Drei simple Fragen: 1. Ist Deutschland ein freies Land? 2. Fühlst du dich frei? 3. Falls du bei 1. oder 2. mit Nein geantwortet hast: Hast du (noch) Kraft und Möglichkeit, ja, spürst du überhaupt Wunsch und Hoffnung, (wieder) frei zu sein?

In Sonntagsreden sagen etablierte Politiker gern, Deutschland sei freiheitlich und demokratisch und natürlich rechtsstaatlich.

Zu sagen, dass es in Deutschland rechtsstaatlich zugeht, setzt allerdings eine »Rechtsstaatlichkeit« voraus, nach welcher Bürger regelmäßig ohne Anklage und Verfahren bestraft werden (etwa durch gezielt einschüchternde Hausdurchsuchungen) oder dass politisch missliebige Personen lange Zeit ohne triftigen Grund in U-Haft gehalten werden.

Und zu sagen, dass es demokratisch zugeht, setzt den neuen Begriff »Unsere Demokratie« voraus, zu der Benachteiligung und Ausschluss der Opposition kein Widerspruch, sondern explizit wünschenswert sind.

Nun, rechtsstaatlich und demokratisch in ihrer traditionellen Bedeutung sind aktuell nicht unbedingt zu erkennen. Wie verhält es sich aber mit freiheitlich?

Ein freiheitlicher Staat verteidigt, so haben wir es gelernt, die bürgerlichen Freiheitsrechte.

Ein freiheitlicher Staat verteidigt die Meinungsfreiheit, die Religionsfreiheit, die Versammlungsfreiheit und so weiter.

Hui, da wird es wieder haarig.

  • Der deutsche Staat tritt offen und aggressiv als Gegner der Meinungsfreiheit auf.
  • Volle Religionsfreiheit gilt de facto nur für Muslime. Ich könnte aus anderen Religionen markante Glaubenspunkte zitieren, deren öffentliches Bekenntnis dem Gläubigen sehr konkreten Ärger einbringen wird.
  • Staatlich finanzierte NGOs und der Staatsfunk agitieren aggressiv gegen politisch missliebige Versammlungen. Der Opposition und regierungskritischen Gruppen wird regelmäßig die Anmietung öffentlicher Räume verwehrt. Vom Staat finanzierte NGOs gehen – zum Teil mit körperlicher Gewalt – gegen oppositionelle Versammlungen vor.
  • Politiker und staatsnahe NGOs bedrängen kritische Presse (bz-berlin.de, 10.10.2025). Weisungsgebundene Staatsanwälte ermitteln schon mal aufgrund (nicht nur) meiner Einschätzung nach hanebüchener Vorwürfe gegen kritische Journalisten (newsroom.de, 28.10.2025).

Der widerlegenden Beispiele soll es für jetzt genug sein – wir fangen hier lieber gar nicht erst von der Corona-Panik-Zeit an. Ich dokumentiere und kommentiere es ja seit bald einem Jahrzehnt.

Wieder einmal ist nicht die Frage, ob Deutschland ein freies Land ist, sondern ob und inwieweit du ein freier Mensch bist.

Im Grundlagentext »Was meinen Sie, wenn Sie ›Freiheit‹ sagen?« erkläre ich:

Ich fühle mich »frei«, wenn ich zwischen mehreren (potenziell) befriedigenden Möglichkeiten wählen kann.
Essay vom 1.11.2017

Meine These: Freiheit ist Zufriedenheit mit den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten.

Wenn du mit den Möglichkeiten, die dir zur Verfügung stehen – oder die du in diesem Moment siehst! –, nicht zufrieden bist, fühlst du dich nicht frei.

Ebenso wie Gut und Böse (siehe Relevante Strukturen) ist auch Freiheit die abstrakte Generalisierung eines mithilfe von Emotionen gedeuteten Zustands.

Bist du frei?

Fühlst du dich frei?

Du könntest in dich gehen und abwägen, ob dich dein Freiheitsgefühl wirklich klug berät. (Wenn du dich unfrei fühlst, bis du etwa die Möglichkeit hast, Heroin zu nehmen, solltest du dein »Freiheitsgefühl« dringend überprüfen und neu justieren, idealerweise mit professioneller Hilfe.)

Wenn du aber die Möglichkeiten, nach denen dein Freiheitsgefühl verlangt, gründlich geprüft hast, wenn du deinen Begriff von Freiheit vor den Weisen und Gelehrten der Geschichte rechtfertigen kannst, dann bleibt die Wahl: Unfreiheit akzeptieren oder Möglichkeiten ändern.

Wenn der Arzt sagt: »Machen Sie sich mal frei«, meint er damit, man solle seine Kleidung ablegen, sich entblößen, sich nackt machen.

Die andere, die direkte und wörtliche Bedeutung von »mach dich frei« hat aber wohl ebenfalls mit dem Ablegen von Kostümen und Illusionen zu tun – mit gedanklicher und seelischer Nacktheit.

Lege Illusionen ab: Illusionen zum wahren Zustand des Landes und zu unserer realistischen Zukunft. Lege die von Propaganda und Marketing eingeredeten Lügen ab, lege die Illusionen ab bezüglich der Frage, welche Möglichkeiten dich wirklich zufriedenstellen werden.

Ändere deine Zufriedenheit und mentale Verdrehtheit. Oder ändere deine Möglichkeiten und Umstände. Tue das eine oder das andere, nur bitte – bitte! – finde dich nicht damit ab, unfrei zu sein.

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Der Essay Mach dich frei! von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/mach-dich-frei/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!