- English (AI)
- German
- Spanish (IA)
Ich schrieb mal vom Innenhof, den ihr euch einrichten solltet. Im Jahr 2018 schrieb ich das, und 2020 noch mal.
Ihr habt mir berichtet, dass und wie ihr euch euren Innenhof eingerichtet habt. Und zwar sowohl den materiellen Innenhof als auch den seelischen. Gemeinsam sollten die Innenhöfe dem Zweck dienen, am Wahnsinn der Zeit nicht selbst wahnsinnig zu werden.
Etwas Freude aus dem Leben pressen, wie Saft aus der Zitrone, und dabei nicht vorzeitig von den Wahnsinnigen um ebenjenes Leben gebracht zu werden.
Wir schreiben inzwischen das späte Jahr 2025. Hast du deinen Innenhof? Oder hat es nicht geklappt? Oder hattest du einen Innenhof und hast ihn verloren?
In die Katakomben zurück
Ihr kennt sie ja, diese Zitate, deren Original-Autor nicht nachweislich der genannte Autor ist, doch die kursieren, weil ihr Inhalt wichtig und wahr ist. (Es ist eine interessante Tradition seit Jahrtausenden.)
Ein solches Zitat lautet:
Der Tag, an dem die Kirche ihre universelle Sprache verlässt [gemeint: Latein], ist der Tag, bevor sie in die Katakomben zurückkehrt. (zugeschrieben Papst Pius XII.)
Nein, es ist nicht belegt, dass er es wirklich gesagt hat. Passt es wirklich? Papst Pius XII. ist der Autor der Enzyklika Mediator Dei. Man kann Mediator Dei als Verteidigung der Tradition lesen. (Zyniker könnten Mediator Dei als erste Öffnung der Schleusen lesen, durch welche eineinhalb Jahrzehnte später Vaticanum II hereinbrach.)
Man fühlt sich an jene Parabel vom Kamel und vom Zelt erinnert. Erst wollte der Gottesdienst in Landessprache nur auch akzeptiert werden. Dann feierten einige Verwirrte mit Clowns, andere mit Sodomie-Flaggen. Dann wandte sich der Papst selbst gegen die Tradition, und auch nach dem Tod von Franziskus wird die Messe der Heiligen verfolgt und verdrängt (siehe etwa Charlotte, USA).
Rechts blinken, links abbiegen
Manche hofften, mit Papst Leo XIV. würde wieder ein vollumfänglich katholischer Papst den Stuhl Petri verwalten. Der neue Papst wirkt aber leider immer mehr wie ein CSU-Politiker: rechts blinken, links abbiegen.
Sicher, Leo XIV. trägt wieder würdige Gewänder und betet schon mal lateinisch. Doch die gefühlte Verfolgung traditioneller Katholiken, die er mit einem Telefonat beenden könnte, läuft leider weiter und wird mancherorts ärger. (Dass im Petersdom jüngst eine traditionelle Messe gefeiert wurde, lindert nicht den Schmerz vor Ort – im Gegenteil.)
Gestern hat der Papst innerhalb eines Klima-Events im Castel Gandolfo einen Eisblock gesegnet. (Wird das Eis, wenn es geschmolzen ist, mit der Segnung zu Weihwasser werden?)
Und er implizierte nebenbei, dass Maßnahmen gegen illegale Massenmigration ähnlich schlimm sind wie der Massenmord an ungeborenem Leben. Einige amerikanische Bischöfe äußerten gewisse Irritation über die Aussagen des Papstes (siehe etwa @BishStrick, 01.10.2025).
Man seufzt. Und man fragt sich, ob Google Maps auch den schnellsten Weg zu den nächsten Katakomben berechnen kann, wenn das demnächst notwendig wird.
Mahlet manche Mühle
Man muss kein treuer Kirchgänger sein, um zu verstehen, dass die christliche Tradition das Rückgrat der Kirche und das moralisch-kulturelle Rückgrat des gesamten Westens ist.
Glaubt bitte für keine Sekunde, dass wenn der Westen endgültig moralisch fallen sollte, irgendwer in Asien, Afrika oder der arabischen Welt übernimmt.
Jene Kulturen wollen Macht – und nur das. Nur der Westen war »blöd genug«, das Wohl der ganzen Welt und aller Menschen zu suchen.
Nervöse Geister raunen, die Freimaurer hätten den Vatikan besetzt und zögen ihn in die Abgründe sogenannter Aufklärung hinab. Verehren Freimaurer eigentlich Eisblöcke? Wie dem auch sei: Es war der christliche Westen, der mit dem Freimaurer Goethe singen darf:
Von der Quelle bis ans Meer
Mahlet manche Mühle,
Und das Wohl der ganzen Welt
Ists, worauf ich ziele.
