16.9.2020

Wenn die Kugeln bergauf rollen

von Dushan Wegner, Lesezeit 10 Minuten, Foto von Gilles Desjardins
Merkel zerrüttet Europa – und wird von Journaille gepriesen. Trump arbeitet buchstäblich (und erfolgreich!) am Weltfrieden – und wird dämonisiert. Das Weltbild von Linken ist auf Lügen gebaut, und es steht bedrohlich schief! Wird es einstürzen?
gray house near green grass
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In Phantasialand, einem wunderbaren Freizeitpark in Brühl bei Köln, stand früher (von 1973 bis immerhin 2011) die Casa Magnetica, die den Beinamen »Das schiefe Haus« trug.

Die Casa Magnetica war ein Haus, dessen Wände auf derart geschickte Weise schief gebaut waren, dass sich der Besucher in einem permanenten Zustand optischer Illusion befand.

Ein Angestellter des Freizeitparks führte uns staunenden Besuchern vor, wie Billardkugeln bergauf rollten – so sah es zumindest aus! – und wie das Wasser ebenfalls nach oben statt nach unten strebte, oder wie ein Stuhl samt Gast an der Wand »klebte« statt herunterzufallen (es gibt noch  einige Videoschnipsel auf YouTube).

Die Casa Magnetica war technisch betrachtet eine denkbar schlichte Attraktion. Es war eben schiefes Mauerwerk mit einigen simpel gezimmerten Demonstrations-Objekten. Wir wurden hineingeführt, wir staunten und lachten, und dann gingen wir weiter. Es war eher ein Schmankerl, wenn man es bereits mit den damaligen Achterbahnen vergleicht, geschweige denn mit den heutigen Wunderwerken wie Taron (siehe YouTube) oder natürlich Black Mamba (siehe YouTube). Die Casa Magnetica war eine relativ kleine, liebevolle Attraktion – doch dass ich Ihnen heute von ihr berichte, das zeigt Ihnen, wie sehr diese absichtliche Verwirrung des Auges den kleinen »Duši« damals beeindruckte!

Heute, im September 2020, gefühlte dreihundert Jahre später, während mein Gesicht im Angesicht der Nachrichtenlage sichtbar schreckensverzerrt ist (und unterm langen Bart sorgenzerfurcht sowieso), fällt mir die Casa Magnetica wieder ein.

Ich frage mich, reichlich philosophisch und doch sehr praktisch: Wie wäre wohl das Gespräch mit einem Menschen, der in der Casa Magnetica aufwuchs, der all diese Täuschungen nicht für Täuschungen hält, sondern für die ganz normale Realität?

Nur gewalttätig genug

Als Trump den von seinem Schwiegersohn ausgearbeiteten Friedensplan für den Nahen Osten vorlegte, geiferte es etwa im deutschen Staatsfunk (@tagesthemen, 28.1.2020), dass er damit die »brennende Lunte ans Pulverfass« lege (und man erfand prompt »Heilige Stätten« der Palästinenser, von denen diese ausgeschlossen würden – die wenig überraschende »gefühlte Realität« der Staatsfunker).

Schon zuvor, als Trump seinen Schwiegersohn mit verschiedenen diplomatischen Missionen beauftragte, schrieb das internationale Leitmedium fanatischer Trump-Hasser, die New York Times, unter der Überschrift »The Problem With Jared Kushner«: »Stupidity, paranoia, malevolence — it’s hard to distinguish among competing explanations for the behavior of people in this administration.« (@nytimes.com, 2.6.2017) – zu Deutsch etwa: »Dummheit, Paranoia, Böswilligkeit – es ist schwer, zwischen den verschiedenen Erklärungen für das Verhalten der Leute in dieser Regierung zu unterscheiden.«

Als Trump vorschlug die US-Botschaft nach Jerusalem zu verlegen, unkte der Wahlversager John Kerry, die Verlegung würde zu einer »Nahost-Explosion« führen (haaretz.com, 7.1.2017). – Mittlerweile wurde die US-Botschaft tatsächlich in Jerusalem neu eröffnet (tagesschau.de, 21.3.2019) – Trump hatte sich unverschämterweise nicht davon abhalten lassen, dass die Entscheidung »international scharf kritisiert« wurde, wie es im deutschen Staatsfunk betont wurde.

