10.12.2022

TwitterFiles 3 und andere Turmbesteigungen

von Dushan Wegner, Lesezeit 6 Minuten, Bild: DW via Stable Diffusion
Mit den »TwitterFiles« brechen aktuell große Lügengebäude zusammen (auch wenn deutsche Medien das verständlicherweise lieber verschweigen oder »framen« werden). Am Ende gewinnt immer die Realität – und manchmal gewinnt auch die Wahrheit. Darf man hoffen?
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Stellen wir uns einen Turm vor! Ob Sie sich den Pariser Eiffelturm vorstellen, den Schiefen Turm von Pisa oder den unfertigen Turm zu Babel (zu jenem siehe auch meinen Essay vom 10.11.2022) – all diese Türme haben gemeinsam, dass sie unterschiedliche Ebenen aufweisen.

Menschen können diese Ebenen besteigen (in Paris etwa gegen ein Entgelt, und neuerdings hinter Anti-Terror-Panzerglas in Schlange wartend).

Man steigt auf den Turm oder eine andere Anhöhe, ob künstlich oder natürlich, um einen Ausblick zu haben, um zu sehen, was man sonst nicht sehen kann.

Das Blut pumpt schneller

Stufe für Stufe einen Turm hinaufzusteigen ist anstrengend. Das Herz schlägt und pumpt das Blut schneller. Jedoch, wir spüren, dass es gute Anstrengung ist, eine gute Herausforderung.

Einen Turm zu besteigen, dass ist ähnlich wie einen Berg zu besteigen, also genau die Art von Anstrengung, für die wir gemacht sind. Und wenn wir dann hinaufgestiegen sind, spüren wir Stolz.

Auf den ersten Blick könnte es so scheinen, als ob dieser Stolz ein Wert-an-sich wäre, ohne tieferen Sinn. Heute mag das vom gesundheitlichen Vorteil abgesehen auch so sein.

Jedoch, was sich »von Natur aus« gut anfühlt, hatte meist einen evolutionären Vorteil. Eine Anhöhe zu besteigen verschafft einen Überblick, über nahende Feinde wie auch über saftigere Weidegründe.

Und auch heute, wenn wir einen Turm besteigen, freuen wir uns auf den tollen Ausblick aufs Umland – es ist uns eben angeboren, den freien Rundumblick aus der Höhe als erhaben zu empfinden.

Was heißt das?

Eine Leserin schrieb mir gestern, als Kommentar zu den Nachrichten des Tages: »Wir sollten unseren Fokus auf das Erschaffen unserer eigenen, neuen Welt legen.«

Natürlich lässt eine solche Aufforderung eine Saite meines Herzens erklingen. »Unsere eigene, neue Welt« – das atmet ja geradezu relevante Strukturen! (Und, bezüglich »neue Welt«: Es wird Sie nicht verwundern, dass im Kindheitshaushalt dieser ausgewanderten Tschechenfamilie die 9. Symphonie des Herrn Dvořák auf dem Plattenteller rotierte, denn die heißt auch »Aus der Neuen Welt«; heute lässt sich diesbezüglich YouTube verlinken.)

Nach dem ersten Wohlgefühl ob jeder Aufforderung konnte ich nicht anders, als forsch nachzuhaken: »Was heißt das?«

Über Zerrissenheit

Was Mensch ist, ist in sich zerrissen, und also bin auch ich immerzu zerrissen. Die Frage ist nicht, ob der Mensch zerrissen ist, welche Zerrissenheit er an jedem gegebenen Tag für diejenige hält, die ihn am ehesten beschreibt.

Meine derzeitige Zerrissenheit ist aber tatsächlich neu, und vorm Hintergrund der letzten Jahre sowohl überraschend als auch zu erwarten.

Der Mensch ist ein Dazwischenwesen, so habe ich bereits geschrieben (und schreibe weiterhin daran) – »Dazwischenwesen« ist eine Beschreibung unserer Zerrissenheit. Meine neueste Zerrissenheit ist die zwischen zwei denkbaren Zukünften: Bewegen wir uns kollektiv auf den Abgrund zu? Oder werden wir, nach einer (relativ) kurzen Periode der politischen Korrektheit, verordneten Dummheit und zur Moral erklärten Lügen, die große Turmbesteigung wieder aufnehmen?

Mindestens eine Entwicklung lässt mich gewisse Hoffnung für die Zukunft spüren, lässt die große Turmbesteigung wahrscheinlich erscheinen: In immer mehr Ländern der Welt scheitern die Lügen an der Realität, und es lässt sich immer schwerer verheimlichen. Weltweit bricht eine Wahrheit nach der anderen ans so kühle, heilende Tageslicht.

TwitterFiles 3

Als Beispiel: Im US-Twitter trendet seit Tagen der Hashtag »TwitterFiles«. Über deren erste Charge habe ich vor einer Woche, im Essay geschrieben: »Twitter Files – wir ahnten es doch!«

Mitlerweile ist die dritte Charge erschienen, die »Twitter Files 3«. Man findet die Meldungen wieder im Feed des Journalisten Matt Taibbi (@mtaibbi, 9.10.2022). Auch die Inhalte aller »Twitter Files« können zusammengefasst werden als: Sogenannte »Verschwörungstheorien« werden bestätigt.

