Als ich diesen Essay zu schreiben begann, setzte ich »Weiße Frauen« als Titel. Das mache ich so, um mich selbst daran zu erinnern, worüber ich schreibe. Bei welchem Gedanken ich ankommen werde. Und ja: Was das Problem ist.
Wenn ich dann zwischenspeichere, macht WordPress aus dem Titel den Slug (ausgesprochen: slagg), also den Teil, der in der Internet-Adresse (URL) nach dushanwegner.com kommt.
In seltenen, aber (für diesen Essayisten) alarmierenden Fällen kommt es vor, dass WordPress bei der Generierung des Slugs die Zahl 2 anhängt.
Die automatisch angehängte 2 ist alarmierend, wenn der Slug automatisch-generiert war, denn sie bedeutet: Ich habe schon einmal einen Essay geschrieben und ihm exakt diesen Titel gegeben!
Eine neue Erkenntnis
Der exakt selbe Titel legt aber natürlich nahe, dass ich mich auch inhaltlich wiederhole. Ich bin explizit kein prinzipieller Gegner der inhaltlichen Wiederholung, solange eine neue Erkenntnis folgt – oder essenzieller Lernstoff wiederholt wird (siehe zuletzt etwa »Fahrscheine, langsam und schnell«). Mindestens eines von beidem muss aber der Fall sein, um meiner und eurer Zeit wert zu sein!
Als ich also heute vor dem Schreiben dieses Textes den Titel »Weiße Frauen« notierte, machte WordPress daraus den Slug: »weisse-frauen-2«.
Oha!
Tatsächlich. Ich rief »/weisse-frauen« im Browser auf, und es erschien »Wenn weiße Frauen alles opfern«, vom Januar dieses Jahres.
In der Einleitung des Essays heißt es: »Bei Protesten, ob in den USA oder in Deutschland, fällt auf, dass – neben den üblichen Blauhaaren und Soja-Sörens – besonders weiße Frauen mittleren Alters für suizidalen Irrsinn zu begeistern sind.«
Ja, das ist thematisch verwandt. Oder eher thematisch verbrüdert. Genauer: verschwistert. Na gut, dann soll es wie bei Filmen sein. Dies ist der Essay »Weiße Frauen 2«.
Der aktuelle Anlass
Mein heutiger Anlass war ein Video, das sich in den sozialen Medien verbreitet. Ich weiß nicht, ob ich das Video selbst verlinken will (der Nachrichten-Artikel dazu ist derb genug ilsecoloxix.it, 25.6.2026), also lasst mich zunächst nur zitieren, wie ein bekannter deutscher Autor es kommentiert:
Ein afrikanischer Migrant begann laut Berichten in einem Freibad in Italien vor Kindern öffentlich zu masturbieren.
Er wurde daraufhin von Italienern zur Rede gestellt und startete eine Schlägerei, die er verlor. Plötzlich warf sich eine weiße Frau schützend vor ihn. Ein Sinnbild unserer Gesellschaft.
Suizidale Empathie.
– Martin Sellner, 26.6.2026 (x.com, @MartinSellner_)
Anderswo erklärt ein X-User namens @dvorstone den Vorfall: »Frauen sind nicht geeignet, mit dem Maß an Gewalt umzugehen, das für den Erhalt der Zivilisation notwendig ist. Dies liegt wiederum daran, dass Frauen darauf ausgelegt sind, sich um Säuglinge zu kümmern, für die ›null‹ Gewalt die richtige Menge ist. Deshalb ist das zentrale Problem der westlichen Zivilisation kinderlose Frauen mit politischer Macht. Zivilisation braucht Kontinuität, Vergangenheit und Zukunft, und gehört daher nur denen, die diese Zukunft gestalten. Kinderlosen Menschen Autorität über die Zivilisation zu geben ist im Grunde selbstmörderisch.« (übersetzt)
Wir haben es bei den Anti-ICE-Protesten erlebt. Wir erlebten es bei den Omas gegen Rechts. Ich könnte die Liste schmerzhaft lange erweitern.
Im vollen Sinne Menschen
Ach ja, schreibe ich also ein weiteres Mal über »die irrationale, suizidale weiße Frau, die in wütendem Wahn ihr Land und ihre Gesellschaft mit sich in den persönlichen Abgrund reißen will« (/weisse-frauen). Manchmal ist es nicht wütender Wahn sondern der »empathische Kurzschluss«, aber Wiederholung ist es dennoch. Wenn ich mich nun schon aus aktuellem Anlass wiederhole, dann will ich zumindest einen Gedanken anfügen.
Wir sind uns bestimmt einig: Auch weiße Frauen, die sich schützend vor masturbierende Männer stellen oder ihr Leben opfern im Kampf gegen die Ausweisung verurteilter (!) Kinderschänder und Vergewaltiger durch ICE, ja, auch sie sind im vollen Sinne Menschen.
Ebenso sind die Leute, die diese Frauen gewähren lassen oder ihnen sogar politische Macht geben, im vollen Sinne Menschen.
Als Menschen sind sie qua Definition mit Vernunft begabt. Außerdem mit viel Emotion und Intuition.
Diese Erkenntnis aber ist Vertiefung und Wiederholung zugleich: Um eine Zivilisation in den Niedergang zu führen, brauchst du nicht zwingend eine Armee (außer du willst aus anderen Gründen deine und deren junge Männer loswerden). Ja, sogar Hiroshima und Nagasaki sind heute blühende Städte.
Wenn du eine Nation und eine ganze Kultur knechten und vernichten willst, spare dir die Raketen und Panzer, sondern rede den Menschen ein, dass ihre Vernunft und ihr Bauchgefühl die höchsten Instanzen sind. (Tipp: Beide sind mit Propaganda leicht zu steuern.)
Wenn du aber dem Schicksal entfliehen willst, das weiße Frauen und ihre Helfer uns allen bescheren, dann mit deinem Verstand und den ehrlichsten deiner Gefühle. Suche nach Instanzen, die bewährterweise größer sind als diese.
Weiterschreiben, Wegner!
Das Schreiben dieser Essays ist nur mit Ihrer Unterstützung möglich. Werden und bleiben Sie Teil meiner Arbeit!
Bitte wählen Sie Ihren freiwilligen Leserbeitrag:
Der Essay Weiße Frauen 2 von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/weisse-frauen-2/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!
