16.10.2020

Wenn nicht dieser Sturm, dann ein andrer

von Dushan Wegner, Lesezeit 6 Minuten, Foto von Luca Bravo
Politiker und ihre Journalisten leugnen die Realität – und tun dann immer ganz erschüttert. Wenn ein Sturm heranzieht, und du die Fenster offen stehen lässt, rede dich nicht auf den Sturm heraus, wenn du bald daheim knöcheltief im Wasser stehst!
architectural photography of brown wooden house
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Wenn ein Sturm naht, und du die Fenster offen stehen lässt, ist es wirklich die Schuld des Sturms, wenn dein Wohnzimmer bald unter Wasser steht?

Ich weiß, ich weiß – und etwa in »Wie Gaffer beim Logikunfall« habe ich es selbst dokumentiert – dass es sich mit nicht wenigen Artikeln in linken Publikationen wie mit schauerlichen Autounfällen verhält: Man weiß, dass es besser wäre, nicht hinzuschauen – und doch »kann man nicht anders«.

»Hört auf den Koran«, heißt es bei jener Zeitung, die uns zuvor Klassiker vorlegte wie »Etwas Besseres als Deutschland findet sich allemal.«, und die »Mülldeponie« für Polizisten vorschlug, da sie »Abfall« seien (taz.de, URLs: 15.10.2020, 4.8.2011, 15.6.2020).

Es sind Texte wie Auffahrunfälle, und doch schaut man hin, und wenn man hinschaut, stellt man fest, dass etwa zwar das Händewaschen und das Alkoholverbot im Koran tatsächlich die entsprechenden Ge- und Verbote vorweggenommen werden – ob man deshalb auch das Auspeitschen als Strafe für Unzucht (Sure 24, Vers 2) präventiv einführen sollte (immerhin wurde in Deutschland örtlich die Prostitution verboten, das Fremdgehen wird vielleicht bald folgen), darüber schweigt sich der witzige Linkskolumnist (noch) aus.

Deutlicher wurde jener Algerier, der 2017 seine Kritik am Westen auf dem Vorplatz der Notre Dame kundtat und dies rhetorisch mit Hilfe eines Messers unterstrich, und nun vor Gericht weiter ausführte:

Sachez chiens de Français et d’Américains que nous sommes déjà chez vous, au pied de votre porte pour vous égorger et faire couler votre sang d’infidèles. (lefigaro.fr, 12.10.2020).

Nach den Richtlinien des modernen Journalismus übersetzt: »Ich wünsche mir ein friedliches und tolerantes Zusammenleben mit Franzosen und Amerikanern.«

Ein tolerantes Zusammenleben erfordert selbstredend das Entgegenkommen beider Seiten, und es ist natürlich »wenig hilfreich«, wenn eine Seite der anderen Seite mit allzu blanker Rückseite begegnet! – Im toleranten Duisburg verbot man deshalb dieser Tage, dass Damen in der Therme sich in allzu knapper Badekleidung an den Wohltaten des öffentlichen Bades erfreuten, denn es sei »ein Standort, wo viele Kulturen aufeinander treffen« und »Freizügigkeit« werde »nicht immer von allen Besuchergruppen toleriert« (focus.de, 13.10.2020). Toleranz bedeutet, sich anzupassen, wenn gewisse »Besuchergruppen« und »Kulturen« es anders nicht so gut tolerieren. Nach lebhaften P(r)otesten, wurden die verbieterischen Schilder wieder abgenommen. Die Betroffenen werden sich bestimmt über beide Backen freuen.

(Noch) nicht bekannt

Wir hoffen, ein gegenüberliegendes Ufer zu erreichen, wieder sicheren Boden unter den Füßen zu spüren, doch noch sind wir mitten in der Strömung. Ich bin ja schon länger damit beschäftigt, Steine in den Fluss zu legen, über die sich hoffentlich eine Brücke bauen ließe – erlauben Sie mir bitte also, einige bislang in die Flut gesetzten Steine schnell abzugehen.

Im Essay »Die Gentleman-Strategie« beschrieb ich ein gänzlich fiktives Filmdrehbuch, wonach eine ausländische Macht den Westen nicht unbedingt »schubsen« muss, wie der Rüpel es bei der Dame versucht, sondern ihm vielmehr »beim Fallen hilft«, wie ein Gentleman es tun würde.

Die »Gentleman-Strategie« muss natürlich mit jenem Satz zusammen gelesen werden, den ich selbstbewusst als »Wegners Rasiermesser« formuliert habe (siehe etwa Essay vom 24.3.2020): Aus der Tatsache, dass »die da oben« einen Missstand nutzen, folgt nicht, dass dieselben Akteure ihn auch herbeigeführt haben. (Es kann aber sein, dass die ihn durchaus in Folge verschärfen. Beispiel: Regierung und Wohlfahrtskonzerne haben die Migrationskrise nicht gestartet, aber sie verschärfen das Problem – und einige von ihnen profitieren davon.)

Ich weise (etwa im Text »Verschwörungstheorien und Kompromat«, 18.5.2019) wiederholt darauf hin, dass eine sogenannte »Verschwörungstheorie« auch sehr gut ohne »Verschwörer« auskommt – weil 1. der oder die Drahtzieher eines belegbaren Ereignisses (noch) nicht bekannt sind, oder 2. es schlicht keine gibt, aber sehr wohl Akteure, die davon profitieren.