Auf seinem Titelblatt 6/2017 präsentierte »Der Spiegel« eine kinderbuchartige Zeichnung, die Trump als talibanartigen Mörder darstellte, mit blutigem Messer in der einen Hand und dem blutenden, abgeschnitten Kopf der Freiheitsstatue in der anderen. Bereits in der Ausgabe 46/2016 hatte man Trump als brennenden Meteor dargestellt, der die Welt zu zerstören droht. Die Liste der deutschen Anti-Trump-Titel im Stürmer-Stil ist lang, und nicht nur der Spiegel macht sich schuldig. (Ich erspare mir hier, die vielen widerlichen Propaganda-Bilder wie den Trump-Stinkefinger vom Spiegel 20/2018 zu verlinken; sie sind recht einfach zu finden, wenn man es unbedingt will oder schlicht nicht glauben mag.)

Soweit das Bild, das gewisse Medien von Trump, Obama und dem Zustand der Welt malen. Wie aber ist die Realität?

Die Realität ist, dass Trump, nachdem er den Palästinensern einen Deal vermittelte, den sie wie gewohnt ausschlugen, sich einfach dranmachte, den Rest der Region zu befrieden.

Am 15. September 2020 unterzeichneten die Vereinigten Arabischen Emirate und Israel in Anwesenheit von Donald Trump das »Abraham Accords Peace Agreement: Treaty of Peace, Diplomatic Relations and Full Normalization Between the United Arab Emirates and the State of Israel« (so der offizielle Titel, siehe whitehouse.gov und englische Wikipedia). Der Nennung von Abraham in »Abraham Accords«, auf den sich ja sowohl Juden als auch Muslime berufen, steht für einen wichtigen Aspekt des Abkommens: Muslimen wird explizit der Zugang zu ihren (nicht: »palästinensischen«) heiligen Stätten in Israel gewährt.

Während in Europa die alte Welthauptstadt des Antisemitismus, Berlin, auch zur neuen wird, verpflichten sich derweil Israel und die Vereinigten Arabischen Emirate zu »Toleranz und Ko-Existenz von Juden, Christen und Muslimen« (jpost.com, 16.9.2020).

Für deutsche Linke kann der Frieden im Nahen Osten natürlich kein Triumph Trumps sein. In der Deutung der, äh, bekannten Bettina Marx von der den Grünen nahen Stiftung etwa ist das Friedensabkommen in Wahrheit »ein komplettes Versagen der palästinensischen Führung« (deutschlandfunk.de, 16.9.2020) – ein »Erfolg« wäre es gewesen, wenn man den Frieden vereitelt hätte. Anderswo hört man, Trump sei der Frieden allerhöchstens »in den Schoß gefallen«. Das geistige Haus der Linken steht gefährlich schief.

Im August 2020, vor wenigen Wochen also, fand der erste Direktflug von Israel nach Abu Dhabi statt, dabei mit Genehmigung das Königreich Saudi Arabien überfliegend – eine diplomatische Sensation. Es ist eine Meldung, die mich ein wenig glücklich macht. Nennen Sie mich einen Idealisten, aber ich finde Frieden besser als Krieg.

In Europa derweil

Die USA und der Nahe Osten sind, bei aller Wichtigkeit, nicht die ganze Welt – da gibt es noch immer auch Europa, und da herrschen lupenreine Demokratinnen wie Frau von der Leyen (die mit den gelöschten Handys), oder eben die Dame mit dem von Obama abgehörten Handy (»Ausspähen unter Freunden, das geht gar nicht«), die nicht selten von Haltungsjournalisten als Gegenbild zum »bösen« Trump gehandelt wird, »die liebe Frau Merkel«.

