03.07.2021

Keine Freiheit ohne mRNA-Injektion?

von Dushan Wegner, Lesezeit 9 Minuten, Foto von Federico Tasin
Freiheit nur mit mRNA-Injektion, so hört man aus dem Kanzleramt – während auch Geimpfte sich mit der Delta-Variante anstecken! Kann es sein, dass es nicht so sehr um Gesundheit geht, sondern um unbedingten Gehorsam?
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Zwei Dinge erfüllen Kants Gemüt mit Bewunderung und Ehrfurcht, da ist einmal der bestirnte Himmel über ihm, und einmal das moralische Gesetz in ihm. (Ihr treuer Essayist erwähnte es in jenen fernen Zeiten, in jener anderen Dimension, die wir »Anfang 2020« nennen; der Text trug den Titel: »Tue, was richtig ist, nicht was dir Szenenapplaus einbringt!« – Sie können den Kantschen Text via zeno.org nachlesen.)

Ich ahne heute, dass Kant damals und darin eine Schere öffnete, die unsere Zukunft in einer prophetischen Kraft beschreibt, die der Volksmund eher einem Nostradamus zuschreibt! Was ich hier sage, mag kryptisch klingen. Doch »kryptisch«, das kommt von den Lateinern, die es selbst von den Griechen haben, und bei beiden heißt es »verborgen«. Was aber verborgen ist, das kann offengelegt werden, ja, offenbart. Und dann wird es offensichtlich sein – versprochen! (Doch zunächst, die Nachrichten…)

Aus dem Weltall

Merkels Zerstörungswerk ist nur dank willfähriger Helfer möglich. Einst galt Peter Altmaier als »Merkels Mann für alles« (sueddeutsche.de, 11.4.2017). Das Unrechtsjahr 2015, inklusive der folgenden Destabilisierung der Gesellschaft, der Toten (siehe zuletzt etwa die grausamen Morde von Würzburg), wurde auch durch kreuzbrave Merkeldiener wie den damaligen »Flüchtlingskoordinator« und Kanzleramtschef Altmaier möglich. Inzwischen dient Altmaier als Wirtschaftsminister und will Innenstädte durch billigere Markenhemden retten; siehe dazu den Essay vom 3.8.2020.

Heute heißt der Kanzleramtschef Helge Braun. Braun ist promovierter Mediziner. Wie bei heutigen Politikern fast schon üblich, gab es wohl »Fehler« in seiner Doktorarbeit. Er durfte aber seinen wertvollen Doktortitel behalten, denn es konnten »keine Betrugsabsichten« nachgewiesen werden (t-online.de, 2.6.2021), und man erlaubte ihm, eine »korrigierte Fassung« nachzureichen (spiegel.de, 3.5.2021).

Der einwandfreie Ehrenmann Helge Braun hat aktuell verlautbart, ich zitiere nach welt.de, 2.7.2021, 11:03: »Solange die Impfungen gut wirken, kommt ein Lockdown zu Lasten derer, die vollständig geimpft sind, nicht in Frage«, und Bereiche der Gesellschaft, die zuletzt geschlossen waren, müssten »für diesen großen Teil der Bevölkerung geöffnet bleiben«.

Der Gehorsamsbeweis

Ach, man erwartet es ja heute fast schon, dass einstige »Verschwörungstheorien« nonchalant zum »neuen Normal« werden. Wer vor einem Jahr sagte, dass wer sich nicht impfen lässt, seine Freiheit entzogen bekommt, wurde von Politik und Propaganda mit übelsten Vokabeln belegt. Heute gilt die neue Devise: »Keine Freiheit ohne mRNA-Injektion.«

Was ist mit dem Argument der »Herdenimmunität«? Was ist mit dem hehren Versprechen, es werde »keinen Impfzwang« geben? Spätestens wenn man bedenkt, dass neue Virus-Varianten (aktuell »Delta«, »Delta+«) auch Geimpfte erwischen können (siehe bereits nature.com, 22.6.2021), beginnen wir zu ahnen, dass es um etwas anderes als nur um öffentliche Gesundheit gehen könnte. Auch wenn die Impfung dich nicht ganz immun macht, beweist sie doch deinen Willen zum unbedingten Gehorsam. (Bereits das Virus war »magisch« und »politisch« darin, dass es offenbar nur bei solchen Demos gefährlich war, welche die Regierung kritisierten. »Black Lives Matter«-Demonstranten dagegen waren magischerweise immun, wie wir schon im Essay vom 2.8.2020 ehrfurchtsvoll konstatierten.)

