Es fällt weltweit auf: Deutsche bauen regelmäßig sich und auch Europa auf – und dann erfasst sie eine kollektive Psychose, die alles wieder einreißt. Ein irres, zerstörerisches Pendel. Bis jemand das Pendel aufhält – oder es nichts mehr zum Pendeln gibt.

Ich fürchte mich vor einem Gedanken.

Genauer: Ich fürchte mich vor der möglichen Wahrheit eines bestimmten Gedankens.

Noch genauer: Ich fürchte, dass (und dann: wenn) dieser Gedanke auch nur halbwegs plausibel denkbar ist.

Jener Gedanke lautet: Was, wenn dies nicht die »deutsche Krankheit« ist?

Lasst mich zuerst erklären, was ich mit »deutsche Krankheit« meine.

Hinrichtungen in Quedlinburg

Laut modernen Schätzungen wurden zwischen 1450 und 1750 n. Chr. in Europa in etwa 80.000 Hexenprozessen insgesamt 35.000 Menschen hingerichtet (siehe Wikipedia). Die meisten Angeklagten waren Frauen, doch auch Kinder und Männer wurden bisweilen der Hexerei beschuldigt.

Bisweilen hört man Opferzahlen in Millionenhöhe, doch die sind mehr in politischen Anliegen als in den Fakten begründet. Ein Beispiel wäre die Feministin Matilda Joslyn Gage, welche die von Gottfried Christian Voigt propagierte Zahl von neun Millionen Toten nennt. Im Grund für den Irrtum steckt allerdings eine schmerzhafte Wahrheit!

Der in Quedlinburg lebende Gottfried Christian Voigt (1740–1791; siehe Wikipedia) hatte die Belege für Hexenprozesse und Hinrichtungen in Quedlinburg gesammelt. Er kam auf 30 Opfer.

Dann schlug er auf die Zahl nochmal 10 drauf, vermutlich davon ausgehend, dass ein paar Fälle nicht dokumentiert wurden. Soweit vertretbar. Dann aber rechnete er diese Zahl auf Gesamteuropa hoch – und so kam er wohl auf neun Millionen hingerichtete »Hexen«.

Der mutmaßliche Denkfehler an dieser Hochrechnung wird deutlich, wenn man die heutigen Schätzungen wissenschaftlich arbeitender Historiker betrachtet.

Insgesamt wurden in Europa etwa 35.000 Menschen als »Hexen« hingerichtet.

Aber: Etwa 25.000 bis 30.000 dieser »Hexen« starben im Heiligen Römischen Reich, sprich: im Herrschaftsgebiet der römisch-deutschen Kaiser, im erweiterten Sinn einem Vorläufer des heutigen Deutschland.

Nur halb im Scherz behauptet

Warum waren es deutsche Gebiete, in denen der überwiegende Teil der Hexenprozesse und Hinrichtungen stattfand? Hatte der Vatikan es etwa besonders in Deutschland angeordnet?

Ja, es gab kirchliche Stimmen, auch aus Rom, welche die gehäufte Existenz von Hexen in Deutschland feststellten und empfahlen, über das weitere Vorgehen vor Ort zu entscheiden. Zu keinem Zeitpunkt aber forderte ein Dogma die Verbrennung von Hexen. Anweisungen aus Rom empfahlen große Vorsicht und skeptisches Vorgehen. Die berühmte spanische Inquisition wirkte sogar als eine Bremse, indem sie etwa hohe Beweishürden aufstellte (zum Vergleich siehe Monty Python).

Amerikaner und andere Weltbürger, die in unseren Jahrzehnten auf Deutschland schauen, nehmen die Hexen-Manie in Deutschland als Anlass für die Frage, ob Deutsche besonders anfällig sind für kollektive Psychosen.

Es sind, so wird nur halb im Scherz behauptet, immer wieder kollektive Psychosen der Deutschen, die Deutschland kaputtmachen und Europa mit in den Abgrund ziehen.