In Deutschland und Europa sind wir derzeit damit beschäftigt, dass Merkel mit Rückendeckung von Wohlfahrtskonzernen, Staatsfunk und einem Teil der von der Regierung co-finanzierten Presse mal eben den Kontinent »in Flammen setzt« – und zwar nicht nur migrationspolitisch und also metaphorisch, sondern inzwischen sogar indirekt ganz konkret.

Erst kürzlich brannte auf Lesbos ein Migrantenlager (siehe Essay vom 9.9.2020), und es ist kaum anders zu deuten denn als eine Erpressung. Merkel gab der Erpressung nach, versprach über eineinhalb tausend Migranten, die von den Schleppern versprochene Ware auch zu liefern, nämlich die Einreise ins gelobte Land, wo die Ungläubigen einem ein Leben lang gratis Kost, Logis und sogar Taschengeld schenken (und wenn sie nicht mehr mögen, nennt man sie »Rassisten«, dann zahlen sie schnell wieder).

Kurz nachdem Merkel den Erpressern von Lesbos nachgab, brannte auf der Insel Samos das nächste Feuer, diesmal in der Nähe eines Lagers. Wie etwa tagesspiegel.de, 15.9.2020 wurden bereits Personen festgenommen. Die Ursache gilt einen Tag nach dem Brand als unklar, doch die griechische Regierung fürchtet Lesbos-Nachahmereffekte, weshalb sie auch dagegen ist, dass Deutschland die Migranten einfliegt und so den Schleppern und ihren Kunden signalisiert, dass ihr Geschäft noch immer blendend funktioniert, wenn sie dabei nur gewalttätig genug sind.

Selbst wenn er Frieden brächte

Mit einem Menschen zu reden, der nur deutschen Staatsfunk und von der Regierung co-finanzierte Zeitungen konsumiert, das ist wie mit einem Menschen zu reden, der in jenem »schiefen Haus« aufwuchs und all das für normal hält.

Einer, der in der Casa Magnetica aufwuchs, wird es für normal halten, dass Wasser wie auch Billardkugeln nach oben streben. Einer, der 24 Stunden am Tag die Botschaften des deutschen Propaganda-Staates aufsaugt (statt sich zum Beispiel bei den Freien Denkern eine Zweit- und Drittmeinung einzuholen), der wird es für normal und richtig halten, dass der Drohnenkrieger und Mullahversteher Obama maximal ethisch gut und ein moderner »Messias« ist, und dass Merkel die »gute Mutti« ist (auch wenn sie schon mal ihre Kinder opfert, weil sie andere Kinder lieber mag) – während Trump für diese Leute immer der Böse ist – und selbst wenn er eine echte Hoffnung auf Frieden im Nahen Osten bringt.

Entsprechend schief

Ein Mensch, der im »schiefen Haus« aufwächst, hat ein entsprechend »schiefes« Weltbild (und dafür spielt es übrigens keine Rolle, warum die Leute, die ihn im schiefen Haus aufwachsen ließen, ihn dort aufwachsen ließen). Wer in einem Propagandastaat wie Merkel-Deutschland aufwächst, der wird, so er sich nicht kritische Zweitmeinungen einholt, ein sehr schiefes Weltbild haben.

Das Weltbild von Linken ist auf Lügen gebaut. Nicht wenige linke Lügen sind sehr schief, entsprechend schief ist damit dann auch das linke Weltbild. Der Linke sagt: »Lebenswerte Innenstädte sind schlecht (wenn es Orbán ist, der sie regiert), aber Massenschlägereien, Messerattentate und Drogenhandel sind gut (wenn es die Begleiteffekte linksgrüner Ideologie sind). Grenzen sind böse (wenn sie die Bürger des Staates schützen), aber hohe Mauern sind gut (wenn sie Gutmenschen vor den Folgen ihrer Lügen bewahren). Krieg ist Frieden (wenn Obama den Krieg brachte), und Frieden ist Krieg (wenn Trump den Frieden bewerkstelligte).«

Panisch die Fensterläden zuknallen

Mit einem Menschen, der im »geistigen schiefen Haus« aufwuchs, argumentieren und produktiv streiten zu wollen, das ist verständlich – aber leider zu oft vollständig sinnlos. Er »weiß«, dass Wasser bergauf fließt und Billardkugeln nach oben rollen, er »weiß«, dass Trump der böse Teufel ist und Merkel die gute Mutti.

