellen«!

Der grünen Logik-Probleme sind so viele! Die Logik-Probleme beim Thema »Geschlecht«. Die Logik-Probleme beim Widerspruch von »Windkraft« und »Naturschutz«. Die Logik-Probleme beim Widerspruch von »Toleranz« und der »sozialen Realität in besonders ›toleranten‹ Stadtteilen«.

Und nun, ganz aktuell, diese grüne »Logik« zum Thema Grenzkontrollen. Unverhandelbar!

Ich kenne wahrlich nicht alle Fakten der Welt. Ich weiß, dass ich schmerzhaft viel nicht weiß. Und wirklich sicher bin ich mir nur dessen, dass ich weit öfter irre, als mir bewusst ist.

Doch ich bin mir sicher, dass »die Logik« eine grundlegende und unverhandelbare Eigenschaft der Realität selbst ist.

Nicht nur deshalb

Zu den sektenartigen Eigenschaften der Grünen gehört, dass sie meinen, mit emotionaler Rhetorik das Gewebe der Realität umstricken zu können. Sie irren.

Und deshalb gilt: Wer als Einzelner oder als Land auf die Grünen oder auch nur indirekt auf »grüne Logik« setzt, der wird verlieren. Nicht, weil die Grünen so unsympathisch sind – oder nicht nur deshalb –, sondern weil die Grünen im Rausch ihres euphorischen Dilettantismus meinen, die Gesetze der Realität würden sich ihren Slogans anpassen, wenn diese nur mit genug Überzeugung vorgetragen werden. Früher hatte man für Leute, die so etwas glaubten, andere staatliche Einrichtungen als Parlament und Ministerien.

Die Dummheit mag Etappensiege erzielen, doch es gilt auch weiterhin: Am Ende aber, früher oder später, gewinnt immer die Realität.

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Der Essay Grüne wollen Grenzkontrollen abschaffen – alle! von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/grenzkontrollen/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!