27.01.2021

Junge, maskenverweigernde Männer

von Dushan Wegner, Lesezeit 4 Minuten, Foto von JuniperPhoton
Man sagt heute nicht mehr »junge Männer«, welche Passanten oder Busfahrer angreifen, man sagt »Maskenverweigerer«. Es ist nicht lustig, nein – und lachen muss man doch.
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»Jugendliche« ist bald »out«, ist bald altmodisch. Also ich meine hier den Begriff »Jugendliche«, wie für jene »Jugendlichen«, die »auf eine am Boden liegende Person mit Stöcken einschlagen und mit Füßen treten« (welt.de, 25.1.2021), in »Sportbekleidung«, in »Paris, der Hauptstadt der Straflosigkeit« (»Paris capitale de l’impunité«, @datirachida, 23.1.2021).

Deutsche, von der deutschen Regierung co-finanzierte Zeitungen reden so brav wie ominös von dem »im Internet« veröffentlichten Video, aber »vergessen« dann das Video. (Meinen die das, was bei @v_joron, 22.1.2021 zu finden ist?)

Ja, »Jugendlicher« ist bald out.

Ganz halboffiziell will man ja nun auch den »Migrationshintergrund« streichen – also als Begriff.

Ich selbst war ja noch ein Ausländer, als Ausländer eben Ausländer waren. Es war den sogenannten »Guten« peinlich, dass es Ausländer überhaupt gibt, also benannten sie uns recht aggressiv in »Menschen mit Migrationshintergrund« um (so wie man nicht mehr »Behinderter«, sondern »Mensch mit Behinderung« sagt).

Und nun will man uns Ausländer also ein weiteres Mal umbenennen (siehe etwa tagesschau.de, 20.1.2021), eine neue Schublade für das alte Ärgernis auf- und schnell wieder zumachen.

Wenn man sich das beinahe dreihundert Seiten lange Geschwurbel der »Fachkommission Integrationsfähigkeit« (siehe fachkommission-integrationsfähigkeit.de) tatsächlich anschaut, welche diesen Verzweiflungsorwellismus empfiehlt (ob es überhaupt dafür gedacht war, auch wirklich gelesen zu werden?), dann stößt man in einem kleinen Stichpunkt auf Seite 218 auf einen zentralen und tödlichen Denkfehler solcher Euphemismus-Mühlen.

»Der Begriff soll sprachlich nicht exkludierend sein«, so heißt es über die Suche nach »neuen« Begriffen auf Seite 218 des entsprechenden Papers in PDF-Form.

Ich grübele, wie man es hier erklärt, ohne solche »Experten« zu beleidigen, wie sie es nach mancher Meinung verdient hätten.

Ich versuche es einmal so: Es ist die erste Aufgabe aller Begriffe, zu exkludieren – die Welt zu teilen, ein- und auszuschließen, das ist Wesen und Aufgabe von Begriffen – sonst sind sie keine Begriffe!

Der Begriff »Dauerwurst« etwa trennt die Dauerwürste von allen anderen Dingen und Phänomenen dieser Welt ab, exkludiert sie also, schließt sie aus, diskriminiert sie geradezu. Der Begriff »Dummschwätzer« »exkludiert« alle Menschen, die solches nicht sind, und so fort.

Die durch einen Begriff vollzogene Exklusion ist nichts anderes als die Bedeutung des Begriffs, und die Forderung nach einem nicht-exkludierenden Begriff etwa für uns Ausländer ist de facto die Forderung nach einem Begriff, der nichts bedeutet, einem Nicht-Begriff gewissermaßen.

Der »Jugendliche« ist nun also auf dem Weg, zusammen mit dem »Migrationshintergrund« als Begriff bald »out« zu sein.

Wir entdecken an dessen Stelle einen neuen Begriff in den Zeitungen, und er lautet »Maskenverweigerer«.

(Wahrscheinlich etwa auch bei welt.de, 24.1.2021: »Maskenverweigerer greifen in Bayern mehrere Menschen an«. Wohl sicher hier bei abendzeitung-muenchen.de, 8.9.2020.)

Wir werden in der nächsten Zeit weniger von »Jugendlichen« und »jungen Männern« hören, dafür aber mehr von »Maskenverweigerern«, wetten?

Es sind bald nicht mehr Gruppen von »Jugendlichen« und »jungen Männern« in »Sportbekleidung«, welche gelangweilt, aber in Kampflaune durch Deutschlands öffentliche Orte ziehen – es sind jetzt »Maskenverweigerer«.

Ich erlaube mir, einfach mal zu lachen. – Es ist wahrlich nicht lustig – und lachen muss man doch.

Lange Zeit galt man ja fast schon als Esoteriker, wenn man von »Freiheit« redete und eben diese für sich einforderte (oder als FDP-Parteigänger, wo Freiheit eine ähnliche Funktion vorgibt wie Jesus bei gewissen Prominenten, nämlich als »magisches Zauberwort« immer genau das zu begründen, was man politisch verkaufen will. Nun, es ist die Zeit, in welcher die Regierung sich eine »Grundlage zur Ermächtigung« gegeben hat. Tatsächliche, persönliche Freiheit ist wieder sehr aktuell.

Zu meiner Freiheit gehört, mich gewissen Begriffen (und Nicht-Begriffen) zu entziehen. Zu meiner Freiheit gehört aber auch, selbst zu entscheiden, mit welchen Themen ich mich beschäftige – und mit welchen nicht.

Jede Sekunde, die uns geschenkt ist, ist uns nur einmal geschenkt – und nein, ich werde mich nicht ununterbrochen mit Masken beschäftigen. Ich werde sie tragen, wie ich sie tragen muss, um nicht ins Gefängnis geworfen zu werden – und ansonsten nehmen ich zur Kenntnis, dass Politiker in eigener Sache sehr viel »Coronatheater« spielen – und die sollten doch besser informiert sein als Sie und ich, oder?

Ich weigere mich, mein Leben von Masken bestimmen zu lassen, auch und gerade wenn meine Familie und ich sie gemäß den geltenden Regelungen brav tragen. Ich weigere mich, meine Begriffe und damit mein Denken von den Begriffsdoktoren des Propagandastaates Deutschland bestimmen zu lassen.

Wir empfinden es als Freiheit (so meine persönliche emotional-funktionale Arbeitsdefinition von Freiheit, wenn wir mit den zur Verfügung stehenden Handlungsmöglichkeiten zufrieden sind.

Ich bin nicht mit den Denkmöglichkeiten zufrieden, in welche uns die Begriffsklempner zwängen wollen.

Ich weiß, ich weiß, das Verdrehen von Begriffen ist »in« – insofern als es umso penetranter versucht wird, umso lächerlicher es scheitert – ich aber erkläre es für »out«.

Sagt, was wirklich Sache ist, und sagt es auf Deutsch: Einige der ärgerlichsten Bewohner deutscher Innenstädte sind Ausländer – und einer der ärgerlichsten deutschen Essayisten wohl auch.

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