- English
- German
Ein Kellner bringt dir noch einen Kaffee für unterwegs. Ein Sklave bringt dir noch einen, bevor du gehst. Wo ist der Unterschied?
Nun, der Kellner hat die Wahl, ob er dir den Kaffee bringt. Der Sklave hat diese Wahl nicht. Auch bekommt der Kellner ein Trinkgeld von dir, der Sklave nicht. Dafür bekommt der Sklave sein Bett von seinem Herrn gestellt, der Kellner muss selbst sehen, wo er bleibt … doch er ist natürlich frei!
Der Heilige Paulus schreibt über Freiheit:
Zur Freiheit hat Christus uns frei gemacht. Stehet also fest und laßt euch nicht wieder in das Joch der Knechtschaft spannen!
Alles Sklavische ist also schlecht, ja? Hurra, wir sind frei! Können des Lebens Möglichkeiten trinken, wie uns gerade dürstet! Frei sein und frei nach Brecht dem Gesetz der menschlichen Glückseligkeit folgen: »Du darfst! (Alles, außer kein Geld haben.)«
Oder?!
Nicht so schnell, Bruder in Freiheit, Schwester in Freiheit. Ein paar Verse später lesen wir vom selben Apostel:
Ihr seid ja doch zur Freiheit berufen, liebe Brüder; nur mißbraucht die Freiheit nicht als einen willkommenen Anlaß für das Fleisch, sondern dienet einander durch die Liebe!
Das Wort, das der heilige Paulus hier für »dienen« setzt (δουλεύετε), heißt »als Sklave dienen«. Es ist dasselbe Wort wie das »Joch«, dem du gerade entflohen bist.
Ihr flieht die Knechtschaft der Sünde. Ihr folgt Jesus und dient deshalb einander. Es ist nicht optional, und es ist kein Trinkgeld zu erwarten. Großzügigkeit ist kein Geschäftsverhältnis, wie zuletzt im Kommentarbereich zu meinem englischen Video deutlich wurde.
Im Essay »Irgendwem musst du dienen, mein Sohn« beschrieb ich die vielen »Angebote«, die uns vereinnahmen wollen. Social-Media-Konzerne, die uns digitale Gemeinschaft anbieten. Lifestyle-Konzerne, die uns Sinnfindung anbieten, mit Preisschild, recycelt und recycelbar.
Wer meint, niemandem zu dienen, lügt sich lediglich in die Tasche darüber, dass und wem er dient. Und die Auswahl ist nicht wirklich sehr groß.
»Es mag der Teufel sein, es mag der Herr sein«, so singt Bob Dylan, »aber irgendwem wirst du dienen müssen.«
Weiterschreiben, Wegner!
Das Schreiben dieser Essays ist nur mit Ihrer Unterstützung möglich. Werden und bleiben Sie Teil meiner Arbeit!
Bitte wählen Sie Ihren freiwilligen Leserbeitrag:
Latin Prayer: meine App zum Beten auf Latein
Der Rosenkranz, die heilige Messe, die Vulgata und die Gebete der Kirche – Latein und Deutsch Zeile für Zeile nebeneinander, vieles davon mit Audio, damit Sie hören, wie es klingt. Kostenlos, ohne Werbung, für iPhone und Android.
E-Mail-Abo
Sobald es ein neues Posting gibt, bekommen Sie eine kurze E-Mail — höchstens einmal pro Tag. (Gratis, jederzeit abbestellbar.)
Email Notification
When there’s a new post, you’ll get a short email — at most once a day. Free, and you can unsubscribe anytime.
Der Essay Nur mißbraucht die Freiheit nicht von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/nur-missbraucht-die-freiheit-nicht/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!