Eine dem Braun-Vorschlag halb entgegengesetzte Maßnahme könnte sogar ehrlicher sein. Im Raum Rosenheim gilt die Quarantäne auch für vollständig Geimpfte (so ovb-online.de, 2.7.2021), wenn ein Kontakt mit Delta-Varianten-Infizierten stattfand.

Ist die Impfung eine medizinisch ratsame Maßnahme oder zuerst ein Gehorsamsbeweis? Man könnte ins Grübeln geraten.

Frei im Café

Zwei Dinge klingen mir heute hohl und schal, und die sind erstens manche Nachricht selbst, und zweitens unsere hilflose Wut über diese.

Zweifellos gibt es guten Grund zur Wut: Merkel und ihre Adjutanten machen sich bald mehr Gedanken bei der Auswahl ihres Klopapiers als bei der Frage, ob ihr Tun nicht gegen Grundgesetz und Grundrechte verstößt.

Das ist keine Kleinigkeit, kein Schönheitsfehler der politischen Wurstherstellung. Es ist eine echte Gefahr für Freiheit und Gesellschaft (wenn man auch spätestens seit Thüringen die Ahnung nicht abschütteln kann, dass die Merkelbande schon vor einiger Zeit vom »Zug Demokratie« wieder abgesprungen ist). Und doch klingt mir unsere Wut darüber hohl.

Erlauben Sie mir eine freche Frage: Wenn Sie all Ihre Wut darauf richten, dass Sie nicht mehr »frei« ins Café oder in den Supermarkt gehen können, ist das dann alles, was Sie unter Freiheit verstehen?

»Nein, natürlich nicht«, werden Sie mir antworten, und dazu sagen: »Da ist natürlich mehr!« – Und ich frage Sie: »Was? Können Sie es mir genau sagen?«

Was mir heute so hohl und schal klingt, es ist die Richtung und die Ebene all dieser Versuche. All diese Maskendeals und Machtphantasien, sie treiben uns nicht nur in die falsche Richtung, sie bewegen sich dazu auf einer tragisch falschen Ebene.

Das Kanzleramt will sich etwas mehr Macht sichern (Hinweis: Noch ist Merkel nicht abgetreten, sie kann ja Kanzlerin bleiben, so lange sie will). Ein paar Corona-Profiteure wollen sich vermutlich etwas mehr Geld sichern. Doch, wenn wir beide erfolgreich bekämpft hätten, wären wir dann »frei«? Wären wir dann wieder auf dem »richtigen« Pfad? (Nebenbei: Würde das Sozialsystem dann nicht kurz vorm Kollaps stehen, wie aktuell aufs Neue deutlich wird? Siehe welt.de, 2.7.2021.)

Wo sind sie alle?

Im oben erwähnten Essay vom 3.8.2020 schrieb ich zur Einleitung: »Musk will die Zivilisation durch Weltraumflug retten. Altmaier will die Innenstädte durch billigere Markenhemden retten. Ich wäre ja schon froh, wenn wir einfach nur etwas weniger unklug wären.«

Ich hatte damals unbewusst die »Schere« aufgegriffen, die Immanuel Kant in jenem berühmten Satz aufmacht: Das Weltall (in jenem Essay vertreten durch Musk) – und dagegen das »moralische Gesetz in mir« (in der Einleitung jenes Essays angedeutet durch »etwas weniger unklug«). Zwischen Weltall und Weisheit, zwischen Galaxien und Gewissensgründen finden sich Gestalten wie Altmaier und Braun. Es ist ein Elend, wie wir unsere Möglichkeiten verschleudern!

