26.11.2021

Die Maßnahmen

von Dushan Wegner, Lesezeit 3 Minuten
Ich bedaure den Menschen, dem Böses geschieht. Ich bedaure noch mehr den Menschen, der zwischen zwei bösen Möglichkeiten wählen muss.
Die Maßnahmen
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Ich ging spazieren, da kam ich an einer Tierarztpraxis vorbei, und ich sah eine Frau ihren Hund abgeben. – Der müde Hund ging brav mit. Die Besitzerin weinte und weinte und weinte. Ich verstand, ich musste nicht fragen. Der Hund sollte eingeschläfert werden.

Als die Frau sich entschloss, ihrem Hund ›adiós‹ zu sagen, da war sie an einer Stelle ihres Lebens, welche ich eine ›böse Kreuzung‹ nenne. Egal, wie sie sich entschied, es konnte nicht schön werden.

Nicht immer sind die bösen Kreuzungen unseres Lebens derart dramatisch, wie einen alten Freund töten zu lassen – doch manchmal sind sie noch schwerwiegender.

Ich hörte von Einem – er hatte Kinder – der traurig seine Ehe beendete, weil er spürte, wie der Zynismus seine Seele vergiftete.

Ich hörte von Einem – er hatte ebenfalls Kinder – der sich zitternd und unter Tränen impfen ließ, nicht weil er dran glaubte, sondern weil das Regime ihn zwang. Er fürchtete die Nebenwirkungen, und er fürchtete die Maßnahmen der Behörden noch mehr.

Ich hörte von Menschen, die gewisse Papiere unterschrieben, und sich wunderten, welche Kraft es war, die ihre Hand dabei führte und den Stift übers Papier schob, denn ihre eigene Kraft war es nicht, und ihr eigener Wille war es gerade mal so.

Freiheit, das ist, mit seinen Möglichkeiten zufrieden zu sein. Jenes aber, das ich eine ›böse Kreuzung‹ nenne, das nenne ich auch das Gegenteil von Freiheit.

Es wurde übles Schindluder mit dem Begriff der Freiheit getrieben. Es ekelt mich, Beispiele zu nennen, ältere oder neuere. Wer weiß, der weiß. Wer nicht weiß, der wollte nicht wissen, der will nicht wissen, und der wird wieder nicht gewusst haben wollen.

Ich werde hier und jetzt die Bewertung gewisser aktueller Ereignisse überspringen. Soll der Zensor sein Seil doch selbst flechten, bevor er es für mich zur Schlaufe knotet.

Wer verstehen will, der versteht, und wer nicht verstehen will, den könnte selbst ein Sokrates nicht lehren.

Wenn ihr an der bösen Kreuzung steht, habt den Mut, euch zu gestehen, dass der Fall ist, was der Fall ist.

Und doch: Bewegt euch, und sei es heute nur in Gedanken! Sagt die Wahrheit, auch über die Unfreiheit! Zerrt wütend an euren Ketten! Ja, mögen eure Fesseln schmerzen!

Seid nicht wie die Programmierten, welche ihre Ketten für Schmuck halten und die Gewalt für Gerechtigkeit. – Bleibe Mensch, und bleibe ehrlich, auch an der bösen Kreuzung.

Am Rande gesagt: Wenn du deinen Hund einschläfern lässt, habe den Mut und auch den Anstand, mit in die Praxis zu gehen. Halte die Pfote deines alten Freundes in seinen letzten Minuten. Er soll nicht im Raum umherblicken müssen, ratlos nach dir suchend – auch du bist sein alter Freund, und wohl sein bester, und sein Leben war so viel kürzer als deines.

Wenn du nach der bösen Kreuzung weitergehst, wenn du genug Kraft aufbringst, dann kommst du vielleicht zu neuen, guten Kreuzungen.

Schafft euch eure Freiheit, doch für jetzt seid ehrlich. Wer auch in der Unfreiheit ehrlich ist, der kann später in der Freiheit glaubwürdig sagen: »Ich bin frei.«

Weiterschreiben, Wegner!

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