18.10.2017

Mit Gefühlsmenschen logisch reden

von Dushan Wegner, Lesezeit 2 Minuten,
Für manche Menschen ist ein Argument „logisch“, wenn sie den Schluss mögen. Dieser Trick könnte helfen!
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Ich muss Ihnen etwas gestehen: Ich drehe gern den Spieß um! – Da wir in Zeiten der missverstandenen Metaphern leben, zunächst eine kurze Erklärung! Mit „den Spieß umdrehen“ meine ich hier: Eine Technik des Argument-Gegners kopieren und auf ihn selbst anwenden.

Vertreter der militanten Toleranz wenden gern eine Technik an, die ich in Talking Points die „Reductio ad Emotum“ genannt habe: Ein Problem – über welches sich der Argument-Gegner verständlicherweise aufregt – wird rhetorisch auf die Aufregung selbst reduziert.

Statement: „Die Bankenrettung ist die Sozialisierung der Verluste, während die Gewinne weiterhin privat bleiben. Ein grober Unfug ist das!“

Reductio ad Emotum: „Ich kann deine Aufregung verstehen. Das geht vielen so. Das geht auch mir selbst so! Nun lass uns schauen, wie wir damit umgehen…“

Durch die Reductio ad Emotum wird im (unerfahrenen) Gegner das Gefühl geweckt, „verstanden“ worden zu sein. Erst später merkt er, dass er in der Sache keinen Schritt weiter gekommen ist.

Ich drehe den Spieß um. Wieso sollten nur Unlogiker diese Technik verwenden? Die Reductio ad Emotum hat eine einkapselnde Qualität. Diese nutze ich.

Statement: „In Syrien ist Krieg, deshalb ist es ein Gebot von Logik und Anstand, dass wir weder Herz noch Grenzen verschließen! Das wäre furchtbar traurig.“

Reductio ad Emotum: „Ich bin ganz bei dir. Man fühlt sich schrecklich hilflos, wenn man vom Leid dieser Menschen hört. Es wäre schrecklich und grausam, nicht zu helfen, wo man helfen kann. Um zu helfen, muss man das Problem in Tiefe verstehen. Lass uns versuchen, das Problem zu verstehen…“

Besonders im emotionspolitischen Lager finden wir vermehrt den Fehlschluss, eine Argumentation sei bereits dadurch gültig, dass einem die Konklusion gut gefällt.

Es hilft wenig, gegen falsche Schlüsse unmittelbar anzukämpfen. Es kann aber helfen, den Reductio-ad-Emotum-Spieß umzudrehen. Es hilft, das Gefühl auch hinter falschen Schlüssen wahrzunehmen und zu akzeptieren.

Hat man die Emotion hinter der Konklusion erst akzeptiert, lässt sich an Inhalten und Zusammenhängen arbeiten. Wer weiß, vielleicht findet man ja gemeinsam neue Schlüsse, die noch genauer zu Fakten und „richtiger“ Logik passen!

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