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Es ist schon erstaunlich, wie aggressiv manche Leute werden, wenn man sich heute öffentlich zum Christentum bekennt. Sei es etwa durch ein öffentliches Kreuzzeichen. Ihr wisst schon: Im Namen des …

Ein Fußballspieler schießt ein Tor, und wenn er Süd-Europäer oder Süd-Amerikaner ist, dann kann es vorkommen, dass er das Kreuzzeichen macht und ein Dankeschön gen Himmel schickt.

Warum eigentlich?

Was bedeutet es?

Sicher, wir werden es wohl hinbekommen, auch ohne tägliche Übung, die begleitenden Worte aufzusagen: »In nómine Patris, et Fílii, et Spíritus Sancti.«

Wir sprechen es in der Messe, am Anfang, in der Praeparatio: »In nómine Patris, et Fílii, et Spíritus Sancti. Amen.«

Das bedeutet übersetzt: »Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.«

Wir merken natürlich den Singular im Taufbefehl. Im Namen, nicht in den Namen. Ein Name, drei Personen. Das Stichwort ist natürlich Dreieinigkeit – ein Riesenthema, das ich hier heute nur streife. Ich rede über die Einordnung davor.

Eine Formel als Zuhause

Was bedeutet »im Namen« eigentlich?

Kein Zweifel, es klingt irgendwie schön, das zu sagen. Wir haben es so häufig gehört, dass es sich vertraut anfühlt. Eine Formel als Zuhause. Warum aber sagen wir nicht zum Beispiel »in Gegenwart von« oder »Wir preisen«?

»Im Namen« ist (hier) zunächst eine Frage der Zugehörigkeit und Autorität, und Apostelgeschichte 4:7 lässt uns die (damalige) Bedeutung spüren.

Im Kapitel zuvor hatten die Apostel Petrus und Johannes einen Lahmen geheilt, dazu die Vergebung der Sünden und die Botschaft Jesu Christi gepredigt.

Am nächsten Tag werden sie von den jüdischen Verantwortlichen gefragt: »Durch welche Kraft oder in welchem Namen habt ihr das getan?«

Es ist eine Frage nach Vollmacht, und sie antworten:

In der Kraft des Namens Jesu Christi von Nazareth, den ihr gekreuzigt habt, den Gott aber von den Toten auferweckt hat – ja, durch dessen Namen steht der Mann hier gesund vor euch.

Apostelgeschichte 4:10

Die Machthaber begreifen die Kraft dieses Namens, und damit »die Kunde davon sich nicht noch weiter unter dem Volk verbreitet« wollten sie ihnen »ernstlich gebieten, in Zukunft zu keinem Menschen mehr unter Nennung dieses Namens zu reden.« (Apostelgeschichte 4:17)

Nicht die Apostel waren von den Mächtigen gefürchtet, sondern der, in dessen Namen sie handelten.

Gehorchen, aber aus Liebe

Der Christ, ob Erwachsener oder Kind, wird auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft. Selber Name, aber andere Funktion: auf.

Im Namen bedeutet Vollmacht und Auftrag, immer wieder neu, doch auf den Namen bedeutet Adoption – getauft, um Kind und Sohn zu sein.

Paulus ist hier eindeutig, fast schroff:

Weil ihr jetzt aber Söhne seid, hat Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen gesandt, der da ruft: ›Abba, (lieber) Vater!‹ Mithin bist du kein Knecht mehr, sondern ein Sohn; bist du aber ein Sohn, so bist du auch ein Erbe durch Gott.

Galater 4:6-7

Wir handeln und leben im Namen, also mit der Autorität der Dreifaltigkeit. Doch »nur« mit Autorität zu handeln, das kann auch der Knecht oder Sklave. Knecht und Sklave gehorchen, weil sie gehorchen müssen – und bleiben Fremde im Haus ihres Dienstherrn.

Auch der Sohn gehorcht, so er ein anständiger Sohn ist und die Anordnungen des Vaters angemessen sind, doch er gehorcht aus Liebe und Zugehörigkeit – und der Vater vererbt ihm das Haus, aus denselben Gründen.

Im Namen bedeutet Auftrag und auf den Namen bedeutet Kindschaft statt Knechtschaft, im Geist von Römer 8:15: »Ihr habt ja nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, um euch aufs neue der Furcht hinzugeben, sondern den Geist der Kindschaft habt ihr empfangen, in welchem wir rufen: ›Abba, Vater!‹«

Nicht von der Formel allein

Der Fußballspieler im Moment der Freude – der Alltagsmensch, der plötzlich hilflos einer Gefahr gegenübersteht – der andere, der den Dank für das Abendessen sagt – ein jeder von ihnen macht mit dem Kreuzzeichen keine Unterwerfungsgeste. Er bestätigt eine Zugehörigkeit, die älter ist als sein eigenes Verstehen: Ich gehöre in dieses Haus, ob ich es gerade begreife oder nicht.

Mancher Mensch hat den Verdacht, dass das Kreuzzeichen »auch dann wirkt, wenn man nicht dran glaubt« – aber eigentlich kann das nicht der Fall sein!

Theologisch betrachtet ist das Kreuzzeichen samt seinen Worten nämlich ein Sakramentale (wie etwa das Tischgebet oder ein Segen), kein Sakrament (wie etwa Taufe oder letzte Ölung). Die Wirkung des Kreuzzeichens hängt ab von der Disposition dessen, der es vollzieht, nicht von der Formel allein.

Und doch scheint es bisweilen auch dann zu funktionieren, »wenn man nicht dran glaubt«! Warum?

Nun, es könnte daran liegen, dass die Leute in ihrer Seele um die Wirksamkeit wissen und sie sogar spüren, es aber – aus diesen oder jenen Gründen – nicht zugestehen wollen.

Linke Schulter zur rechten Schulter

Wir können es ja mal ausprobieren, ob heimlich oder öffentlich. Es soll gut tun und schaden wird es gewiss nicht.

Zunächst: Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger der rechten Hand zur Spitze vereinen (für Dreieinigkeit), Ringfinger und kleiner Finger in die Handfläche gefaltet (für zwei Naturen Jesu).

Und dann: In nomine Patris (Stirn berühren), et Filii (Brustknochen), et Spiritus Sancti (linke Schulter zur rechten Schulter).

Und zuletzt (Hände gefaltet oder im spanischen Raum schon mal Daumen und Zeigefinger zum Kreuz geformt und geküsst): Amen.

Der Essay Durch welche Kraft oder in welchem Namen von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/in-nomine/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!