Wir alle ahnen nicht, wie wenig Zeit uns bleibt. Selbst die, die es wissen, fühlen es (noch) nicht in den Knochen, im Bauch, im Herzen. Selbst die sonst klugen und sonst klarsichtigen Zeitgenossen, wollen es sich zu oft nicht eingestehen.
Uns bleibt schmerzhaft wenig Zeit. Und ich meine heute nicht nur die endliche Lebenszeit, die ja bekanntlich viel zu kurz ist, wie lang auch immer der einzelne Tag sich anfühlen mag.
»Ihr seid doch nur ein Rauch, der für kurze Zeit sichtbar wird und dann verschwindet«, so mahnt die Bibel (Jakobus 4:14)
Ja, die Zeit des Einzelnen ist erschreckend kurz. Umso erschreckender, wie leichtfertig so viele Menschen ihre Lebenszeit verschwenden.
Heute aber meine ich die Zeit, die uns bleibt. Die Zeit, die wir noch haben.
Ich will euch gern sagen, wie ich darauf komme, dies genau heute zu schreiben!
Der eigenen Gruppe
Ich las auf X, in Englisch, dies:
Germany suffers from suicidal levels of woke right now, but when you know Germans, you know they will overshoot on the correction so hard it will make MAGA look like a liberal kindergarten.
Das bedeutet ins Deutsche übertragen etwa: »Deutschland leidet derzeit an suizidalen Leveln von Wokeness, doch wenn du Deutsche kennst, weißt du, dass sie bei der Korrektur wieder übers Ziel hinausschießen werden, so hart, dass MAGA dagegen wie ein linker Kindergarten aussehen wird.«
Ich muss leider beim Begriff »suizidal« zustimmen. Und zwar seit 2017 schon. Damals schrieb ich den Essay »Suizidalismus – ein Name für diese Epoche«. Mit Suizidalismus beschrieb ich damals »politische und kulturelle Strömungen, welche die Auflösung oder Ersetzung der eigenen Gruppe zum Ziel haben«.
(Meine Definition ist auch heute, bald ein Jahrzehnt später, solide. Das damalige Lob der »Liberalen Partei« als Bollwerk gegen eben jenen Suizidalismus aber alterte wie Milch in der Sonne.)
Nun, ein anderer Nutzer widersprach jener Prognose, und wir stimmen diesem Widerspruch womöglich zu:
There will be no „correction“. There’s no going back. Most major German cities have more foreign youths than German youths. The German population has already been replaced. Ethnic germans are guaranteed to be a minority in a few decades, replaced by Africans and Muslims.
Auf Deutsch etwa: »Es wird keine ›Korrektur‹ geben. Es gibt kein Zurück. In den meisten deutschen Großstädten leben mehr ausländische als deutsche Jugendliche. Die deutsche Bevölkerung wurde bereits ersetzt. Ethnische Deutsche werden in wenigen Jahrzehnten garantiert in der Minderheit sein und von Afrikanern und Muslimen verdrängt werden.«
Verwenden jene Autoren mit »ersetzt« das richtige Wort hier? Ach, der Zensor mag sich ein anderes Wort dafür aussuchen, wenn die einen Leute nun mal da sind, und die anderen Leute eben nicht mehr da.
Ich könnte ja anklagend feststellen, dass jedes Gespräch mit deutschen und anderen europäischen Mitmenschen mir bewusst macht, dass es keine »Korrektur« geben wird. Ja, ich könnte so anklagen, doch beim Blick in den Spiegel stelle ich fest, dass ich ja auch nicht »mutiger« bin. Und ich will bestimmt nicht, dass meine Kinder »mutig« sind.
Zur Nächstenliebe
Wir haben unsere Kinder von kleinauf zu Freude am Lesen und Lernen erzogen, zum friedlichen Miteinander und ja, zur friedliebenden Nächstenliebe.
Mir wird aber täglich schmerzhafter bewusst, dass wir damit zu einer verschwindend kleinen – und verschwindenden – Minderheit gehören. Die Mehrheit der Menschheit sieht im Guten den Dummen, den es auszunutzen und dann fortzuwerfen gilt.
Ja, Kinder aus Bildungshaushalten mit christlichen Werten sind schon heute in der Minderheit in den meisten deutschen Großstadt-Schulen. Und die Mächte, welche wirklich das Schicksal des Westens formen (wollen), sind leider recht erfolgreich darin, diese Entwicklung eher zu beschleunigen.
Vor Jahren blamierte sich eine deutsche Partei im Wahlkampf mit dem Slogan »das Wir entscheidet«. Es war auf vielen Ebenen falsch, und der Slogan wurde ausgelacht. Eine der Falschheiten: Das »Wir« entscheidet eben nicht, gerade im Alter von Suizidalismus und Unsere Demokratie nicht. Spätestens wenn das Establishment für den Fall des Wahlsiegs der Opposition de facto einen Staatsstreich ankündigt und den Staat umbaut, um ja nicht die alten Pfründe zu verlieren.
Schon seit einiger Zeit
Das Wir hat nicht entschieden, Suizid zu begehen. Jemand hat dem Wir mit »Moral« die Hand auf den Rücken gedreht. Jemand hat dem Wir die Augen verbunden und das Gehirn vergiftet. Das Wir hat all das an sich geschehen lassen, erst langsam und dann schnell, und nun ist das Wir dumm und feige.
Dem Wir ist nicht bewusst, wie wenig Zeit ihm noch bleibt. Ach, ich fürchte, uns bleibt schon seit einiger Zeit gar keine Zeit mehr.
Du bist Teil des Wir, das ist wahr, doch du bist nicht identisch mit dem Wir. Und dir bleibt womöglich wenig Zeit, selbst die nächsten und notwendigen Schritte zu unternehmen.
Das »Wir der Zukunft« aber, es wird ein anderes Wir sein – und ein deutlich kleineres.
Weiterschreiben, Wegner!
Das Schreiben dieser Essays ist nur mir Ihrer Unterstützung möglich. Werden und bleiben Sie Teil meiner Arbeit!
Bitte wählen Sie Ihren freiwilligen Leserbeitrag:
E-Mail-Abo
Einmal die Woche (immer Sonntag früh) bekommen Sie eine automatische Zusammenfassung aller Postings der letzten Woche. (Gratis, jederzeit abbestellbar.)
Der Essay Wie wenig Zeit von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/wie-wenig-zeit/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!
