Wachstum und Beschäftigung, jetzt aber wirklich

Jemütlisch, mit Zitronenbäumen
Merz will jetzt diesmal aber wirklich für »Wachstum und Beschäftigung« sorgen. Niemand mit einem IQ über CDU-Umfragewerten nimmt das ernst. Was würde es WIRKLICH brauchen, um Deutschland zu reparieren? Es wäre brutal. Niemand will es aussprechen.

»Der Kanzler will seine Minister auf einen Knallhart-Kurs einschwören«, so lese ich bei bild.de, 25.08.2026.

Merz »will mehr Tempo bei den Reformgesetzen, nur noch zwei Themen in den Fokus nehmen – Wachstum und Beschäftigung«. Er macht eine »klare Ansage«: »Ich werde das Team auf diese Aufgabe einschwören.«

Es ist eine Prüfung, für dich und mich. Lasst mich erklären – und ausholen.

Niemand mit einem Intelligenzquotienten über den CDU-Umfragewerten nimmt das ernst. Doch tatsächlich ist die Art und Weise, wie wir diese Ansage »nicht ernst nehmen«, interessant in ihrer Mehrdimensionalität.

Hätten sie denn den Willen, die Fähigkeit?

Nehmen wir einmal rein hypothetisch an, dass diese Leute tatsächlich den Willen besäßen, Deutschland nach einem verlorenen Jahrzehnt wirklich und plötzlich aus dem suizidalen Wahnsinn herauszuholen und zumindest eine vernunftnahe Richtung einzuschlagen. (Welchen Willen haben die denn gezeigt, außer deutsches Steuergeld ins Ausland zu schicken? Ach ja, und außerdem Deutschland darauf vorzubereiten, seine letzten deutschen Söhne ebenfalls im Ausland an Drohnen auszuliefern?)

Aber gut, nehmen wir an, dass jetzt durch eine magische Bekehrung wirklich der Wille eingepflanzt werden kann, Deutschland zu reparieren. Wären diese Leute denn überhaupt in der Lage, diese Reformen durchzuführen?

Auch die Staatsform »Unsere Demokratie«, dieses wabernde Machtgeflecht von NGOs und Altkadern, ist durchaus optimiert. Allerdings darauf optimiert, die eigene Macht zu bewahren. Und Leute, die innerhalb des Unsere-Demokratie-Systems erfolgreich sind, sind in ihren kognitiven und intellektuellen Dispositionen auf den Erfolg innerhalb dieses einen Systems hin optimiert.

Paradigmatisches Beispiel ist Annalena Baerbock. Schon 2021 beschrieb ich im Essay »Merkel sucht den Nachfolgeroboter« Baerbocks sehr spezielle Eigenschaft, scheinbar verständnislos politisch klingende Satzfragmente aufzusagen, um dann quasi experimentell festzustellen, was davon funktioniert, um die eigene Karriere entgegen der meritokratischen Richtung zu bewegen.

Nachdem sie Deutschland bei der UN blamierte, wird sie jetzt »laut Medienberichten im Herbst an die Columbia-Universität wechseln«, wie der deutsche Staatsfunk stolz verkündet (tagesschau.de, 25.08.2026). Es ist eine weitere Demütigung der westlichen Intellektualität. Schaut, wie lächerlich eure Universitäten sind! Immerhin besitzt Baerbock, wie mancher deutsche Politiker, genug Überlebensinstinkt, sich aus Deutschland abzusetzen.

Nein, das Unsere-Demokratie-Team um Merz besitzt keine unmittelbar erkennbare Expertise, die Probleme zu lösen, die sie so lange ignoriert haben. Und nein, sie können nicht einfach »Berater« anstellen. Schlicht weil in Berlin ein »Berater« wird, wer die Fähigkeiten und Netzwerke besitzt, sich als Berater einstellen zu lassen – etwa das Talent, stets zu sagen, was der Politiker hören will. Etwa warum die AfD daran die Schuld trägt, dass Firmen wegen hoher Strom- und Lohnnebenkosten dichtmachen.

Mehr Illusion wagen!

Doch lasst es uns kurz den Linken nachmachen und einmal Träumer sein, Realität und Vernunft hintanstellen. Mehr Illusion wagen!

Lasst uns annehmen, magischerweise gewönne das BlackRock-Vorfeld … pardon, ich meine: das »Team Merz« den Willen und die Kompetenz, Deutschlands verlorenes Jahrzehnt aufzuholen.

