Liebe Freunde, in den 2.738 Essays vor diesem habe ich 3.622.981 Wörter geschrieben. (Ja, ich habe das eben den Kollegen Computer nachzählen lassen.)
Hätte ich einen Euro pro Wort, könnte ich mir wohl einen Bunker leisten. Wenn auch einen kleinen Bunker, womöglich einen gebrauchten. Einen Bunker, der mich und ein oder zwei weitere Leute vor dem schützt, was auf uns zukommt. Der es ein paar Tage hinauszögert, das inzwischen Absehbare und wohl bald Unausweichliche.
858 dieser Wörter sind enthalten im Essay »Suizidalismus – ein Name für diese Epoche«.
In der Einleitung jenes Textes schrieb ich:
Suizidalismus beschreibt politische und kulturelle Strömungen, welche die Auflösung oder Ersetzung der eigenen Gruppe zum Ziel haben.
– Essay vom 20.11.2017
Ich lag tragisch richtig in meiner Diagnose. Eine Reihe europäischer Staaten scheinen von dem einen Ziel besessen zu sein, nationalen Suizid zu begehen – und Nachbarstaaten zu motivieren, dies ebenso zu tun.
Vor wenigen Jahrzehnten wunderte sich die Welt über Deutschland. Dann lächelte und schmunzelte man über Deutschland. Heute hat man akzeptiert, dass Deutschland ist, wie es ist – und kassiert es ab, solange noch etwas da ist. Erst wundern sie sich über dich, dann lachen sie über dich, dann nehmen sie dich aus wie Straßenräuber den hilflosen Betrunkenen.
Ich lag in jenem Suizidalismus-Essay aber tragisch falsch in meiner Prognose. Ich ging damals davon aus, dass es »besser« werden würde, sobald Merkel überwunden ist. Oh, wie ich mich irrte!
Der politische Zeitgeist ist weiterhin nur als Suizidalismus zu beschreiben.
Den Bürgern eingeprügelt
Heute aber, um Juni 2026 und damit fast ein Jahrzehnt nachdem ich über den Begriff »Suizidalismus« schrieb, erlebt die Welt im europäischen Land Großbritannien, wie Suizidalismus nicht mehr nur implizit ausgeführt, sondern auch offen zum politischen Prinzip wird – den Bürgern von der Staatsgewalt buchstäblich eingeprügelt.
In Großbritannien wird offen eine Zwei-Klassen-Justiz betrieben.
- Luke Yarwood wurde für zwei Posts, die zusammen 33 Mal gelesen worden waren, zu 18 Monaten Haft verurteilt (newsweek.com, 17.12.2025)
- Qais Al-Aswad wurde nach drei Sexualdelikten gegen drei verschiedene Frauen nicht inhaftiert, sondern erhielt eine auf zwei Jahre ausgesetzte Bewährungsstrafe (feeds.bbci.co.uk, 2024).
Frei nach Tucholsky: In Großbritannien geht nicht der ins Gefängnis, der den Frauen böse Gewalt antut, sondern der, der sich über diese Tat in ungeschickten Worten empört.
Solche Zwei-Klassen-Justiz schien »nur« der Auswuchs einer generellen politischen Stimmung zu sein.
Wie verrottet die Moral
Wir können uns als demokratisch, freiheitlich fühlende Menschen kaum vorstellen, wie verrottet die britische Moral bereits ist. Ein Sikh stach einen 18-jährigen Briten nieder – und die Polizei legte dem Opfer die Handschellen an, während dieses blutend auf der Straße lag und wiederholte: »Ich wurde erstochen, ich kann nicht atmen.« (courthousenews.com, 10.6.2026). Danach hat das britische Regime wohl die Familie von einer Spezialeinheit besuchen lassen, welche die Familienmitglieder davor gewarnt haben soll, sich öffentlich frei zu äußern (apollo-news.net, 15.06.2026). Berichten zufolge soll sogar das öffentliche Statement der Familie von den Behörden umformuliert worden sein, um in den britischen Suizidalismus zu passen.
Seit das Bodycam-Video dieser Polizei-Schande viral ging (»Heute Belfast, morgen du«), brennt es in Nordirland (»Belfast brennt«) – und bald in ganz Großbritannien. Britische Behörden gehen besonders aggressiv gegen die Täter vor – und mit »Täter« meinen wir die, die sich über das Sterben beschweren.
Allein in der Wut
In dieser Woche hat Großbritannien den Zugang zu sozialen Medien für alle Jugendlichen unter 16 Jahren angekündigt – in Kraft treten soll das Verbot wohl im nächsten Jahr (gov.uk, 15.6.2026). Betroffen sind TikTok, Instagram, YouTube, X, Snapchat, Reddit, Facebook und weitere – nicht betroffen ist nach aktuellem Stand das links-alternative Netzwerk »Bluesky«, das besonders unter linken Journalisten beliebt ist (gbnews.com, 15.6.2026). Bluesky war zuletzt in die Schlagzeilen geraten, weil die Plattform nach ihrem Nutzerwachstum 2024 einen massiven Anstieg von Kindesmissbrauchsmaterial verzeichnete: von zwei bestätigten Fällen im Jahr 2023 auf 1.154 gemeldete Fälle allein im Jahr 2024 (decrypt.co, 27.11.2024). Das soll die einzige für britische Jugendliche erlaubte Social-Media-Plattform sein. Noch Fragen?
