11.11.2022

Gott vergibt – ich nehme zur Kenntnis

von Dushan Wegner, Lesezeit 5 Minuten, Foto von Taylor Brandon
Corona-Täter, die andere drangsalierten und beschimpften, fordern nun eine »Amnestie« für sich. Man habe es doch gut gemeint. – Ne, sorry: Ihr fandet, dass Ungeimpftsein ein Makel ist. Ich finde, dass eure Taten euer Makel sind – euer Leben lang.
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Hurra, die Corona-Panik ist vorbei, auch wenn es noch nicht alle wahrhaben wollen. In Köln feiern sie, während ich dies schreibe, in den Straßen Karneval – aber gut, das taten sie während Corona auch; siehe express.de, 11.11.2021.)

Die Corona-Panik ist vorbei (auch wenn ein gewisser Prof. Karl L. das nicht wahrhaben will), doch das Unrecht, das im Namen des Virus geschah, die Lügen und »legalen Verbrechen«, all das steht weiterhin im Raum – ja, es ist täglich schwerer zu leugnen.

Sicher, es gibt Ansätze einer moralischen Aufarbeitung, wie im Buch »Möge die gesamte Republik mit dem Finger auf sie zeigen.« – und das ist durchaus wertvoll.

Jedoch, sagen wir es geradeheraus: Es wird keine ernstzunehmende Aufarbeitung geben, zumindest keine rechtliche.

Eine rechtliche Aufarbeitung der Corona-Aktionen aller treibenden und profitierenden Akteure, eine Aufarbeitung mit Gerichtshöfen und, bei vorliegender Schuld, angemessenen Strafen, so eine Aufarbeitung würde eine interessierte externe Macht voraussetzen. Wer sollte das sein?

Viel verzeihen

Umso interessanter ist es, dass sich im globalen Dorf öffentlicher Meinung seit einiger Zeit einige Stimmen melden, die eine Amnestie fordern, teils indirekt, teils wörtlich.

In Deutschland schrieb der ehemalige Gesundheitsminister Jens Spahn (mit Helfern) ein Pandemie-Buch mit dem Titel »Wir werden einander viel verzeihen müssen« (penguinrandomhouse.de). – Ich habe das Buch nicht gelesen. Das Leben ist zu kurz, um diese Politiker-Fließband-Bücher durchzuarbeiten. Der Titel aber ist spannend. (Nachtrag: Stefan Homburg hat, anders als ich, das Buch gelesen. Er sagt, wenn ich das richtig verstehe, dass Spahn nicht sein Corona-Handeln bereut, aber den Villenkauf; siehe @SHomburg, 9.11.2022.)

Die Aufforderung, »einander« zu »verzeihen« klingt in meinen Ohren wie ein Schuldeingeständnis, verbunden mit der fake-moralischen Aufforderung, gar nicht erst auf die Idee zu kommen, den Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen.

»Vaccines vaccines vaccines …«

In den USA erschien dieser Tage ein ähnlich gelagerter Essay, der überraschend viel Echo fand, und dessen Titel ist: »Let’s Declare a Pandemie Amnesty« (theatlantic.com, 31.10.2022) – zu Deutsch etwa: »Lasst uns eine Pandemie-Amnestie erklären.«

Die Autorin heißt Emily Oster, und ist Professorin für Wirtschaft an der angesehenen Brown University.

Bevor Sie den englischen Artikel selbst lesen, raten Sie mal, auf welchem Ende der Covid-Panik-Skala sich die Professorin wohl selbst befand!

Ach, wir wissen es.

Zeitweilig schien ihren Followern, als würde die Ultra-Impfbegeisterte an ihre mentalen Limits geraten.

Dezember 2021 twitterte die Dame, die jetzt eine »Amnestie« fordert:

Vaccines vaccines vaccines vaccines vaccines vaccines vaccines vaccines vaccines vaccines vaccines vaccines vaccines vaccines vaccines vaccines vaccines vaccines vaccines vaccines vaccines vaccines vaccines vaccines vaccines vaccines vaccines vaccines vaccines vaccines vaccines. (@ProfEmilyOster, 17.12.2021/ archiviert)

In jener Stimmung, die unter ihresgleichen wohl als weihnachtlich gilt, sinnierte sie kurz darauf darüber, wie man Ungeimpfte effektiver drangsalieren könne.

