Irre ist das neue Normal

Warum ist es jetzt okay?
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Du kannst leugnen, was geschieht, oder hinschauen und daran zerbrechen. Oder du nutzt den einen Rahmen, in dem du das Grauen anerkennen und trotzdem Schönheit in der Welt sehen kannst.

Ich habe diesen Satz heute im Internet gelesen: »Die Realität ist schlimmer, als sich irgendwer vorstellen kann.«

Ich unterschreibe weiterhin auch unseren Spruch: »Am Ende gewinnt immer die Realität.«

Ich zähle eins und eins zusammen.

Hmm.

Dieser Satz über die Realität, die in Wahrheit schlimmer ist, als sich irgendwer vorstellen kann – er stand unter einem Video aus einer jener Gegenden, die man früher »Dritte Welt« nannte.

Das Video führte praktisch vor, wie unvereinbar zweierlei sein kann: westliche Technologie, die aus westlichen Werten hervorgeht und westliche Werte voraussetzt – und Kulturen, denen all das fehlte, die aber doch beides nutzen wollten.

Und ich stimme zu: Die Realität ist vermutlich tatsächlich schlimmer, als sich irgendwer vorstellen kann.

Die reale Realität zu beschreiben, das liegt aber vielleicht gar nicht mehr am »Rand des Sagbaren«. Es liegt weit dahinter. Und wenn du es versuchst, grübeln die Behörden, ob sie dich ins Gefängnis stecken sollen oder ins Irrenhaus. Ach, ich vergaß fast: Ins Irrenhaus steckt man heute niemanden mehr. Irre ist das neue Normal.

Du fragst dich vielleicht in letzter Zeit, warum sie dich Dinge sagen lassen, die vor Kurzem noch unsagbar waren? Möglicherweise, weil die Realität längst weit darüber hinaus ist.

Ich sehe zwei Wege, mit dem umzugehen, was ist – und was kommt. Plus einen.

Der eine Weg ist der, den die Mehrheit geht, die »linke« wie auch die »rechte« Seite, sprich: die »kontrollierte Opposition«: Leugnen, was wirklich passiert.

Der zweite Weg ist: Seinen Geist und das innere Overton-Fenster öffnen für das, was wirklich passiert. Und dann umgebracht, eingesperrt oder wirtschaftlich vernichtet werden … oder durchdrehen. Das sind wohl jene, die nach Nietzsche lange genug in den Abgrund geblickt haben, bis der Abgrund zurückblickte. Von jeder Kategorie habe ich Beispiele erlebt. Es ist traurig.

Doch es gibt noch einen Weg, eine dritte Möglichkeit: Finde ein Framework, mit dem du die Realität in all ihren blutigen Details ertragen kannst und trotzdem Schönheit in der Welt siehst. (Und nicht verrückt wirst.)

Dieses »Framework« ist natürlich: Religion. Und zwar die eine Religion, die null Skrupel hat, Tod und Grauen ins Auge zu blicken, dann aber eben doch eine Botschaft von Hoffnung und Liebe gegen das Grauen setzt.

Mit den Worten Jesu:

Dies habe ich zu euch geredet, damit ihr in mir Frieden habet. In der Welt habt ihr Bedrängnis; doch seid getrost: ich habe die Welt überwunden!

Johannes 16:33

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Der Essay Irre ist das neue Normal von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/irre-ist-das-neue-normal/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!