Im Essay »Außerirdische, helft uns!« (13.7.2019) schrieb ich vom Fermi-Paradox: Es ist durchaus wahrscheinlich, dass es mehr Zivilisationen im Weltall gibt als nur die unsere – doch wo sind sie alle?

Wir kennen eine Reihe möglicher Lösungen des Rätsels, wo sie denn alle seien (etwa: wir betrachten nur einen lächerlichen kleinen Zeitabschnitt der Weltall-Existenz, oder: Wir verstehen die Kommunikation höherer Evolutionsstufen ebensowenig wie eine Ameise die menschliche Sprache versteht).

Ich vermute heute, dass wir uns beim Fermi-Paradox wie auch in mancher politischen Aufregung auf der falschen Ebene bewegen könnten. Wir arbeiten (unbewusst?) mit Prämissen, welche verhindern, dass wie eine tragfähige Antwort finden.

Wir gehen davon aus, dass eine höher entwickelte Intelligenz das Weltall besiedeln will, sei es aus Neugier oder auf der Suche nach Ressourcen – weil wir mit unserer einfachen Intelligenz es so wollen würden. Und: Wir Bürger gehen davon aus, dass wenn die Politiker aufhören, das Böse und Falsche zu tun, das Gute und Richtige sich schon noch durchsetzen wird. Wir könnten uns in beiden Angelegenheiten irren. Wenn du in die falsche Richtung fährst, wird deine Richtung nicht weniger falsch, wenn du langsamer fährst (und gewiss nicht weniger falsch dadurch, wenn du schneller fährst; wir denken an Politiker, die regelmäßig scheiternde Maßnahmen durch Verstärkung eben dieser reparieren wollen).

Was, wenn die Gurus auf den Berggipfeln und die Einsiedler in ihren Höhlen recht hatten? Ich wage die These: Die höchste Stufe der Zivilisation ist nicht, den »bestirnten Himmel über mir« zu erobern, sondern »das moralische Gesetz in mir« zu verstehen, zu ordnen und auf diese Weise »mit mir selbst eins zu werden«. Vielleicht gibt es ja intelligentere Zivilisationen als uns – und denen käme es doof und vulgär vor, ins kalte All zu fliegen statt einfach glücklich zu sein.

Von Jahr zu Jahr

Mir wird heute ganz anders im Magen, wenn ich an diese nach Macht gierenden Flurläufer denke. Ein jeder von ihnen versucht immerzu, für sich ein paar knausrige Krümel zu sammeln, von dem, was eben vom Tisch namens »Vater Staat« so abfallen mag, Krümel vom Kuchen namens »Staatsgewalt«. All diese Jäger wohldotierter Pöstlein, an denen man zu riechen meint, dass sie sich doch selbst verachten müssen. Wen könnte es denn nicht ekeln?

Und dennoch, bei alldem, unser erstes Problem ist nicht, dass ein Herr Braun die Gesellschaft in »Reine« und »Unreine« spalten will (wir fühlen uns an die alte Taktik »teile und herrsche« erinnert). Das große Problem ist, dass wenn wir einen Herrn Braun (oder gar seine böse Chefin) loswerden, nicht das große Problem gelöst ist, dass wir uns weiter auf der falschen Ebene fortbewegen. Unsere kollektive Schwäche, unser Mangel an Weisheit, sie ließ diese Leute an die Macht kommen – und sie wird andere ähnliche Figuren nach oben spülen.

Nein, es ist nicht akzeptabel, dass wir um Freiheit schachern sollen wie Gefangene um eine Extraportion vom Eintopf. Nein, das Treiben dieser Regierung ist schon länger nicht mehr mit Verstand oder Anstand in Einklang zu bringen. Und doch, bei allem, unser erstes Problem ist nicht die Frage, ob wir ins Café gehen dürfen (oder gar ins Theater).