Man könnte diskutieren, ob es ein Kreislauf oder ein Pendel ist: Deutscher Fleiß schafft Wohlstand und sichert Macht in Europa – nur um Europa wieder von deutschem Wahn kaputtmachen zu lassen.

Die zwei jüngsten Fälle von Zerstörung in europäischem Maßstab sind für viele Bürger verbunden mit den Namen »Angela Merkel« und »Ursula von der Leyen«. Davor fallen einem etwa »Martin Luther« und andere Namen ein.

Diesen Namen ist gemeinsam, dass sich immer wieder Millionen von Deutschen psychologisch manipulieren lassen, ihr Land, ihren Kontinent und das Werk früherer Generationen kaputtzumachen.

Und jedes einzelne Mal sind Millionen Deutsche von einem kollektiven Wahn erfasst, fühlen sich von einer irren »Moral« gezwungen, zu sagen, dass auch diese Zerstörung wieder »alternativlos« sei. (Es stört diese Deutschen dann nicht, dass die gesamte Welt es anders sieht. Siehe dazu auch meine Essays »Geisterfahrerin braucht Gas« aus dem Jahr 2021 und »Geisterfahrer will keinen Zaun« (2023).)

Ein weiteres Mal aufzuerstehen

Es ist ein kollektiver Wahn, zu glauben, dass CO2-Steuern und abgeschaltete deutsche Kernkraftwerke das Klima oder sonstwen »retten« werden. Es ist ein kollektiver Wahn, zu glauben, dass deutsche Steuerzahler allen Armen und Arbeitsunwilligen dieses Planeten kostenlose Wohnungen und ein Gratis-Einkommen finanzieren könnten. Und so weiter.

Man mag dieses Aufbau-Zerstörung-Pendel der Deutschen die »deutsche Krankheit« nennen. Doch was, wenn es keine »Krankheit« ist?

Was, wenn es unserem Wesen in irgendeiner Form »innewohnt«, unter Blut und Tränen aufzubauen, um dann wieder in kollektivem Wahn alles niederzureißen? Das nämlich ist meine Angst, dass es keine Krankheit ist. Dass es unser »natürlicher« und »gesunder« Zustand ist.

»Auferstanden aus Ruinen«, so sang man in der DDR, »und der Zukunft zugewandt.« – Was, wenn diese Zukunft zwingend wieder »Ruinen« enthalten muss? Was, wenn die deutsche Selbstzerstörung nicht eine »Krankheit« ist, nicht bloß eine einmalige Erkältung? Was wenn sie in unserer »kulturellen DNA« schlummert?

Der mythische Vogel Phönix (siehe Wikipedia)) ist dafür bekannt, nach seinem Verbrennen aus der eigenen Asche wiedergeboren zu werden.

Wenn wir uns an der Geschichte vom Phönix trösten wollen, sollten wir nicht vergessen, dass es ein Kreislauf ist. Der Vogel verbrennt, dann ersteht er neu aus seiner Asche, um bald wieder zu verbrennen.

»Na gut«, magst du jetzt denken, »für diese Generation sieht es nicht so gut aus. Aber für die nächste dann wieder! Oder hoffentlich spätestens die übernächste.«

Ja, ich möchte dir zustimmen. Hoffen wir nur, dass nach der aktuellen Selbstverbrennung nicht plötzlich eine ausländische Macht daherkommt, mit künstlicher Intelligenz bewaffet (oder mit menschlicher Intelligenz, die schlicht besser als die unsere ist) – und unsere Asche nonchalant in den Wind pustet, bevor wir Gelegenheit hatten, ein weiteres Mal aufzuerstehen.

E-Mail-Abo

Lassen Sie sich automatisch benachrichtigen, sobald ich hier etwas Neues veröffentliche! (Gratis, jederzeit abbestellbar.)

Der Essay Fürchten, dass es NICHT die »deutsche Krankheit« ist von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/deutscher-phoenix/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!