Belfast: Auf offener Straße versucht ein Mann, einem anderen den Kopf abzuschneiden. Politik sagt, der Westen sei »moralischer«, wenn er so etwas erträgt. Die schreckliche Tat ist aber vor allem eines: Sinnbild für das, was Europa angetan wird.

Ein Mann versucht offenbar, einem anderen Mann den Kopf abzuschneiden, und die Realität ist anti-christlich – lasst mich erklären.

In der Kirche lesen wir aus Gottes Wort. Hernach sagen wir Deo Gratias, und wir sind getröstet.

In der sogenannten Realität lesen wir die Nachrichten. Auch nach der Nachrichtenlektüre rufen wir den Allerhöchsten an, allerdings mit »Oh mein Gott!« – und wir sind das Gegenteil von getröstet. Anti-getröstet. Anti-sicher. Anti-christlich. (Tatsächlich sind in mehreren europäischen Staaten auch die Kirche und der Glaube unter offener Attacke, in Deutschland etwa auch, wie weltweit bekannt, von innen.)

Die Nachricht also, die wir lesen, lautet:

Ein Mann hat am Montagabend in Belfast offenbar versucht, einem anderen Mann auf offener Straße den Kopf abzuschneiden.

apollo-news.net, 9.6.2026

Im Internet kursiert eine Videoaufnahme davon. (»Im Internet kursiert« bedeutet: Man sieht es auf X.com. Deshalb wollen totalitäre Regime wie Tehran, Brüssel oder London X ja einhegen – die Wahrheit könnte sonst noch größere Teile der Bevölkerung verunsichern.)

Als semi-professionelle Schreibkraft kann ich mich geradezu empathisch in den Schreiber der Apollo-Redaktion hineinfühlen, der mit großer Selbstdisziplin das Video in diesen sachlichen, rechtssicheren Worten beschreibt:

Aufnahmen von Anwohnern kursieren im Netz. Darin ist zu sehen, wie der dunkelhäutige Mann in seiner rechten Hand ein Messer hält, während er mit seiner anderen Hand das blutüberströmte Opfer am Kragen festhält. Wenige Augenblicke später sticht der Täter erneut auf sein Opfer ein und sägt offenbar an dessen Hals.

apollo-news.net, 9.6.2026

Ich kann mich hineinfühlen, weil auch ich das Video sah. Ich überlegte, wie ich das Video beschreibe. Meine erste emotionale Reaktion lag auf dem anderen Ende der Sachlichkeits-Skala, verglichen mit den hier zitierten Zeilen. Als dann doch der Profi in mir übernahm, konstruierte ich sehr ähnliche Worte wie die Apollo-Redaktion. (Ich merkte das, als ich im Verlauf der Bemühungen beschloss, mal zu schauen, wie andere Schreiber den Horror in legale Worte bannen.)

Lass mich Dir sagen, ungenannter Apollo-Autor: Ich meine in deinen sachlichen Worten zu spüren, wie viel Wut du niederringen musstest, um auf dieser Seite der Gefängnistore zu bleiben.

Der Messernde, ein Sudaner, wurde von Anwohnern überwältigt (belfasttelegraph.co.uk, 9.6.2026). Das schwerverletzte Opfer wurde ins Krankenhaus eingeliefert.

Die absehbaren Proteste

Ein Sudaner versucht, eine Enthauptung auf offener Straße durchzuführen. Die britische Behörden fahren vermutlich gerade ihre Maßnahmen auf 300 Prozent, planen nach aller Erfahrung bereits die robuste Niederschlagung der absehbaren Proteste. Mancher me Bürger hat das Gefühl, dass Staat und Polizei ihn nicht mehr schützen – sondern immer häufiger als Bedrohung für Leib und Leben der Einheimischen wirken (Stichwort: »two tier justice«).

Die Spin-Doktoren versuchen bereits, die Tat herunterzuspielen. Das (bislang nicht genannte) Opfer stamme aus derselben Arme-Leute-Gegend, so heißt es (belfasttelegraph.co.uk, 9.6.2026). Was wollen sie damit sagen? Dass es doch »nur« arme Leute trifft? Dass es womöglich ebenfalls ein Zugewanderter ist und es deshalb Iren nicht weiter zu interessieren hat, wenn diese Barbarei in ihrer (einstigen? vermeintlichen?) Heimat passiert?

