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»Tis better to have loved and lost than never to have loved at all«, so schrieb Lord Tennyson in Memoriam seines Freundes.
Das bedeutet: Es ist besser, geliebt und verloren zu haben, als nie geliebt zu haben.
Ein Liebesmüder kann antworten: Ach, wen kümmert es? Ohne den Gegenstand meiner Liebe ist die Liebe sinnlos. Und wenn ich nicht mehr bin, dann stirbt auch meine Liebe.
»Wenn Hass mit seinem Paket kommt, verweigere die Annahme«, so singt Leonard Cohen. Der Hassende nimmt am Hass teil, er nimmt ihn an, macht ihn sich zu eigen.
Ähnlich ist es mit der Liebe. Der Liebende nimmt Liebe an, gibt ihr Richtung und Gegenstand. Die Liebenden nehmen Liebe an und richten sich darin ein. Der Mensch braucht Liebe, sonst erkaltet er. Liebe aber existiert auch ohne den Menschen, ähnlich wie Gott, das Universum oder die Zahl Drei ohne den Menschen existieren.
Wie ist es mit der Liebe zur Heimat?
Ist es besser, eine Heimat geliebt und verloren zu haben, als nie Heimat gespürt zu haben?
»Nein, nein, nein«, rufen die Aufrechten, »nie seine Heimat verloren geben! Kämpfen bis zuletzt!«
Ein Müder antwortet: »Wenn ich nicht mehr bin, verliert meine Heimat mich ohnehin. So oder so. Es ist also nur eine Frage, was zuerst kommt.«
Der geneigte Leser aber merkt an: »Heimat stirbt nicht. Der Staat mag sich gegen die Bürger wenden. Das Land mag von Feinden besetzt werden. Unsere Kinder mögen in alle Winde verstreut sein, mit Fremden verheiratet oder gar nicht erst geboren. Heimat aber kann nicht sterben. Denn: Heimat und Liebe zur Heimat ist dasselbe – und Liebe stirbt nicht.«
Als Antwort also: »Ja, es ist besser, geliebt und verloren zu haben, als nie geliebt zu haben. Das Land mag sterben, die Freunde mögen begraben werden, der Gegenstand deiner Liebe mag den Weg alles Zeitlichen gehen. Wie Paulus aber richtig sagt: Glaube, Hoffnung und Liebe bleiben, die Liebe aber ist die Größte unter ihnen. (1. Korinther 13:13)«
Ist es also besser, geliebt und verloren zu haben? Ja, ist es.
Heimat bleibt, nicht nur bis zuletzt, denn Heimat wie Liebe hat kein Zuletzt. Fragt die Vertriebenen! Die Vertriebenen verloren ihre Städte, in ihren Häusern leben nun Fremde. Doch die Liebe zur Heimat und damit die Heimat, die starben nicht – weil Liebe nicht sterben kann.
Wo wir aber von Vertriebenen reden: In den Katakomben von Rom, über den Schädeln und Schienbeinen der Mönche und nicht nur dort ist zu lesen: Was ihr heute seid, das waren wir auch. Und was wir heute sind, das werdet ihr bald sein.
Weiterschreiben, Wegner!
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Der Essay Und was wir heute sind von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/und-was-wir-heute-sind/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!
