27.12.2020

Waffen und COVID-19

von Dushan Wegner, Lesezeit 4 Minuten, Foto von Rohit Tandon
In New York haben sich die Anträge auf Waffenkauf verdoppelt. In Deutschland schafft es eine Clan-Schießerei kaum noch in die Schlagzeilen. Was könnte bloß der Grund sein?
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Wie hätten die Menschen denn auf Lockdown und Zerstörung der westlichen Wirtschaft reagieren sollen? Was hätten wir uns gewünscht, was hätten wir denn erwarten sollen?

In New York ist die Zahl der Anträge auf Waffenkauf in die Höhe geschnellt. Es ist eine Folge des COVID-19-Lockdowns, welche Menschen ohne Geld dastehen lässt und Raubverbrechen anheizt. Es ist aber auch eine Folge der Anti-Polizei-Kampagnen im Vorfeld der sogenannten »Wahl« 2020, als Anti-Trump-Politiker und antidemokratische NGOs wie »Black Lives Matter« zusammen aktiv die Polizei schwächten, was exakt wie absehbar zu einem Anstieg von Verbrechen und Gewalt führte. Polizisten berichten von einer »Demoralisierung« der Polizei (wsj.com, 24.12.2020) – es fällt einem als Polizist nicht einfach, täglich sein Leben für eine Gesellschaft und eine Politik zu riskieren, die einen so offen verachtet. (Auch in Deutschland gilt ja, dass wo Linke herrschen, bald auch die Gewalt mitregiert. Eine Clan-Schießerei im ultragrünen Berlin-Kreuzberg etwa schafft es nur noch mit Mühe in die Schlagzeilen: welt.de, 26.12.2020.)

Bis Anfang Dezember 2020 hatte sich die Zahl der behördlich dokumentierten Schießereien in New York gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr (nypost.com, 8.12.2020) fast verdoppelt. Der Polizeichef wird zitiert, an manchen Tagen gäbe es so viele Schießereien wie sonst in einer Woche.

Immer mehr New Yorker wollen sich schützen, doch nur ein kleiner Bruchteil der Waffenkäufe wird von der Polizei genehmigt (wo Democrats herrschen, zählen US-Grundrechte bekanntlich nicht so sehr), und der Effekt ist, ähnlich wie in Deutschland, dass die braven Bürger unbewaffnet sind, während Gangs und Clans sich erfrischend wenig um Waffengesetze scheren. 

Das von einem rasenden Trump-Hasser regierte New York ist (wieder einmal) Vorreiter und Vergrößerungsglas für Trends, die sich in vielen weiteren Städten und Orten der westlichen Welt finden. Hilfsorganisationen warnen vor der rapiden Zunahme häuslicher Gewalt im Lockdown. Es werden nicht nur gesundheitliche Gründe sein, warum in Städten nächtliche Lockdowns ausgerufen werden, als wäre unsere Realität längst die eines dystopischen Hollywood-Films.   

Prometheus am Felsen

Im kalten Krieg gab es in den USA die Atomkrieg-Übungen, da haben die Kinder trainiert, sich im Fall eines Nuklearkrieges unterm Tisch zu verstecken, oder – etwas weniger hilflos – in den Atomschutzbunker zu fliehen. Wir gehen, weltweit, als Gesellschaft und Individuen seelisch unvorbereitet in »Pandemie« und »Great Reset« hinein.  

Der Mensch ist nicht für die Moderne geschaffen, nicht am Körper und ganz gewiss nicht an der Seele. (Und dennoch lebt der Mensch – im Durchschnitt – zeitlich länger als er jemals zuvor lebte, von den Zeiten eines Methusalem natürlich abgesehen. Dass die Zivilisation des Menschen Seele frisst, hindert eben diese Zivilisation beileibe nicht daran, eben diesen Menschen dank moderner Medizin extra lang am Leben zu halten. Die Strafe des an den Felsen geketteten Prometheus, dem ein Adler täglich die Leber wegfraß, wäre ja weit weniger beeindruckend gewesen, wenn der Zeustäuscher sogleich daran gestorben wäre, statt erleben zu müssen, wie seine Leber zuverlässig wieder genas.)

Wenn der Mensch aber nicht für die Moderne geschaffen ist, so ist er noch viel weniger für Great-Reset-Moderne geschaffen, diese geisterhafte Zwischenzeit, diese Drehachse zwischen dem Jahrhundert der Nationen (sowie der zuletzt wie eine Karikatur ihrer selbst wirkenden Demokratie) und dem neuen Zeitalter der Konzerne (und der Nationen, die wie Konzerne zu agieren wissen). Der Mensch ist nicht für Lockdowns geschaffen, und so zerbricht und fällt in sich zusammen, was ohnehin brüchig war.

Angenehmer weinen

»Geld macht nicht glücklich«, so besagt eine alte Weisheit, und mancher ergänzt sarkastisch: »doch im Rolls Royce weint es sich angenehmer.« – Natürlich verstehen wir den wahren Kern der sarkastischen Ergänzung. Wenn das Geld fehlt, das es braucht, um den als Minimum empfundenen Lebensstandard zu halten (das kann mal »nicht hungern« und mal »Netflix und schnelles Internet« bedeuten), dann stehen die meisten anderen Probleme erst einmal zurück (inklusive der Gesundheit, wenn es dafür Geld braucht).

Jedoch, selbst wenn das Geld fürs Minimum gesichert ist, können Ausgangsverbote und andere »ermächtigte« Entscheidungen der Regierungen die Menschen derart schmerzhaft in ihrer Freiheit einschränken, dass es sie an die Grenzen ihrer emotionalen Belastungsfähigkeit bringt.

Man hört dieser Tage mancherlei Ratschlag dazu, was die Menschen im Lockdown anstellen sollen, um an der Seele zu überleben. Man verzeihe mir die Deutlichkeit: Wer heute einen grundsätzlich anderen Rat gibt, als er gestern gab, dessen Rat von gestern war offenbar nicht krisenfest – und nach aller Erfahrung wird auch sein neuer, heutiger Rat wieder schwach sein (oder geradezu gefährlich). Wenn ich in diesen Zeiten mit einem ganz neuen Rat ankäme, wäre ich wenig glaubwürdig.

Ich rate uns heute eben das, was ich vor diesem Irrsinn empfahl: Werdet euch sehr genau bewusst, was eure relevanten Strukturen sind, was euch wirklich wichtig ist. Beschützt es mit all eurer Kraft, bringt es in Sicherheit. Seid bereit aufzugeben, was bei näherem Hinsehen zwar »nett«, aber eben nicht wirklich maximal relevant ist.

Gibt es Glück in der Pandemie, oder gibt es nur Unfreiheit und Furcht? Nun, Glück ist ein anderes Wort für das Bewusstsein, die wirklich wichtigen Angelegenheiten geordnet zu haben.

Es galt in Zeiten des Sonnenscheins, und es gilt auch heute, also in einer Zeit, in denen Menschen sich bewaffnen und auf die Straße zu gehen fürchten: Ordne deine Kreise!   

»Weiterschreiben, Wegner!«

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