Dies ist das Jahr 2026, und wir erleben auch darin orwellsche Zeiten: Die Wiedergabe nachweisbarer Wahrheit wird als »Desinformation« etikettiert und unterdrückt. (Nein, das ist keine Übertreibung von mir. Bei der Ermordung von Henry Nowak durch einen dolchtragenden Sikh wollte die britische Polizei die korrekte Meldung präventiv als »Desinformation« einschränken; siehe @oida_grantler, 07.06.2026.)

Dein Nachbar und Kollege wird aber von all dem wenig erfahren. Die »Realität« deines Nachbarn ist eine andere als deine – und eine andere als die Realität ohne Anführungszeichen.

Desinformation per Aufmacher

Just während ich dies schreibe, erfahren die Leser der Top-Meldung auf tagesschau.de: »Die Anzahl politisch motivierter Straftaten hat im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht. Den größten Anstieg gab es laut Innenminister Dobrindt im linksextremen Spektrum.«

Es klingt für mich wie Desinformation – aus mehreren Gründen.

Es ist bekannt, dass wenn ein Linker den römischen Gruß zeigt oder ein Hakenkreuz auf ein AfD-Büro schmiert, dies nicht selten als »Straftat Rechts« verbucht wird. Es ist bekannt, dass »Meinungsdelikte« gefühlt nur von Rechten begangen werden können. Und so weiter.

Ja, es »ist bekannt«, aber vielleicht nicht bei deinem Nachbarn oder Kollegen. Der glaubt, was die Tagesschau sagt, was eine Art von selbstgewählter geistiger Umnachtung ist.

Und bei bild.de titeln sie, während ich dies schreibe, als ersten und drängendsten Bericht: »Das Ende des Ostseewals: Timmy wird zu Biodiesel« (bild.de, 9.6.2026).

Auch das ist eine Form von Desinformation: Man positioniert eine konsequenzlose, aber emotional geladene Story als Aufmacher. Der Fake besteht darin, dass eine praktisch konsequenzlose Meldung fälschlicherweise als dringende Nachricht präsentiert wird. Damit bündelt man die Aufmerksamkeit – und lenkt ab von Ereignissen, die tatsächlich für das eigene und kollektive Überleben relevant sind.

(Für definitorische Erklärungen der Fake-News-Kategorien empfehle ich meinen Essay »Habeck und die Fake Politics, oder: Schamlosigkeit als Strategie« von 2024.)

Katakomben und erste Prinzipien

Ich schrieb letzten Oktober den Essay »Das Lied der Katakomben«. Elon Musk ist berühmt dafür, beim Denken immer wieder von ersten Prinzipien auszugehen. Ich meine mit den Katakomben etwas Ähnliches, allerdings auf unser Leben und unsere Werte bezogen.

Zu den ärgsten Lügen der Neuzeit gehört, dass »Diversität« die Ziel-Nationen automatisch »bereichern« würde. (Fünf Jahre vor dem Unrechtsjahr 2015 gab sogar Angela Merkel das offen zu: »Der Ansatz für Multikulti ist gescheitert, absolut gescheitert.« (welt.de, 16.10.2010))

Die versuchte Enthauptung von Belfast fühlt sich an wie ein Sinnbild für das, was von einer Reihe westlicher Regierungen ihren Völkern und Nationen angetan wird.

Die Superreichen bauen sich ihre Bunker in entfernten Regionen, ob Neuseeland, Argentinien, Albanien oder sonstwo. Quasi ihre eigenen Katakomben. Die wissen, was den Nationen angetan wird, wie auch wir – warum auch immer – »geköpft« werden.

Die Zeit ist nicht »nah«, sondern bricht bereits an, in der es erst ratsam und dann notwendig ist, sein Leben und seine Werte von den Katakomben an zu sortieren.

Wer sein Leben und seine sonstigen Angelegenheiten zwecks Neustarts (oder aus anderem Grund) neu sortiert, der tut gut daran, ein System für den Neustart parat zu haben. Bewährte Werte, als Leitstern und Prüfstein.

Was ist dein System für die »Katakomben«? Mit welchen Werten und Absichten, mit welchen ersten Prinzipien wirst du neu beginnen?

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Der Essay Heute Belfast, morgen du von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/heute-belfast-morgen-du/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!