Es scheint, dass das FBI und andere Behörden teils indirekt, teils direkt zensieren konnten, welche Inhalte auf Twitter angezeigt wurden, und beeinflussten so wohl unmittelbar die umstrittene »Wahl« von 2020.

Ja, das bestätigt, was wir alle ahnten, was bis auf Mainstream-Journalisten und ihre Opfer eigentlich jeder kritische Bürger sehen konnte.

Ja, es ist schrecklich, wenn und dass die demokratische Legitimation des lügenden Grabschers im Weißen Haus nur noch ein Glaubensbekenntnis und Gesslerhut ist.

Über sein eigenes Netzwerk »Truth Social« hat Donald Trump sich bezüglich der TwitterFiles zu Wort gemeldet (siehe @TomFitton, 10.12.2022), und er spricht aus, was jeder, der nicht nicht sehen will, seit Jahren sieht: Die Wahl 2020 war mindestens »umstritten« – wenn nicht sogar eine offene Farce. (Übrigens legen die Twitter-Files recht deutlich nahe, dass das Ideen-Framework zur Sperrung von Donald Trump schon lange vor dem berüchtigten 6. Januar 2021 vorbereitet wurde.)

Man könnte diskutieren, ob es ein Zeichen der demokratischen und rechtsstaatlichen Verlotterung der USA ist, dass diese Dinge öffentlich gesagt werden können, und gegen keinen der Verantwortlichen ermittelt (werden) wird. (Erwartet jemand wirklich, dass das FBI gegen das FBI ermittelt? Hahaha, die Welt funktioniert nicht wie Hollywood-Filme – nicht mal Hollywood tut das, wie wir wissen.)

Es gibt mir aber echte Hoffnung, dass diese Wahrheiten ans Tageslicht kommen!

Klar, im deutschen Propagandastaat interessiert es den Staatsfunk und seine Genossen nicht wirklich. (Die arbeiten noch am Framing dafür, dass sie wohl Lügen berichteten und wieder einmal die Verschwörungstheoretiker richtig lagen.)

Zum Glück gibt es alternative Medien und Blogs, die ausführlich(er) berichten. Severin Tatarczyk etwa dokumentiert auch »TwitterFiles3« ausführlich auf Deutsch: severint.net, 10.12.2022)

Aufs Neue unseren Fokus

Türme und andere Erhebungen sind Touristenattraktionen, geben sie den Gästen doch einen »Überblick« über die besuchte Gegend. Als Kölner etwa besteigt man öfter den Kölner Dom – und zwar als aufopfernde Begleitung von Bekannten, die als Touristen in die Stadt kamen.

Wir steigen auf Türme hinauf, um das Umland zu sehen. Nicht ein jeder hat dieselbe Ausdauer, Kraft oder Geduld. Und je nach Verfassung und Willenskraft erreichen wir verschiedene Ebenen mit jeweils verschiedenem Ausblick – ob als Nationen oder als Einzelne. Jedoch, zu welcher Ebene wir auch hinaufsteigen – alles ist besser, als ganz auf den klärenden Rundumblick zu verzichten!

Von der Straße aus sieht man ja immer nur den allerkleinsten Ausschnitt der Stadt (eine der »zwei Städte« nach Dickens). Der Ausblick über die Stadt und ihre Umgebung ist nicht nur erhebend und erhaben, er ist auch eine Form der objektiven Wahrheit.

Der Mensch als sterblicher Einzelner geht langfristig immer dem Abgrund zu, wie launig seine Umwege dahin auch sein mögen. Kurzfristig aber können wir, mindestens als Einzelne und eine Zeit lang auch als Familie, diesen oder jenen »Turm besteigen« und das Umland überblicken.

Nicht vollständig unrealistisch

»Wir sollten unseren Fokus auf das Erschaffen unserer eigenen, neuen Welt legen«, so schreibt jene liebe Leserin.

Ich stimme ihr zu, und mein Herz fühlt sich wohlig dabei. Doch ich wage zu ergänzen: Bevor man sich seine »Welt« einrichtet, hilft es, das Umland zu begutachten – sprachbildlich: auf einen Turm zu steigen. Je höher die Ebene, umso ehrlicher die Wahrheit, umso sicherer die Prognosen in eigener wie auch in nationaler Sache.

Ich denke heute wieder an jene berühmte Zeile von Leonard Cohen: »There is a crack in everything, that’s how the light gets in.« – zu Deutsch etwa: »Es ist ein Riss in allen Dingen, so gelangt das Licht hinein.«

Risse tun sich auf, Widersprüche sind immer schwerer zu leugnen. Die Lügner sind bald mehr mit der Verteidigung der Lügen beschäftigt, als mit dem, weshalb sie überhaupt logen.

Ich sehe die nicht vollständig unrealistischen Chancen, dass wir in zehn Jahren besser dastehen als heute. Doch die Veränderungen, die wir selbst bei dieser »Turmbesteigung« durchmachen werden, könnten bei manchen von uns Schwindelgefühl, Höhenangst oder blanke Panik hervorrufen.

Lasst uns hinaufsteigen, unter Einsatz von Mut und Mühe, auf den Turm der Ehrlichkeit, der weniger falschen Wahrheit.

Lasst uns in die Umgebung schauen, das Land aufs Neue ehrlich vermessen.

Und dann lass uns wieder hinabsteigen, und unseren Fokus auf das Erschaffen unserer eigenen, neuen Welt legen.

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