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»Niemand ist ganz unnütz«, so sagt man in Deutschland, »er kann noch immer anderen als schlechtes Beispiel dienen.«
Nun, gemäß dieser Redensart ist auch das sehr deutsche Projekt »Volksverpetzer« nicht vollständig nutzlos. (Falls ihr es nicht kennt: Stellt euch das Klischee eines Klischees einer ultra-linken, ultra-woken Laberbude vor – und dreht dann die Crazy-Regler auf 200%. Deren Begriff von Realität und Wahrheit ist … ein durchaus eigener. Dennoch – oder genau deswegen? – nennen sie sich »Faktenchecker«, und das ist der Punkt, wo es interessant wird.)
Kürzlich gab dieses Projekt auf der linken X/Twitter-Kopie »BlueSky« dies von sich:
Na, warum gibt es denn keine rechten Faktenchecker? Es gibt so viele rechte Millionäre, die ganze Medienhäuser aus dem Boden stampfen. Aber da soll kein Faktenchecker darunter sein? Die jammern doch, dass Faktenchecker so »links« seien & alles ganz anders sei. Ja, dann macht! Oder haben sie Angst! (@volksverpetzer.de auf BlueSky, zitiert nach @mtaushb, 23.09.2025)
Man will mit den Augen rollen, schmunzeln und sich wieder anderen Themen zuwenden. Wir spüren intuitiv, dass das Unsinn ist. Und im Alltag genügt diese Intuition, um keine Zeit zu verschwenden.
Die Volksweisheit dazu lautet: Es braucht viel mehr Arbeit, Pudding von der Wand zu kratzen, als ihn da hinzuwerfen. So ist es oft auch mit linkem Unsinn.
Allerdings wissen wir aus der Philosophie, dass bisweilen das Ausformulieren vermeintlicher Selbstverständlichkeiten zu mehr Klarheit im eigenen Denken führen kann. Lasst uns also ausformulieren, warum diese unsinnige Aussage so unsinnig ist (und zugleich entlarvend).
Auf Befehl ins Gegenteil
Warum also existieren keine »rechten« Faktenchecker?
Um diese Frage präzise zu beantworten, müssen wir zunächst festhalten, was »rechts« hier wirklich bedeutet.
Der Ausdruck »rechts« hat heute nicht zwingend eine Bedeutung bezüglich einer politischen Positionierung. In der realen Verwendung bedeutet »rechts« meist »nicht-links« oder schlicht »böse«. »Links« und »gut« aber verweist in der Praxis auf das, was die aktuelle Propaganda der Konzerne und von Milliardären finanzierten NGOs sagt. Wenn überhaupt »links« inhaltlich bestimmt wird, dann in etwa als »anti-westlich«.
(Dass »links« in der Praxis schlicht »die Propaganda des Tages« bedeutet, erkennen wir an »linken« Positionen wie »Queers for Palestine« oder am rapiden Umschwenken von Leugnung zu Hysterie zu Beginn der Corona-Panik. Was in sich widersprüchlich ist oder auf Befehl ins Gegenteil umgeschaltet werden kann, ist kein Gedankengebäude, das man als »links« oder »rechts« bezeichnen könnte.)
Der Satz »Na, warum gibt es denn keine rechten Faktenchecker?« ließe sich also korrekter übersetzen: Warum haben Gruppen und Medien, die nicht die Propaganda des Tages nachbeten, keine dedizierten Autoritäten, die festlegen, was wahr ist und was falsch? Nichts anderes sind ja diese linken »Faktenchecker«: Möchtegern-Wahrheitsministerien nach Orwell-1984-Vorbild.
Das Posting jener linken Initiative beschreibt ja einen echten Unterschied! Doch der implizite Vorwurf ist eine brutale Selbstoffenbarung.
Die Rolle von Autoritäten
Ein Unterschied zwischen »linkem« und »rechtem« Verständnis von Wahrheitsfindung ist die Rolle von Autoritäten.
Linke sagen Dinge wie »Glaubt der Wissenschaft!«. Sie setzen »Faktenchecker« ein und offenbaren damit eine radikal autoritätshörige Methode der Wahrheitsfindung. Für jene, die sich heute »links« nennen, ist wahr, was ihre Autoritäten als »wahr« etikettiert haben.
»Wahr« ist für (heutige!) Linke zum Beispiel, was der Mensch im Staats- oder Konzernfunk sagte. Rechte mögen Trump-Anhänger sein, und man wird eher selten erleben, dass sie etwas schon allein deshalb für wahr halten, weil Trump es sagte. Von Linken wird man aber den abstrusesten Unsinn hören (etwa dass ein Mann in Frauenkleidern eine Frau ist), solange sie das Gefühl haben, dass sie mit dem Aussprechen dieses Unsinns einer moralischen Autorität gefallen.
Für »Rechte« (oder präziser: »Nicht-Linke«) ist es die Aufgabe jedes Menschen und erst recht jedes Journalisten, Aussagen auf Wahrheitsgehalte und Widersprüche zu prüfen. Für (heutige) Linke sind Begriffe wie »Selbstdenker« ein Zeichen von »Rechtsextremismus«.
Wenn jene linke Initiative (womöglich neidisch) über »rechte Millionäre« spricht, »die ganze Medienhäuser aus dem Boden stampfen«, dann hat man damit vermutlich zuerst »nius.de« im Kopf.
Und aus linker Perspektive erscheint es tatsächlich wie eine Lücke: Warum gibt es bei Nius oder den Freien Denkern keine »Faktenchecker«?
Zwei und zwei zusammenzuzählen
Die Antwort ist, liebe Linke: Ihr seht den Wald vor lauter Bäumen nicht! Will sagen: Wir sogenannten Rechten sind alle das, was ihr Faktenchecker nennt.
Wollte ich Bibel und Kirche zur Illustration bemühen, könnte ich den Linken sagen: Ihr glaubt, dass ein jeder Mensch die größte Autorität dafür ist, was Gott und die Bibel sagen (»sola scriptura«). Doch in Angelegenheiten der Welt traut ihr euch nicht, zwei und zwei zusammenzuzählen, ohne dass der Mann im TV oder der Vorbrüller auf der Demo euch das Ergebnis vorsagt.
Und weiter: Bei (vielen von) uns verhält es sich genau anders herum! In Angelegenheiten des Glaubens setze ich die Erkenntnisse von zweitausend Jahren über meine Bauchgefühle – doch in Angelegenheiten der Welt ist mein Motto: Prüfe alles, glaube wenig, denke selbst!
Wir »Rechten« haben keine Faktenchecker, weil jeder von uns ein Faktenchecker ist. Und wenn »rechte« Journalisten eine besondere Autorität in Sachen Fakten besitzen, dann nicht, weil diese ihnen vom Staat oder sonstwem verliehen wurde, sondern weil sie sich seit langer Zeit gegenüber den vielen Faktenchecks der Leser bewährt haben.
Nein, niemand ist ganz unnütz. Auch ein »Volksverpetzer« kann nützlich sein, wenn wir an der Dummheit und Unschärfe seiner Aussagen unsere eigenen Aussagen schärfer und weniger dumm machen können.
Euch aber, liebe Leser, bitte ich, auch diese Aussagen zu prüfen. Bestehe ich den Faktencheck? War ich vielleicht sogar etwas nützlich? Es würde mich sehr freuen – sendet dann unbedingt einen Link zu diesem Essay an einen Freund!
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Der Essay Warum haben Rechte keine »Faktenchecker«? von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/warum-haben-rechte-keine-faktenchecker/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!