(Goethe: Tischlied; Schluss)
Ja, Deutschland ist an seinem Helferkomplex inzwischen irre geworden. Spätestens, wenn Milliarden Euro für »Klima-Projekte« (sprich: offene Korruption) in aller Welt rausgeschmissen und unqualifizierte junge Männer flugzeugweise aus Afrika eingeflogen werden, während man den eigenen Alten die Pflege und den eigenen Kindern den Zahnarzt streichen will, hat man es mit der Fernstenliebe dann doch etwas übertrieben.
Der suizidale deutsche Wahnsinn ändert aber nichts an der Tatsache, dass nur der Westen sich in Moral und Tat der gesamten Welt verpflichtet fühlt. Ehemals »kolonisierte« Länder zehren bis heute von damaligen westlichen Verbesserungen. Der Westen wirkt/-e.
Bald privat und heimlich
Es geht den Christen nicht anders als manchen jener Nationen, die sich aufs Christentum berufen (mit zunehmend ebenso wenig Recht auf »die Demokratie«): Den Gefahren von außen wären einfacher zu trotzen, wären da nicht die Fragwürdigkeiten des eigenen Spitzenpersonals.
Ihr mögt euch in eurem »Innenhof« eingerichtet haben, doch ihr wisst: Wenn auch nur eine kritische Meinung nach außen dringt, kann leicht der Staat frühmorgens vor der Tür stehen, zur strafenden Hausdurchsuchung.
Nicht nur traditionelle Christen sollten mal das Konzept der Katakomben in ihre Gedanken aufnehmen. Jeder Mensch mit Verstand und Gewissen wird diesen Verstand und dieses Gewissen bald privat und heimlich ausüben müssen. Gewissermaßen in den Katakomben seiner Seele.
Nicht öffentlich beworben
Seit dem Schreiben »Traditionis custodes« von Papst Franziskus müssen traditionelle Katholiken sich semi-heimlich zum traditionellen Gottesdienst treffen. Traditionelle Gottesdienste müssen genehmigt – »woke« Bischöfe sehen Tradition ungern – und dürfen nicht öffentlich beworben werden. Von außen betrachtet halten Menschen die Kirche für ach so traditionell; doch innen wird die Tradition häufig unterdrückt – manche sagen verfolgt.
In Deutschland müssen sich nicht-linke politische Denker heimlich treffen, sonst drohen Anschläge durch Antifa-Schläger. Konkrete Veranstaltungsorte werden oft erst kurz vor Beginn bekanntgegeben, in der Hoffnung, den Schergen staatlich finanzierter »NGOs« die Unterwanderung zu erschweren. NGOs schleusen, so hört man, schon mal ihre Leute ein, die dann – ohne Beleg, aber mit Propaganda-Support – Lügengeschichten über die angeblich schlimmen Vorgänge solcher »Geheimtreffen« verbreiten.
Wer auf mich hört
Sowohl traditionelle Christen weltweit als auch »gewöhnliche« geradeaus denkende Menschen in Deutschland sind bereits auf dem Weg »in die Katakomben«.
Wer auf mich hörte, als ich riet, sich seinen Innenhof einzurichten, der lebte die letzten Jahre etwas ruhiger. Der bewahrte sich ein wenig mehr Freiheit.
Heute rate ich, zwischendurch mal die Katakomben anzudenken. Wenn ihr auch darin auf mich hört, werden eure Seele und euer Gewissen die nächsten Jahre mit weniger Schmerzen überleben.
Denn natürlich hört ihr nicht wirklich auf mich. Wir formulieren hier lediglich aus, was die Zeiten eigentlich jedem sagen, der auf ihre Zeichen zu hören bereit ist.
Es war nicht alles schlecht und es wird nicht alles schlecht sein. Ich bin guter Hoffnung, dass sich in den Katakomben trefflich philosophieren und Gottesdienst feiern lässt.
Also: Kopf einziehen, wenn ihr in die Katakomben steigt – und dann Kopf hoch!
Weiterschreiben, Wegner!
Das Schreiben dieser Essays ist nur mir Ihrer Unterstützung möglich. Werden und bleiben Sie Teil meiner Arbeit!
Bitte wählen Sie Ihren freiwilligen Leserbeitrag:
E-Mail-Abo
Lassen Sie sich automatisch benachrichtigen, sobald ich hier etwas Neues veröffentliche! (Gratis, jederzeit abbestellbar.)
Der Essay Das Lied der Katakomben von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/lied-der-katakomben/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!
