Der Text ist in einfachem Englisch geschrieben — Jungen, ein Schulhof, eine Prügelei. Genau in die Mitte fällt ein einziger Satz aus der Douay-Rheims von 1610, und der klingt mit Absicht aus der Zeit gefallen. Dieser Bruch ist die Lektion: Wo das heutige Englisch umständlicher ist als das alte, steht der deutsche Leser besser da, als er denkt.
Verneinter Imperativ: warum Despise not für Sie leichter ist
Extinguish not the spirit. Despise not prophecies. But prove all things; hold fast that which is good.
Heutiges Englisch kann einen Befehl nicht einfach verneinen. Es braucht ein Hilfsverb, das gar nichts bedeutet — do:
| 1610 | heute | deutsch |
|---|---|---|
| Despise not | Do not despise | Verachtet nicht |
| Extinguish not | Do not extinguish | Löscht nicht aus |
| Fear not | Do not fear | Fürchtet euch nicht |
| Judge not | Do not judge | Richtet nicht |
Man nennt das do-support, und es ist eine Eigenart, die das Englische erst im 16. und 17. Jahrhundert vollständig ausgebildet hat. Vorher verneinte man wie das Deutsche heute noch: Verb, dann not. Das Deutsche hat diesen Umweg nie gebraucht und braucht ihn bis heute nicht — Verachtet nicht ist gebaut wie Despise not, nicht wie Do not despise.
Deshalb liest sich diese Zeile für ein deutsches Ohr eher feierlich als fremd. Sie ist es auch: In festen Wendungen hält sich die alte Form bis heute, in fear not, want not, waste not.
prove heißt hier nicht beweisen
Die wichtigste Falle des Textes steht im selben Vers.
| englisch | was Sie denken | was dasteht |
|---|---|---|
| prove all things | alles beweisen | alles prüfen, alles auf die Probe stellen |
Prove und prüfen sind dasselbe Wort. Beide kommen über das Kirchenlatein von probare, „erproben, für gut befinden“, und das steckt auch in Probe, probieren und in der englischen probation. Luther übersetzt die Stelle genau so: „Prüfet alles, und das Gute behaltet.“
Die heutige Bedeutung „beweisen“ ist die jüngere: Was man geprüft und für gut befunden hat, das hat man eben auch bewiesen. Ein Rest der alten Bedeutung lebt in dem Sprichwort the exception proves the rule — das ergibt nur Sinn, wenn proves hier „stellt auf die Probe“ heißt, nicht „beweist“.
Und hold fast ist kein Festhalten mit der Hand, sondern das deutsche festhalten an: nicht loslassen, was sich als gut erwiesen hat.
Die Redewendungen
| englisch | wörtlich | gemeint |
|---|---|---|
| there's the rub | da ist die Unebenheit | da liegt der Haken |
| battle royale | königlicher Kampf | alle gegen alle, bis einer übrig ist |
| runner-up | der Hinterherlaufende | der Zweitplatzierte |
| to pick winners | Sieger aussuchen | vorher bestimmen, wer gewinnt |
| to strut and prance | stolzieren und tänzeln | sich aufplustern wie ein Hahn |
there's the rub stammt aus Hamlets Selbstgespräch — To sleep, perchance to dream; ay, there's the rub. Ein rub war beim Boules-Spiel die Unebenheit im Rasen, die die Kugel vom Weg bringt: das kleine Hindernis, an das man vorher nicht gedacht hat. Genau so benutzt DW es.
verboten, ein deutsches Wort im Englischen
Im Text steht verboten, kursiv, mitten in einem englischen Satz — und das ist kein Versehen und keine Angeberei. Das Wort ist im Englischen angekommen und trägt dort eine Färbung, die forbidden nicht hat: obrigkeitlich, endgültig, ohne Begründung. Englische Zeitungen greifen genau dann danach, wenn ein Verbot als anmaßend dargestellt werden soll.
Es steht damit in einer kleinen Reihe deutscher Wörter, die das Englische für Dinge übernommen hat, für die es selbst kein knappes Wort hatte: zeitgeist, angst, schadenfreude, doppelgänger, wanderlust, kindergarten. In fast allen Fällen ist die englische Bedeutung enger als die deutsche — angst heißt nicht Angst, sondern eine unbestimmte Weltangst, und verboten nicht verboten, sondern von oben verboten.
Woher die Wörter kommen
censorship trägt ein römisches Amt in sich. Der censor war kein Zeitungsleser, sondern ein Magistrat der Republik: Er führte den census, die Bürgerliste, und er wachte über die mores, die Sitten. Er durfte einen Senator von der Liste streichen, wenn er dessen Lebenswandel für unwürdig hielt. Beides steckt noch im heutigen Wort — Zählen und Sittenaufsicht —, und der Text handelt genau von der zweiten Hälfte.
despise ist wörtlich „herabsehen“: lateinisch de- (herab) und specere (schauen). Dieselbe Wurzel liefert Spektakel, Inspektion, Perspektive, Spiegel. Wer verachtet, schaut von oben — das Bild steht im Wort und ist im deutschen Verachtung nicht zu sehen.
prophecy kommt aus dem Griechischen prophētēs, aus pro- (vor, hervor) und phēnai (sprechen). Ein Prophet ist also zuerst einer, der hervorspricht, der ausspricht, was gesagt werden muss — und erst in zweiter Linie einer, der die Zukunft kennt. Der Text lebt von dieser älteren Bedeutung: Seine Propheten sagen nicht die Zukunft voraus, sie sagen, was gerade nicht gesagt werden darf.
wrestle und das deutsche ringen meinen dieselbe Bewegung, aber nicht dasselbe Bild. Wrestle gehört zu wrest, „mit Gewalt drehen, entwinden“ — verwandt mit writhe (sich winden) und mit dem deutschen reißen. Gesprochen fällt das t weg: ressl.
denier ist im Text ein Vorwurf, kein Beruf. Das Wort ist alt und neutral — to deny, leugnen, aus lateinisch denegare —, aber im heutigen englischen Sprachgebrauch ist denier fast nur noch eine Zuschreibung von außen: Niemand nennt sich selbst so. Das ist der Punkt des Textes.