Im Text zur »Islamisierung« belege ich in detaillierten Schritten, warum diese in jeder Deutung des Begriffs längst stattfindet (jener Text ist von 2018 – mittlerweile haben auch Haltungsjournalisten eingesehen, dass sie es selbst mit dem moralischsten Augenaufschlag nicht mehr leugnen können – und, da es unabwendbar scheint, auch nicht mehr leugnen müssen).

Nach all diesen Trittsteinen, die ich mir selbst ins Wasser legte, will ich über eben diese schreiten, um an ihrem Ende einen weiteren ins Wasser zu senken, in der Hoffnung, irgendwann ein gegenüberliegendes Ufer zu erreichen.

Und zwar, dies: Ich halte weder die Islamisierung, noch eine zukünftige Existenz als (eine neuartige ) chinesische Kolonie, ja nicht einmal das absehbare Abgehängtwerden beim Zukunftssthema »Künstliche Intelligenz« für unser eigentliches oder auch nur drängendstes Problem. Ich halte auch weder China noch Russland und nicht »den Islam« für unseren Gegner. – Unser erstes Problem, unser folgenreichster Fehler und unser wahrer Gegner ist unsere eigene totale Konfusion.

Wenn nicht…

Wir sind wie ein Taumelnder, der sich nicht entscheiden kann, in welche der vielen Dornenbüsche um ihn herum er fällt.

Wenn nicht »der Islam« wäre, wäre es der »Öko-Aktivismus« (er versucht es ja) oder eine andere Religion, die uns drängt, sich Offenbarung und Propheten zu unterwerfen.

Wenn nicht China, Russland oder die USA wären, würde das Geld anderer Mächte unsere Städte aufkaufen, würden andere Länder unsere Produktion übernehmen, uns Geld leihen während sie uns beim Stand der Forschung abhängen. (Randnotiz – zum aktuellen Blick Chinas auf den Wesen formulierte Bill Blain in seinem Blog jüngst treffend: »The Chinese must be laughing their heads off…« – frei übersetzt: »Die Chinesen lachen sich wahrscheinlich gerade halbtot…«; morningporridge.com, 15.10.2020)

Wenn nicht dieses »neuartige« Covid-Virus wäre, würde das nächste Virus uns in lähmende Panik versetzen, diese typisch neu-deutsche Kombination aus Ignoranz – siehe die buchstäbliche »Party-Szene« in Berlin – und Hysterie mit zweifelhaftem Nutzen, sie ist zuerst ein Zeichen unserer Konfusion.

Wenn all die Stürme nicht wären, die uns heute in die offenen Fenster blasen, dann wären es eben zehn andere Stürme.

In bekannten und bewährten Worten

Während ich diese Gedanken notiere, höre ich jene dauernden »Böen« pfeifen, an die wir uns fast schon gewöhnt haben; aktuell etwa: Daimler meldet 1.500 Leiharbeiter ab (nrz.de, 15.10.2020), Autozulieferer Valeo »will jeden Vierten entlassen« (faz.net, 16.10.2020), Noblex in Eisfeld lässt »85 Mitarbeiter ohne Perspektive« (insuedthueringen.de, 13.10.2020), »Rund 40 Karstadt-Filialen machen für immer dicht« (bild.de, 15.10.2020 – zur Erinnerung für die Jüngeren: »Karstadt« ist eine Art »Amazon zum Reingehen, aber mit Retro-Feeling«). Was sollen die vielen Angestellten, die ihre Arbeit verlieren, mit ihrem Leben tun? Was soll der Staat ihnen bieten? Nicht jeder Mensch kann (oder sollte) »programmieren lernen«. Nicht alle Sturmböen lassen sich aussperren, nicht alle menschlichen Härten immer vermeiden – doch durch totale Konfusion in anderen Angelegenheiten, wird es so viel schwerer für das Land, schnell und auf kluge Weise die Feuer zu löschen, die wirklich unvermeidbar waren.

Wenn ein Sturm naht, und du die Fenster offen stehen lässt, ist es wirklich die Schuld des Sturms, wenn dein Wohnzimmer bald unter Wasser steht? Wir lassen nicht nur ein einzelnes Fenster an unserem Haus offen, wir lassen sie alle so sperrangelweit offen wie die Grenzen in 2015 – und dann tun wir, als sei der Sturm unvermeidbar gewesen.

Ein Volk, ein Staat wie auch ein Mensch, die ihre relevanten Strukturen nicht anzugeben wissen, können diese auch nicht ordnen. Ein Volk aber, das nicht weiß, was ihm wirklich wichtig ist, was als Werte und relevante Strukturen gesetzt ist und bewahrt werden muss, das wird von einem Sturm in den anderen geraten, bis es »durch den Wind« ist.

Wenn ein Sturm naht, und du die Fenster offen stehen lässt, dann gib nicht dem Sturm die Schuld dafür, dass du bald bis zu den Knöcheln im Wasser stehst. Schließe ein paar Fenster – wenn schon nicht im Staat, dann zumindest im eigenen Leben!

Oder, in bekannten und bewährten Worten: Ordne deine Kreise!

»Weiterschreiben, Wegner!«

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