Die Aufklärung, jener mit Glasperlen verkleidete Satanismus der Feiglinge, die sich nicht trauen, den Teufel beim Namen anzubeten, ersetzte die Demut in der Gemeinschaft durch das Ich als relevanteste Struktur.
Es war eine Lüge, vom Sündenfall an. Stellt euch vor, der große Zeh oder das Auge sollten beschließen, dass es in ihrer Existenz zuerst um sie selbst gehe und nicht um ihre Funktion im Körper.
Der Mensch, dem sie angehörten, würde eine Zeit lang humpeln, und sein Abschätzen von Tiefe und der dritten Dimension würde mit nur einem Auge wohl beschädigt sein. Der große Zeh und das eine Auge aber, kurz nach Einnahme des süßen Giftes Individualismus, wären einige Augenblicke von ihrer vermeintlichen Freiheit berauscht – dann würden sie absterben, während der Mensch weiterlebt, wenn auch einäugig.
Natürlich wären die konkreten Konsequenzen für den Körper abhängig davon, welches Organ zum Individualisten wird. Wenn lebenswichtige Organe wie das Herz ihren Job im Organismus aufgeben, stirbt der Körper recht schnell – so wie »Feminismus« eine Gesellschaft effektiver tötet als Krieg, Armut oder Seuchen. (Ich überlegte, ob ich hier den obligatorischen Witz wiederkäue, dass ein Mensch ohne Gehirn noch immer Journalist werden kann. Seid ihr stolz auf mich, dass ich mich beherrschen konnte?)
Einer der tödlichsten Unterschiede zwischen einem metaphorischen Individualismus der Organe und dem realen Individualismus von Menschen liegt in der Zeitspanne zwischen Ursache und Wirkung.
Ein Individualismus von Organen hätte recht schnell den erwartbaren Effekt. Sowohl die übrigen Organe als auch der Mensch als ihr Kollektiv würden die schrecklichen Konsequenzen unmittelbar sehen und für sich selbst gegensteuern.
Der Individualismus in Gesellschaften ist tatsächlich viel verheerender. Es dauert bisweilen mehrere Generationen, bis sein Zerstörungswerk sicht- und spürbar wird – und dann ist es irreversibel.
Lass die Väter vergessen, was Familie bedeutet, wo ihr Vaterland liegt, wer ihr Gott ist und warum ihre Väter einst für alle drei kämpften. Lass die Mütter vergessen, was ein Zuhause ist und wozu es einst diente. Die dritte Generation wird die vorletzte sein.
Wir mögen uns über Gott empören, wenn Er sagt: »Ich bin ein eifersüchtiger Gott: Ich suche die Schuld der Väter an den Kindern heim, an der dritten und vierten Generation, bei denen, die mich hassen; doch ich erweise Tausenden meine Huld bei denen, die mich lieben und meine Gebote bewahren«. (5. Mose 5:9–10)
Seid ehrlich, wir wären nicht wesentlich weniger wütend, wenn statt »eifersüchtiger Gott« dort stünde: »Es ist ein Naturgesetz, dass das Versagen der Großväter die Leben der Enkel prägt.« (Die Verdienste bisweilen ebenso, zum Glück.)
Sind wir also freigesprochen durch die Sünden unserer Großväter? Ach, es wäre zu einfach: Wir stehen zuerst in Verantwortung vor unseren Enkeln!
Wenn wir denn Enkel haben – oder haben werden.
Wenn unsere Enkel dritter und vierter Generation sich noch zu uns bekennen werden.
Weiterschreiben, Wegner!
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Der Essay Ein Individualismus der Organe von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/individualismus/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!