Ihr Argument dagegen, Ungeimpfte öffentlich bloßzustellen (»shaming«) war lediglich, dass es nicht funktionieren würde (@ProfEmilyOster, 22.12.2021, archiviert).

Stattdessen riet sie zum »individuellen familiären Druck« und »Impf-Pflicht für Dinge, die man tun will (Reisen im Land und im Zug, Arbeit, Sportveranstaltungen)«.

Die Frau ist Ökonomin, und sie ist in ihrer menschlichen Kälte gedeckt vom System, dem sie nutzt.

Und sie fordert nun eine »Amnestie« – für sich und ihresgleichen.

Warum eigentlich?

Vor der Tür

Es wird keine rechtliche Amnestie sein, keine juristische Vergebung, welche die Täter der Corona-Panik fordern.

Eine rechtliche Amnestie würde voraussetzen, dass irgendein Gericht es wagt, sich mit Pfizer und anderen Covid-Mächten anzulegen.

Welcher Richter will schon, dass die Polizei des lupenrein demokratischen Deutschland morgens zur erzieherischen Hausdurchsuchung bei ihm vor der Tür steht? (Vergleiche heise.de, 4.7.20221.)

Eine juristische Aufarbeitung des Corona-Unrechts setzt Strukturen, Interessen und Machtverhältnisse voraus, die schlicht nicht existieren.

Dass Corona-Täter aber auch noch eine Art »moralischer« Amnestie einfordern, dass setzt der Unverschämtheit noch eine Krone der Dreistigkeit auf.

Andere Instanzen

Es stünde mir gar nicht an, irgendwelche moralische Schuld zu »vergeben«, irgendwem eine »Amnestie« zu erteilen.

Dafür sind andere, weit höhere Instanzen zuständig.

Gott vergibt – ich nehme zur Kenntnis. Und die Vergebung, von welcher Jesus spricht, verstehe ich definitiv nicht als moralische Freifahrkarte des Täters, welcher dieser sich im Nachhinein selbst ausstellen kann.

Wenn diese Gestalten »Vergebung« wollen, können sich ja an den Geistlichen ihrer Wahl wenden. Zum Beispiel an deren Geistesgenossen, den selbsterklärten »Gutmenschen« Kardinal Woelki (siehe Essay vom 7.1.2017).

Kardinal Woelki wird den Corona-Tätern, deren Seele nach Vergebung ruft, gewiss gern die Beichte abnehmen (falls er denn Zeit hat – aktuell, so berichtet focus.de, 8.11.2022, ermitteln die Staatsanwaltschaft Köln wegen eines Meineid-Vorwurfs gegen ihn).

Sogar zusammenarbeiten

Ich bin für unser privates seelisches Aufräumen. Wir sollen und müssen für uns selbst benennen, wer die Täter waren und was sie uns, unserer Familie und unserem Land antaten.

Doch wenn die von »Amnestie« reden, und es klingt, als forderten sie »Schwamm drüber« und »morgen musst du uns wieder folgen«, dann vergebe ich nicht – meine Schauspielkunst reicht einfach nicht.

Ja, wir werden mit Leuten zusammenarbeiten müssen, die Ungeimpfte drangsalierten, bedroht und beschimpften, die Ungeimpfte aus der Gesellschaft ausstoßen und wirtschaftlich ruinieren wollten.

Nein, weder vergeben noch vergessen – und schon gar nicht dann, wenn es die Täter sind, die für sich selbst Vergebung einfordern – mit ähnlicher Dreistigkeit, wie sie eben noch den Ausschluss der Abweichler forderten.

Ja, ich werde natürlich versuchen, ordentlich neben Menschen zu leben, die Ungeimpfte eben noch als Menschen-zweiter-Klasse ausstoßen wollten. Es ist sogar vorstellbar, dass ich in nebensächlichen Projekten mit ihnen zusammenarbeite.

Die schlimmsten Lügen sind die, welche der Mensch sich selbst erzählt. Ich werde weder mir noch denen die Lüge erzählen, dass deren Taten »verständlich« gewesen wären, und daher »verziehen« werden müssen.

Ich sage denen: Ihr habt getan, was ihr getan habt, und keine »Vergebung« meinerseits würde das ändern.

Ihr fandet, dass das Ungeimpftsein der Ungeimpften ein Makel war.

Ich finde, dass eure Taten in der Corona-Panik ein Makel an euch waren – und bleiben werden.

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