Zu reparieren, was alles demoliert wurde.

Ginge das überhaupt?

Der Weg zurück, 2018 beschrieben

2018 schrieb ich meinen wohl utopischsten Text, mit dem Titel: »Wird unsere Kraft reichen, den Weg zurückzugehen?«

Es ging um die »Zeit nach Merkel«.

Utopisch war ich nicht darin, dass eine Zeit »nach Merkel« kommen würde. Utopisch war ich darin, dass Deutschland nach Merkel zur Besinnung kommen und umdrehen würde.

Erst kam Olaf Scholz. Dann kam Friedrich Merz. Und die Marschrichtung Merkel wurde stur beibehalten.

Nein, die in jenem Essay herbeigesehnte Umkehr trat nicht ein.

Die Diagnosen jenes Textes aber sind heute leider sogar noch richtiger; will sagen: drängender, dräuender.

Der Weg zurück wird für Deutschland schmerzhaft werden. Umso weiter wir gehen, umso schmerzhafter wird der Weg zurück werden – wird Deutschland überhaupt noch die Kraft dafür haben?
– Essay »Wird unsere Kraft reichen, den Weg zurückzugehen?«

Zwei Wege – und keiner ist komfortabel

Sprechen wir es aus: Deutschland steht jeden Tag an einer Weggabelung. Der eine Weg geht weiter in Richtung Abstieg. Der andere Weg würde inzwischen womöglich einem Bürgerkrieg ähneln. Mit jedem weiteren Tag kommt der Abstieg näher – und der theoretische Weg zurück wird brutaler.

Glaubt ihr denn, es würde friedlich zugehen, wenn plötzlich die geltende Gesetzeslage zum Aufenthaltsrecht durchgesetzt würde? Glaubt ihr denn, NGOs würden es friedlich hinnehmen, wenn sie von Macht und Geldtöpfen abgeschnitten würden? Ich habe zwar nur wenig Angst vor körperlicher Gewalt durch die Journaille, wenn der Staatsfunk zur Rettung Deutschlands abgeschafft würde, aber ein Lärm wäre es doch.

Ich verstehe sehr wohl, dass und warum so viele auch Konservative und Rationale sich in ihren Innenhöfen einrichteten. Ich habe es ja selbst empfohlen.

Doch der Noch-Frieden im eigenen Innenhof könnte darüber hinwegtäuschen, dass mittelfristig nur zwei Wege existieren – und keiner ist komfortabel.

Woher soll das Wachstum kommen?

Überlegt nur eine Minute lang, was es bräuchte, um »Wachstum und Beschäftigung« wieder anzukurbeln. Die EU reguliert die KI kaputt. Die deutsche Öffentlichkeit ist dank Staatsfunk und Propaganda-Maschine schlicht desinformiert. Für eine Nation, die so viel und so weit in Urlaub fliegt, sind viele Deutsche erstaunlich weltfremd. Oder sollte man »weltblind« sagen?

Wie ich 2019 im Essay »Künstliche Intelligenz und Mäusespeck« im Voraus beschrieb, kommt heute ernstzunehmende und kulturell relevante KI-Arbeit praktisch nur aus den USA und China. Wo genau sollen »Wachstum und Beschäftigung« herkommen?

Die Industrie wird nicht wiederkommen, bloß falls Deutschland die Lohnnebenkosten um 1 % senken sollte. Die Politik wird vielleicht ein paar Firmen mit Subventionen bewegen, Fake-Arbeitsplätze zu betreiben – bis zur nächsten Wahl. Wir verbrennen das Mobiliar, und das wird uns noch eine Zeit lang warm halten – bis Raum für Raum ohne Möbel dasteht.

Die Prüfung

Darin aber besteht die Prüfung, die ich meine: Habe ich den Mut, mir das einzugestehen, dass es ist, wie es ist?

Die wenigen Tagesschau-Gucker und andere Andersbegabte, welche Merz noch Glauben schenken sollten, sind ohnehin verloren.

Was ist aber mit den anderen, die Merz nicht glauben, doch die notwendigen Entscheidungen aufschieben?

Ich sage: Gesteht euch ein, dass es ist, wie es ist.

Denn das bleibt gültig: Am Ende gewinnt immer die Realität.

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Der Essay Wachstum und Beschäftigung, jetzt aber wirklich von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/weltblind/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!