Unser erstes Problem bleibt die kaum zu leugnende Tatsache, dass »wir« uns technisch weiterentwickeln (streng genommen entwickeln einige wenige Genies die Technik, die »wir« dann nutzen), unsere Antwort auf den alten Ruf »Erkenne dich selbst!« jedoch nicht klüger und tiefer wird, sondern von Jahr zu Jahr spärlicher und hilfloser.

»Erkenne dich selbst!«, rufen die alten Griechen uns zu, und wir antworten: »Wie kann ich mich selbst erkennen, solange ich nicht ohne Maske mein Mischbrot kaufen kann?«

Es raubt einem den Atem, wie dreist und offen undemokratisch die Regierung heute auftreten kann. Nein, es ist nicht akzeptabel. Und doch: Die eigentlichen Fragen sind andere.

Die Welt und unser Land wären eine bessere Welt und ein besseres Land, wenn Gestalten wie die böse Merkelbande nicht an der Macht wären. Und doch wäre es traurig, wenn unser Sinn, unsere Freiheit und unsere Ambitionen von diesen Figuren definiert würden, und sei es im Negativen.

Die Nachrichten klingen mir heute hohl und schal zugleich. Hohl auch deshalb, weil ich bei den darin vorkommenden Figuren kein Innenleben erkennen kann. Schal auch deshalb, weil ihr Tun keine Tiefe hat, nur viele üble Folgen. – Es wäre traurig, wenn dies der einzige Klang in unserem Alltag wäre.

Zwei Dinge erfüllten Kants Gemüt mit Bewunderung und Ehrfurcht, da ist einmal der bestirnte Himmel über ihm, und einmal das moralische Gesetz in ihm.

Die beiden Milliardäre Bezos und Branson mögen sich derzeit ein Wettrennen liefern, wer von ihnen beiden zuerst ins Weltall fliegt (theguardian.com, 2.7.2021), es klingt mir etwas verzweifelt. Die nächste Entwicklungsstufe der Menschheit ist nicht im All, sondern in der kollektiven Weisheit zu suchen. Meinen Respekt hätten diese reichen Herren, wenn sie die Menschheit bewegten, die alten Griechen neu zu studieren. So aber wirkt es, als wollten sie der Menschheit entfliehen – aber gut, dafür hätten sie mein Verständnis, wessen denn nicht?

Weder habe ich die Möglichkeiten, noch verspüre ich den Wunsch, demnächst ins All aufzubrechen. Ich träume vielmehr davon, dem Wahnsinn mit all den Altmaiers und Brauns und Baerbocks auf andere Weise zu entfliehen. Ich träume von einer Welt, in der solche Figuren gar nicht erst nach oben gespült werden, weil die Menschen zu klug sind.

Den Zweiten zuerst

Es erscheint heute als realistischer, dass Menschen den Mars besiedeln, als dass wir gemeinsam klüger werden. Tatsächlich jedoch brechen immer nur wenige Menschen ins All auf, und der Rest von uns schaut zu. Ich fürchte, dass seit jeher tatsächlich immer nur wenige Menschen weise und wirklich klug werden – ach, würde der Rest von uns zumindest zuschauen!

Um Raumfahrer zu werden braucht es viel Geld (oder sehr viel Disziplin, Glück und gute Konstitution). Um weise zu werden braucht es zuerst die Kraft, am Irrsinn nicht selbst irre zu werden.

Ein Witzbold könnte ja sagen, wie sollten beides anstreben: Merkel und ihre Helfer auf den Mars schießen – und dann hier unten weise werden. Ich widerspreche einem solchen ersten Schritt: Den Marsmenschen die Merkelisten anzutun, das wäre ein arg aggressiver Akt – lasst uns dennoch mit dem zweiten Schritt beginnen!

Lasst uns hier unten auf der Erde klüger werden. Mancher, der klug werden will, könnte sich als »Raumfahrer« in einem All von Dummheit fühlen. Sei’s drum. Wichtig ist, dass man genug Sauerstoff dabei hat. Die Sicht von da oben auf die Erde soll schön sein.

»Weiterschreiben, Wegner!«

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