Der Text wechselt zweimal die Tonlage, und beide Male in dieselbe Richtung: aus einem sehr gegenwärtigen Englisch — ein Karren, ein Berg, juckende Ohren — in die Douay-Rheims von 1610. Die zwei Zitate stehen nicht in derselben Stimme. Paulus warnt vor einer Zeit, die kommen wird; Isaias ruft ein Wehe über Leute, die es längst tun. Wer das hört, hat den Text verstanden.
Das eine Wort, das Sie sicher falsch übersetzen
For there shall be a time when they will not endure sound doctrine.
Sound ist hier nicht der Klang.
| englisch | was Sie denken | was dasteht |
|---|---|---|
| sound doctrine | die klangvolle Lehre | die gesunde Lehre |
Es sind zwei verschiedene Wörter, die im Englischen zufällig gleich aussehen. Das eine, der Klang, kam über das Französische aus dem lateinischen sonus. Das andere ist germanisch und dasselbe Wort wie das deutsche gesund: altenglisch gesund → sund → sound. Die Vorsilbe ist unterwegs abgefallen, im Deutschen ist sie geblieben.
Sobald man das weiß, liest sich eine ganze Reihe englischer Wendungen anders: safe and sound (heil und gesund), of sound mind (bei gesundem Verstand), a sound argument, sound sleep. Und die Stelle bei Paulus meint genau das, was Luther mit „der heilsamen Lehre“ übersetzt: nicht eine schön klingende Lehre, sondern eine, die den, der sie annimmt, gesund macht.
itching ears
Das Bild des Verses. Die Ohren jucken, und wie bei jedem Juckreiz sucht man etwas, das kratzt — also Lehrer, die einem sagen, was man hören will. Paulus schreibt nicht, dass die Leute keine Lehrer mehr wollen; sie wollen mehr Lehrer, heap to themselves teachers, sie häufen sie sich an. Das ist die Pointe und der Grund, warum der Vers auf unsere Zeit passt.
heap to themselves ist altes Englisch für „sich anhäufen“. A heap ist der Haufen — dasselbe Wort, dieselbe Wurzel, und wer ein Haufen Arbeit sagt, sagt es genauso.
that statt who
Woe to you that call evil good, and good evil.
Heute stünde dort who: woe to you who call evil good. Das alte Englisch benutzte that auch für Personen, und der Gebrauch ist nicht ausgestorben — the man that I saw ist bis heute korrekt, nur etwas schlichter als the man whom I saw. Der deutsche Leser stolpert darüber, weil das Deutsche für Personen und Sachen verschiedene Relativpronomen hat und man ihm in der Schule beigebracht hat, who für Menschen und that für Dinge zu nehmen. Das ist eine Faustregel, keine Grammatik.
woe to you ist außerdem kein Ausruf des Mitleids. Es ist eine Gattung: das prophetische Weheruf, hebräisch hoj, mit dem ein Prophet ein Gericht ankündigt. Wehe euch im Deutschen trifft es genau — und wie im Deutschen ist es eine Anrede, kein Kommentar.
Die Bilder des Textes
| englisch | wörtlich | gemeint |
|---|---|---|
| in shambles | in den Schlachtbänken | ein Scherbenhaufen, völlig ruiniert |
| a cart racing down the mountain | ein Karren den Berg hinunter | es geht schnell, es geht bergab, und es endet |
| to hiss into someone's ears | jemandem ins Ohr zischen | einflüstern, wie die Schlange im Paradies |
| to get out of the cart | aus dem Karren steigen | rechtzeitig aussteigen, bevor es kracht |
Der Karren ist die Achse des ganzen Textes: Er wird schneller, alle haben Spaß, until they crash. Und der Rat am Ende ist kein Appell, sondern eine Bewegung — get out of the cart, aussteigen, solange er noch fährt.
Woher die Wörter kommen
shambles ist das erstaunlichste Wort des Textes. Es beginnt als lateinisches scamellum, ein Bänkchen; im Altenglischen ist sceamol der Schemel, dann der Verkaufsstand, dann eigens der Stand des Fleischers. Aus der Fleischbank wurde die Schlachtbank, aus der Schlachtbank ein Ort des Gemetzels — und daraus schließlich unser heutiges, harmloses „Chaos“. In York heißt eine Gasse bis heute The Shambles, weil dort die Fleischer standen. Wenn ein Leben in shambles liegt, steckt in dem Wort mehr Blut, als der Sprecher meint.
martyr heißt auf Griechisch schlicht Zeuge. Nichts vom Sterben steckt im Wort; das kam erst dazu, weil die frühen Christen ihr Zeugnis so oft mit dem Leben bezahlten. Der Satz des Textes — die Märtyrer sangen, während die Flammen brannten — ist deshalb genauer, als er aussieht: Sie starben nicht, sie sagten aus.
heretic kommt von griechisch hairein, wählen. Ein Häretiker ist wörtlich einer, der sich etwas aussucht — der sich aus der Lehre nimmt, was ihm zusagt, und den Rest liegen lässt. Damit ist das Wort exakt die Diagnose, die der Text stellt: Wer die Moral aus dem angenehmen Gefühl ableitet, wählt. Das deutsche Ketzer hat eine ganz andere Herkunft — es geht auf die Katharer zurück, eine mittelalterliche Sekte — und verliert dieses Bild vollständig.
sinew und das deutsche Sehne sind dasselbe alte Wort. Und fleeting gehört zu fleet, das ursprünglich „treiben, dahinfließen“ hieß (verwandt mit fließen) — die Flotte heißt so, weil sie schwimmt. Was fleeting ist, treibt vorbei.
contentment ist kein Glück. Es kommt von lateinisch continere, „zusammenhalten, enthalten“: zufrieden ist, wer enthalten ist, wer in seine Grenzen passt und nichts darüber hinaus verlangt. Der Text setzt es bewusst gegen fleeting earthly satisfaction — und satisfaction kommt von satis facere, „genug tun“. Das eine ist ein Zustand, das andere eine Erledigung.