Für den, der im schiefen Haus aufwuchs, sind wir die Verrückten. Er ist ja nicht nur im schiefen Haus aufgewachsen – er wurde ja gewarnt und indoktriniert, es reflexhaft als »Hass und Hetze« abzublocken, wenn einer ihm sagt: »Schau mal hinaus aus dem Fenster deines Hauses! Frag dich doch einmal, warum da draußen die Welt sich ganz anders verhält, als du es annimmst!« (Er wird panisch die Fensterläden zuknallen, sich in die Ecke seines schiefen Hauses hocken, die eng an seine Brust gezogenen Knie umklammernd wird er hin und her schaukeln, und dabei vor sich hin rezitieren: »Ich bin ja kein Nazi. Ich weiß, dass Wasser aufwärts fließt. Ich weiß, dass Trump böse ist. Ich weiß, dass Billardkugeln nach oben rollen. Ich weiß, dass Merkel gut ist. Ich bin ja kein Nazi!«)

Gar nicht erst aus dem Fenster

Im Text »Betrunkene Konservative unter Straßenlampen« schrieb ich, warum ich nicht viel Hoffnung auf »Demonstrationen der Vernünftigen« setze.

Man könnte es in der Metapher vom schiefen Haus so formulieren: Den Bewohner des schiefen Hauses wirst du nicht davon überzeugen, dass die Schwerkraft sich in Wahrheit ganz anders verhält als es ihm scheint, indem du einfach nur lauter auf ihn einbrüllst – seine unmittelbare Umgebung scheint ihn ja zu bestätigen.

Ebenso verhält es sich mit den Opfern der Propaganda: Du kannst einen Menschen noch so oft auf die Fakten und die Konsequenzen seiner Forderungen hinweisen – wenn er am Abend den Propaganda-Apparat einschaltet, scheint dieser ihm seine schiefe Weltsicht doch doppelt und dreifach zu bestätigen.

»Haltungsjournalismus« bedeutet, den Insassen im schiefen Haus fortwährend zu versichern, dass ihr Haus keinesfalls schief und merkwürdig ist, und dass es keinesfalls die Schuld des Hauses ist, dass die Bewohner immerzu schwanken und gegen die Wände laufen, sondern dass die hausbedingten Probleme nur durch den moralisch bösen Eindruck vom Fenster her entstehen (also durch »Hass und Hetze«), weshalb man besser gar nicht erst aus dem Fenster und in die Realität hinaus schaut.

Einen nach dem anderen

Die echte Casa Magnetica, das schiefe Haus in Brühl bei Köln, die gibt es leider nicht mehr. Das Haus musste anderen Attraktionen weichen, was verständlich ist, es wirkte ja schon damals – wenn auch auf die allercharmanteste Weise! – etwas »aus der Zeit gefallen«.

Das schiefe Haus im Geiste allerdings, das unsere Mitmenschen sich auf dem linken Lügenfundament bauen, das ist sehr real – und sehr aktuell.

Das Weltbild von Linken ist auf Lügen gebaut, und es ist ein gefährlich schiefes Haus. Das linke Weltbild wird kollabieren, und es wird Opfer kosten. Kann man die Menschen vorher aus dem schiefen Haus ihrer Lügen herausholen? Soll man es denn überhaupt versuchen, wenn sie es selbst nicht wollen? 

Diese Menschen haben Angst davor, zu schauen, wie die Welt außerhalb ihres schiefen Hauses aussieht. Auch das schiefe linke Lügenfundament, wenn es einmal weggezogen ist, lässt einen erst einmal ganz ohne Fundament dastehen – und das ist für jeden Menschen ein angsteinflößendes Gefühl.

Was sollen wir tun?

Was können wir tun?

Uns bleibt wenig anderes übrig, als unsere Mitmenschen einen nach dem anderen einzuladen, einfach mal selbst, metaphorisch gesprochen, aus dem Fenster zu schauen.

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