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»Lebenslüge« ist eines jener deutschen Wörter, für die andere Sprachen zumeist keine direkte Übersetzung haben. Wie »Zeitgeist« oder »Gratismut«.
Aber halt! So deutsch, wie es klingt, ist das Wort gar nicht.
»Ausgedacht« hat sich den Begriff der norwegische Dramatiker Henrik Ibsen: livsløgnen.
»Nimm einem Durchschnittsmenschen die Lebenslüge, und du nimmst ihm zugleich das Glück«, lässt Ibsen seine Figur sagen (frei übertragen).
Erfunden hat ihn ein Norweger, am Leben gehalten haben den Begriff wir Deutschen. Alfred Adler wollte ihn zum »Lebensirrtum« umformen, doch in den allgemeinen Sprachschatz ging eben die »Lebenslüge« ein. Wir Deutschen haben den Begriff erst ausgeliehen und dann behalten, und heute gilt »Lebenslüge« als »unser« Konzept. (Ich höre allerdings, dass auch die Norweger die eine oder andere Lebenslüge pflegen.)
Ich will nun versuchen, die »Lebenslüge« zu definieren: Eine Lebenslüge ist eine Lüge, auf der das Selbstbild eines Menschen beruht, das er sich erzählt.
Nimm einem Menschen seine Lebenslüge (etwa indem du ihm eine schmerzhafte Wahrheit sagst), so fühlt sich das für ihn an, als würdest du ihn töten. Du zerstörst das Bild, das der Mensch von sich selbst hat, und für dein Gehirn haben die Konzepte »ich« und »das Bild, das ich von mir habe« sehr große Schnittmengen.
Wer fürchtet, seine Lebenslüge zu verlieren, wird nicht selten zur rabiaten Selbstverteidigung übergehen. Er wird keine Skrupel haben, dich zu vernichten, dich auszuschalten – bis zur letzten Konsequenz.
Von außen betrachtet kämpft er »nur« um sein eigenes abstraktes Selbstbild. Für ihn aber fühlt es sich an, als kämpfe er um sein Leben.
Beispiele: Der Mann oder die Frau, die ihre Familie für die »Karriere« aufschieben oder vernachlässigen, sprich: einen kalten Konzern über Gott und Kinder stellen. Oder Frauen, die tatsächlich ihr Kind im eigenen Mutterleib töten. Diese Menschen brauchen groß angelegte Lebenslügen, um mit sich selbst klarzukommen.
Oder NGO-Schergen, die ihr Leben damit zubringen, die eigene Nation einzureißen. Manche von ihnen mögen schlicht böse sein, doch etliche laufen auf gewaltigen Lebenslügen.
Und überhaupt: Je älter ich werde und je mehr ich sehe, desto mehr frage ich mich, wie viele der »Wahrheiten«, die man mir in der Schule beibrachte, schlicht große, kollektive Lebenslügen waren.
Die »Lebenslüge« ist nun ein Begriff, den die Deutschen einst verstanden, vor dem sie sich hüteten – damals, als wir noch klug waren.
Heute versucht Deutschland eher, die Lebenslügen zur Staatsräson zu erklären – und dennoch weiter zu funktionieren. Deutschland glaubt etwa a) das Weltklima müsse »gerettet« werden und b) das gute alte Deutschland könne es retten, indem es seine Industrie kaputtmacht, zugleich aktiv seine Gesellschaft destabilisiert und parallel den Sozialstaat überlastet.
Wenn das alles nicht so tragisch wäre, wäre es fast komisch.
Doch wir finden diesen sehr speziellen Wahn inzwischen auch in anderen Nationen. Auffällig oft nach demselben Muster, mit demselben Ziel, mit denselben Gewinnern. Böse NGOs und andere destruktive Akteure fördern die Lebenslügen dabei nicht nur, sie greifen auch jeden aufs Übelste an, der die Wahrheit sagt und damit die Lebenslügen gefährdet.
Wo und wann auch immer ein Mensch oder eine NGO-unterwanderte Gesellschaft dich angreift, weil du die Wahrheit sagst, ist der Grund derselbe: Du hast ihre Lebenslüge bedroht.
Die Gefahr der Lebenslügen resultiert natürlich daraus, dass am Ende immer die Realität gewinnt. Ein Leben und eine Nation, die auf Lügen gebaut sind, sind wie ein Haus auf Sand. Frei nach Bertrand Russell: Viele würden eher sterben, als ihre Lebenslügen aufzugeben – und mancher tut es tatsächlich.
Sagen wir also die Wahrheit über Lebenslügen. Die meisten von uns haben welche. Und es kann Angst und Schmerzen bereiten, sie loszulassen.
Die eigenen Lebenslügen aufzugeben hat tatsächlich aber viel gemeinsam mit dem (ja, christlichen) Wiedergeborenwerden, das den vorherigen »Tod« verlangt. Und zu sterben, so oder so, tut weh – so habe ich gehört.
Doch es gibt keinen anderen Weg zur Freiheit. Der alte Mensch muss sterben, so hat uns Jesus selbst gelehrt.
Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr in Wahrheit meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.
– Johannes 8,31-32
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Der Essay Du magst deine Lebenslügen schon gern, nicht wahr? von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/deine-lebensluegen/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!

