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Im alten Griechenland bedeutete »Demokratie«, dass nur freie Männer, deren Eltern selbst aus Athen stammten, wählen und mitbestimmen durften. These: Würden heute nur Verantwortungsträger wählen, hätte AfD die absolute Mehrheit.

Es ist eine denkbar simple Meldung:

Bei der neuen INSA-Sonntagsfrage im Auftrag von Bild ist die AfD mit 26 Prozent weiterhin stärkste Kraft, auch wenn sie im Vergleich zur vorherigen Woche einen Prozentpunkt verlor. (…) In allen Altersgruppen von 18 bis 59 Jahren ist die AfD stets stärkste Kraft. Lediglich bei den Wählern ab 60 Jahren liegt sie auf dem zweiten Platz.
apollo-news.net, 28.10.2025

Diese neue Umfrage schlüsselt nicht nach Geschlecht auf, doch ältere Untersuchungen tun das durchaus.

Bei der letzten Bundestagswahl war die AfD bei jungen Männern doppelt so stark wie bei jungen Frauen. Umgekehrt erhielt die Linke doppelt so viel Unterstützung unter jungen Frauen wie unter jungen Männern.
handelsblatt.com, 17.09.2025

Ein zynischer Witzbold könnte angesichts dieser Erkenntnis ausrufen wollen:

Ha, ich wusste doch, dass das Frauenwahlrecht ein Fehler war!
– fiktiver frivoler Frechdachs

Oder, als Anschauungsbeispiel für einen nicht ausgedachten Zeitgenossen:

Ihr trefft einen Mann zwischen 30 und 60, der einer regelmäßigen Arbeit nachgeht und ethnischer Europäer ist? 50 % Chance, dass er die AfD wählt.
@KraZMagazin, 28.10.2025

Weckt mal kurz den inneren Historiker in euch und fragt ihn, woran ihn diese Beschreibung erinnert – dieser »Mann zwischen 30 und 60, der einer regelmäßigen Arbeit nachgeht und ethnischer Europäer ist«.

Ich helfe gern!

Mesopotamischen Stadtstaaten

In diesen Zeiten, in denen die deutsche Demokratie ohnehin durch einen totalitären Elitenstaat namens UnsereDemokratie ersetzt wird, könnte man bald vergessen, dass das, was wir vorher hatten, auch nicht »die« Demokratie im ursprünglichen Sinne war.

Demokratie ist ein griechisches Wort: δημοκρατία. Wörtlich: die Volksherrschaft. Die erste wörtliche Erwähnung findet sich im 5. Jahrhundert vor Christus bei Herodot. Erste demokratische Vorläufer wurden allerdings schon drei Jahrtausende vor Christus in mesopotamischen Stadtstaaten praktiziert (siehe engl. Grokipedia).

In Mesopotamien, vor fünftausend Jahren, versammelten sich freie Männer, um gemeinsam Entscheidungen für ihren Stadtstaat zu treffen.

Und auch in der Demokratie der alten Griechen waren es freie Männer, die über das Wohl des Staates abstimmten. Ausschließlich männliche Vollbürger Athens waren wahlberechtigt, also freie, erwachsene Männer, die dazu noch Athener Eltern hatten. Nicht wählen durften Frauen, Kinder, Sklaven, ortsansässige Fremde.

In der Athener Demokratie waren nur etwa 10 bis 15 Prozent der Bürger tatsächlich wahlberechtigt!

Simple Frage: Inwiefern ist ein allgemeines Wahlrecht besser?

Das Komplizierte an dieser simplen Frage ist die Zweideutigkeit des Wortes besser.

Wie ich in Relevante Strukturen darlege, bedeuten (potenziell) ethische Begriffe wie besser, dass eine relevante Struktur gestärkt wird.

Es ist gut, ein Kind zum Lernen zu motivieren, da dies die relevanten Strukturen Kinder und unser aller Zukunft stärkt.

Welche Struktur wird aber durch ein allgemeines Wahlrecht gestärkt?

Simple Antwort: Durch das allgemeine Wahlrecht wird die Legitimation des Ergebnisses gestärkt.

Das allgemeine Wahlrecht dient dem Zweck, dass die Politik sagen kann: »Haha, ihr alle habt uns gewählt, damit sind wir berechtigt, über euch alle nach Gutdünken zu verfügen.«

Das allgemeine Wahlrecht wird nicht damit begründet, dass es den relevanten Strukturen Land, Volk und Wohlstand bestmöglich dient.

Für effektivere Schlachthöfe

In der Demokratie entscheidet ja die Mehrheit über die Regierung (zumindest in der Theorie). Doch ich stellte schon 2018 fest: »Die Mehrheit liegt selten richtig, aber oft falsch«.

Nach Platon führt Demokratie zur Herrschaft der Unwissenden, da die Menge von Lust getrieben ist. Nach Tocqueville ist Demokratie die Tyrannei der Mehrheit.

»Wir sind mehr«, so rufen deutsche Schafe gern, wenn sie von ihren Metzgern angestiften wurden, für effektivere Schlachthöfe zu demonstrieren.

Doch schon Goethe wusste:

Nichts ist widerwärtiger als die Majorität; denn sie besteht aus wenigen kräftigen Vorgängern, aus Schelmen, die sich anpassen, aus Schwachen, die sich angleichen, und der Masse, die nachrollt, ohne im mindesten zu wissen, was sie will.
– Goethe, Maximen und Reflexionen

Ein bekanntes Bonmot besagt: »Demokratie bedeutet, dass zwei Wölfe und ein Schaf darüber abstimmen, was es zum Abendessen gibt.« – Es liegt schmerzhaft viel Wahrheit darin.

Tatsächlich, siehe obige Umfragen, bedeutet Demokratie heute, dass die Faulen, die Unglücklichen, die Arbeits- und Ahnungslosen darüber entscheiden, wie sie den wenigen Fleißigen und Verantwortlichen den Ertrag ihrer Arbeit wegnehmen und unter sich verteilen.

Im altgriechischen Sinne

»Unsere Demokratie« bedeutet in absehbarer Konsequenz totalitärer Unrechtsstaat und Herrschaft elitärer Seilschaften.

»Demokratie mit allgemeinem Wahlrecht bei gleichzeitiger Dauerpropaganda« – bedeutet das in erlebter Konsequenz womöglich die Herrschaft der Faulen, Ahnungslosen und Verführbaren?

Eine Demokratie im altgriechischen Sinne bedeutet die Herrschaft der wirklichen Verantwortungsträger.

Es ist eine simple Wahrheit: Würden wir Demokratie im altgriechischen Sinne betreiben, hätte die AfD eine komfortable eigene Regierungsmehrheit.

Auf der anderen Seite: Wenn Verantwortung und Vernunft bei deutschen Wahlen die Mehrheiten und damit die Politik bestimmen würden, wäre die AfD gar nicht notwendig gewesen.

Allgemeine Unvernunft oder allgemeines Wahlrecht – ein Land kann sich nur eines davon leisten.

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