Dushan-Wegner

19.03.2023

Geisterfahrer will keinen Zaun

von Dushan Wegner, Lesezeit 4 Minuten, Wo geht's hier bitte lang?
Deutschland bleibt Europas Geisterfahrer, auch in der Migrationspolitik. Eine Frage ist, was die Regierung antreibt. Eine andere Frage ist: Was können die Passagiere im Geisterfahrer-Auto noch tun?
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Es war einmal ein Geisterfahrer. Sein Nachname war »Deutschland« und sein Vorname war »Bundesrepublik«.

Der Geisterfahrer lebte in einem Kontinent namens Europa, und in Europa gab es viele Autobahnen. Eine dieser Autobahnen wiederum hieß »Migrationspolitik«.

Die Migrationspolitik in Europa war verworren, und über die Jahre hatten die Fahrer darauf manchen Schlenker abgefahren. Die Strecke war lang und unübersichtlich, und viele Länder fuhren darauf.

Jedoch in diesem System von Autobahnen und Autofahrern gab es noch den eigensinnigen Geisterfahrer. Er fuhr in die falsche Richtung, entgegen dem Strom der anderen Länder.

Die anderen Länder winkten dem Geisterfahrer zu, er möge endlich umkehren. Doch er ignorierte alle gutgemeinten Zurufe – wie auch das Flehen seiner Passagiere.

Die anderen Länder verstärkten ihre Grenzen. Sie passten ihre Gesetze an. Der Geisterfahrer aber blieb stur und hielt drauf, lallte wie im Rausch von »Offenheit« und »Gerechtigkeit«.

Der Geisterfahrer verursachte Unfälle. Echte Tote, nicht nur metaphorische. Menschen leiden unter den Folgen. Doch der hält weiter drauf, unbeirrt von den Warnungen, unberührt von Trümmern entlang seiner Fahrtroute.

Wir machen uns locker

Europa hat ja eines jener Probleme, die man eigentlich »haben möchte« – so man mit den Konsequenzen nicht völlig bescheuert umgeht. Durch eine Tradition harter Arbeit haben die Länder Europas sich einen gewissen Wohlstand und ein soziales Netz erarbeitet. Die einen Länder mehr, die anderen nicht ganz so viel, aber doch viel mehr als andere Teile der Welt.

Darum möchten Menschen aus anderen Erdteilen nach Europa kommen. Vor allem möchten sie kommen, weil es sich herumgesprochen hat, dass jeder, der es irgendwie rüber nach Europa schafft, für immer umsonst wohnen und essen kann, ohne einen Tag im Leben zu arbeiten. Und es kommen viele. Sehr viele. Leider zu viele, als dass es für alle Beteiligten funktionieren könnte.

Und also zeichnet sich eine Kehrtwende ab. Man könnte auch sagen: Die Länder sind erschöpft und »können nicht mehr«.

bild.de, 18.3.2023 titelt: »EU-Länder starten Migrations-Wende: Hat Deutschland bald die lockerste Asylpolitik?«

Es wird auch berichtet, dass viele EU-Länder (und ein Ex-EU-Land) bald eine »härtere Gangart« einschlagen werden – nur Deutschland will sich in Sachen Migration auch weiterhin extra »locker« machen.

In Österreich überlegt man auf Vorschlag von Kanzler Karl Nehammer (ÖVP), einen Grenzzaun an der EU-Ostgrenze zu ziehen – nach dem Vorbild des trumpschen Grenzzauns zu Mexiko (bild.de, 8.2.2023).

In Großbritannien diskutiert man, illegale Einwanderer automatisch für bis zu 28 Tage zu inhaftieren, und wenn keine triftigen Asylgründe vorliegen, sie ebenso automatisch abzuschieben (aljazeera.com, 17.4.2023).

In Italien will die neue Regierungschefin Giorgia Meloni (siehe auch die Essays vom 26.9.2022 und vom 27.9.2022) ohnehin härter gegen Schleuser und deren Hintermänner vorgehen.

Großbritannien und Frankreich haben sich auf einen Hunderte Millionen Euro teuren Deal zur Bekämpfung von Migration über den Ärmelkanal geeinigt (dw.com, 10.3.2023).

Griechenland baut seit Jahren seine Befestigungen gegen illegale Einwanderung aus der Türkei aus (dw.com, 21.1.2023).

Auch eine viel zu späte Besinnung ist eine Besinnung. Ganz Europa kommt bei der Migrationspolitik zur Besinnung. Ganz Europa? Nein! Ein von unbeugsamen Realitätsleugnern regiertes Land hört nicht auf, Menschen aus aller Welt willkommen zu heißen.

Einzig Deutschland will Europas Grenzen offenhalten. Statt die Grenzen zu schließen, lehnte die deutsche Innenministerin Nancy Faeser nicht nur temporäre Grenzkontrollen ab, sondern will sogar die Einbürgerung erleichtern – quasi eine erneute und noch lautere Einladung an die Migrationswilligen der Welt.

Statt die Einwanderung zu limitieren, will die SPD die Einwanderer in Europa verteilen. Deutschland lädt die Welt zu sich nach Hause ein, und wenn es zu viel wird, hört man nicht mit dem Einladen auf, sondern schnorrt die Nachbarn um Unterkunft an. Nein, mit dieser Regierung braucht Deutschland fürwahr keine äußeren Feinde.

Heute ist nicht das erste Mal, dass uns bewusst wird (siehe etwa Essay vom 13.2.2021): Deutschland ist Europas Geisterfahrer – und die Deutschen sind die Passagiere.

Die anderen Länder auf dieser Autobahn wechseln die Richtung, doch Deutschland bleibt stur auf Kollisionskurs mit den anderen Ländern – und natürlich mit der Realität.

Ist es nur Sturheit?

Was motiviert einen absichtlichen Geisterfahrer? Nun, anders als bei tatsächlichen Geisterfahrern, tragen die Verantwortlichen dieser Geisterfahrerei nicht selbst und persönlich die Konsequenzen des nationalen Wahnsinns. Nicht nur Verschwörungstheoretiker könnten fragen wollen, ob die Zerstörungsarbeit an Deutschland anders »einträglich« ist. (Bei sogenannten Klima-Aktivisten wissen wir, dass sie teils aus dem Ausland finanziert werden.)

Ist es Sturheit, Fehleinschätzung oder vielleicht ein verzweifelter Versuch, eine vermeintlich gerechte Welt zu schaffen?

Was können die Passagiere im Geisterfahrer-Auto Deutschland tun, um die Fahrer umzustimmen?

Bis auf ein paar Verblendete wird kaum einer noch leugnen, dass es schlicht nicht möglich ist, den »deutschen Weg« weiterzufahren, ohne in den Leitplanken der Geschichte zu enden – oder ein paar anderen Ländern frontal reinzufahren.

Was könnten die »Passagiere« – sprich: das deutsche Volk – noch tun, um den Geisterfahrer am Steuer zur Vernunft zu bringen? Vielleicht hilft es ja, wenn wir lauter brüllen – womöglich sind die Leute am Steuer ja geistig eingeschlafen?

Lachen lässt sich auch nicht wirklich über die Sache, oder? Nun, sollten wir doch lachen wollen, könnten wir ja jenen alten Witz neu nacherzählen: Ich möchte dereinst friedlich im Schlaf sterben, wie mein Großvater – nicht panisch kreischend wie seine Mitfahrer.

Weiterschreiben, Wegner!

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