Eine Zeit lang, einige Jahrzehnte lang, erlaubte man den Leuten, etwas Freiheit zu spielen. Das bekam den Leuten nicht gut.
Es ist 2026, und das EU-Regime kündigt mal eben den totalen Info-Lockdown an (@vonderleyen, 13.7.2026). Derselbe Kontinent, der seine eigenen Kinder zu Hunderttausenden noch vor der Geburt töten lässt (destatis.de, Stand 14.7.2026) und die dennoch geborenen Kinder bewusst und ungeschützt der Gewalt aussetzt (rbb24.de, 16.1.2026), derselbe Staat will nun plötzlich die Kinder »schützen«, und zwar vor den »Sozialen Medien«.
Es ist natürlich Bullshit auf dem geistig-moralischen Niveau eines Tagesschau-Ernstnehmers oder CDU-Wählers. Es ist totale Überwachung mit dem einen Ziel, abweichende Meinungen auf der Wegstrecke zwischen Gedanke und Internet zu stoppen.
Im Ideal der Totalitären würden ja Gedanken bereits im Kopf des braven Bürgers von der inneren Schere gestoppt. Der dressierte Bürger soll seine abweichende Meinung schon im eigenen Kopf selbst zensieren, wie es 2018 der damalige Justizminister formulierte, »bevor er bei Facebook in die Tasten haut«. (siehe Essay »Ironie 2018: Maas-Ministerium warnt vor Verfolgung kritischer Meinung in der Türkei«)
Demokratieschild gegen Desinformation
Der totale Info-Lockdown auf EU-Ebene wird in Deutschland – anders war es kaum zu erwarten – von den Grünen praktisch begleitet. In inzwischen offener Übernahme und Weiterentwicklung der SED-Lingo will man ein »Demokratieschild gegen Desinformation« einrichten (siehe bundestag.de und alexander-wallasch.de).
Bislang genügte dem altneuen Totalitarismus ja die Androhung einer Straf-Hausdurchsuchung (ohne Anklage, Verfahren und Verteidigung), um ausreichend viele Bürger vom Falschdenk abzuhalten (siehe dazu »Warum lachten die Staatsanwälte?«).
Spätestens aber mit dem realen Szenario, dass eine demokratische Oppositions-Partei die totalitären Strukturen »Unserer Demokratie« durch Übernahme von Regierungsverantwortung auf Landesebene aufbricht, wird den Bösen bewusst, dass zu viele Menschen sich nicht einmal von Hausdurchsuchungen abschrecken lassen. (Zu Sachsen-Anhalt und AfD allerdings siehe »Sachsen-Anhalt wird die letzte Entblößung sein«.)
Was ist aber die Meinung, die man so sehr fürchtet? Es ist die verbotene Meinung, dass die christlich-weiße Kultur, welche die moderne Zivilisation erfand, zu überleben verdient.
Vorreiter in die Lethokratie
2019 schrieb ich einen Text, der ist wohl der bislang falscheste meiner Texte auf der nach oben offenen Wegner-Skala. Er behandelt den Austritt Großbritanniens aus der EU und trägt den naiven Titel: »Großbritannien wählt Freiheit«.
Tatsächlich geht Großbritannien lediglich der EU voraus in die Lethokratie.
Eine Lethokratie nenne ich die neue, typisch europäische Staatsform, in der die Zerstörung der eigenen Wirtschaft und Gesellschaft mit repressiven Methoden vorangetrieben wird. (Für nähere Erklärung siehe den Essay »Lethokratie: Wenn der Staat gen Tod regiert«.)
Die letzte Stufe der Lethokratie ist natürlich die Auflösung, wie der Körper des Menschen sich zuletzt »auflöst«, und dann bleiben lediglich ein paar »Knochen« übrig, und vielleicht ein paar Erinnerungen, als Inspiration in anderen, vorläufig nicht-toten Kulturen. Hat eine Nation eigentlich eine unsterbliche Seele, wie der Mensch?
Wir finden uns heute in der wenig erbaulichen Situation wieder, dass sich bald täglich unsere einst »verrückten« und »verschwörungstheoretischen« Voraussagen erfüllen – und wir dennoch hilflos zusehen.
Die Lethokratie ist lediglich die vorletzte Konsequenz der politischen Korrektheit, also der Leugnung von Widersprüchen zur Aufrechterhaltung von Harmonie-Illusionen. Doch auch das sahen wir voraus, ebenso richtig wie hilflos, damals, als theoretisch noch etwas zu ändern gewesen wäre, aber nicht praktisch; siehe »Politische Korrektheit, ein Todeskult« von 2019.
Freiheit zu spielen
Ja, man erlaubte uns, etwas Freiheit zu spielen. Jetzt will man Ernst machen. Unser Traum vom normalen Leben mag so fern sein wie nie; deren Traum von totaler Kontrolle ist für sie in Griffweite. Endspurt auf der Zielgeraden. Zu viele Schafe wurden auf dem Weg zur Schlachtbank zuletzt zu nervös und steckten andere Schafe an. Also will man ihnen das Blöken verbieten – natürlich zum Schutz der Kinder (die als nächstes dran sind).
Ich verstehe Freiheit bekanntlich als jene Lage, in welcher der Mensch aus gutem Grund mit seinen Handlungsmöglichkeiten zufrieden ist. (Ich schrieb oft genug über Freiheit, extra definitorisch aber 2017 im Essay »Was meinen Sie, wenn Sie ›Freiheit‹ sagen?«.)
Machen wir uns nichts vor: In irdischen Angelegenheiten sind wir nicht frei. Wir durften eine Zeit lang »frei« spielen, doch gewisse äußere Kreise fühlten sich von unserer Freiheit in ihrer »Freiheit« eingeschränkt.
Ein Volk in Ketten, wie auch ein Mensch in Ketten, kann am Gemüt gebrochen werden. Doch bisweilen war es die gebückte Grundhaltung, die erst das Anlegen der Ketten überhaupt möglich machte.
Die letzte Hoffnung der Völker Europas liegt darin, dass ihre Seele eben doch unsterblich ist – und dass sie dereinst eines neuen Lebens für würdig befunden werden.
Weiterschreiben, Wegner!
Das Schreiben dieser Essays ist nur mit Ihrer Unterstützung möglich. Werden und bleiben Sie Teil meiner Arbeit!
Bitte wählen Sie Ihren freiwilligen Leserbeitrag:
E-Mail-Abo
Sobald es ein neues Posting gibt, bekommen Sie eine kurze E-Mail — höchstens einmal pro Tag. (Gratis, jederzeit abbestellbar.)
Der Essay Man ließ uns spielen von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/man-liess-uns-spielen/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!