Tatsächlich könnte ein solches Verbot des Alt-Trotzkisten Keir Starmer (gbnews.com, 28.10.2024) vor allem das Framework schaffen, um alle Meldungen zu kontrollieren und zu zensieren, was Bürger über die Vorgänge in ihrem eigenen Land erfahren. Der Unzufriedene soll das Gefühl vermittelt bekommen, dass er mit seiner Wut allein ist. Briten sollen nicht vorab gewarnt werden, und wenn es ihnen passiert, muss es immer zu spät sein.
Zu den Bildern, deren Verbreitung die britische Regierung verhindern will, gehören die vielen Aufnahmen der Übergriffigkeit und Gewalt durch die britische Polizei (@ModernityNews, 14.06.2026). Die britischen Sicherheitsorgane scheinen nicht erst seit Kurzem den Boden von Rechtsstaat und Demokratie verlassen zu haben (@MrAndyNgo, 13.06.2026), sondern zunehmend auch den Boden blanker Zurechnungsfähigkeit (@realMaalouf, 30.08.2025).
Wir brauchen einen Namen
Großbritannien ist ein Staat, der nicht nur wie Deutschland den Suizidalismus implizit zum Leitmotto aller Entscheidungen und Maßnahmen macht. Großbritannien wirkt wie eine neue Art brutaler Diktatur, deren einziges Ziel es zu sein scheint, die eigene Nation auszulöschen.
Auch wenn sie totalitäre, kommunistische und faschistische Methoden anwenden, passt keine dieser Beschreibungen so ganz.
Wir brauchen einen neuen Namen, einen Namen für diktatorisch handelnde Staaten mit Suizidalismus als leitender Ideologie.
Ich schlage Lethokratie vor.
Ein diktatorischer, totalitärer Staat mit Suizidalismus als höchstem und de facto einzigem absoluten Wert ist eine Lethokratie. Auf Englisch: Lethocracy.
Letho bedeutet Tod auf Griechisch (siehe auch: lethal). Und Kratie natürlich: die Herrschaft.
In einer Lethokratie wird gepriesen werden, was den (eigenen) Tod befördert, von A wie Abtreibungen (eigener Kinder) bis Z wie Zuwanderung (fremder Kinder).
Großbritannien weist alle Merkmale der Lethokratie auf, doch wie steht es mit Deutschland? Ist Deutschland schon lethokratisch oder »nur« im suizidalen Zeitgeist gefangen?
Auch die Erinnerung auslöschen
Nun, in der griechischen Mythologie ist Lethe einer der Flüsse in der Unterwelt, und zwar in der weiteren Bedeutung von Lethe als das Vergessen (siehe Wikipedia)).
Die Lethokratie will nicht nur die Nation vernichten. Die Lethokratie will auch die gemeinsame Erinnerung auslöschen. Das Gute darf nicht erinnert werden. Oder es wird vergiftet, bis es böse ist. Das Böse aber, das als einzige Erinnerung befohlen ist, soll nicht hinterfragt werden. (Etwa: die wahre Geschichte der Sklaverei.)
Mehr als einmal habe ich darüber geschrieben, dass die »Linken und Guten« heute einem Todeskult gleichen – und darin auffallend etwa Islamisten ähneln (siehe etwa »Politische Korrektheit, ein Todeskult«, »Die den Tod, ich das Leben«).
An den schlimmen Bildern aus Großbritannien sehen wir aber, wie es aussieht, wenn sich Suizidalismus mit diktatorischen, offen anti-rechtsstaatlichen Mitteln zur Lethokratie verbindet.
Große Räuberbanden
Der Heilige Augustinus schreibt bekanntlich:
Was sind überhaupt Reiche (oder: Staaten), wenn die Gerechtigkeit fehlt, anderes als große Räuberbanden?
– Augustinus, De civitate Dei, IV, 4
(Im lateinischen Original: »Remota itaque iustitia quid sunt regna nisi magna latrocinia?«)
Es ist nicht gerecht, es liegt keine Justitia darin, wenn Regierungen – warum auch immer – das Leben und Lebenswerk der Nation vernichten wollen.
Ach, so denkt mancher Bürger heute, wenn das bloß gewöhnliche Räuberbanden wären, doch die stehlen das Leben selbst!
Ich wähle das Leben
Nie schien es mir dringender und hilfreicher, das ultimative und einzige Gegenprogramm zu wählen, das Gegenteil von Suizidalismus, Hedonismus, Trotzkismus und all dem sonstigen dämonischen Zeug.
Lasst mich diesen zum Essay 2.739 gewordenen Aufschrei drehen und mit Jesu Worten aus dem Johannes-Evangelium schließen:
Der Dieb kommt nur, um zu stehlen und zu schlachten und Unheil anzurichten; ich aber bin gekommen, damit die Schafe Leben haben und Überfluss haben.
– Johannes 10:10
Das, liebe Freunde, ist das Gegenprogramm. Wenn Tod und Leben gegeneinanderstehen, wähle ich das Leben – selbst wenn sie mich dafür töten sollten.
Weiterschreiben, Wegner!
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Der Essay Lethokratie: Wenn der Staat gen Tod regiert von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/lethocracy/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!
