Wir lesen aktuell von dem Fall des »christ«-demokratischen Politikers Jens Spahn, der nach deutschem Recht als mit einem Mann verheiratet eingetragen ist. Zusammen haben sie sich nun in den USA via »Leihmutterschaft« ein Kind organisiert (siehe etwa sciencefiles.org, 16.7.2026).
Millionen Bürger fühlen sich sehr unwohl bei dem Gedanken, dass zwei Schwule sich ein Kind »besorgen«. Und Bürger versuchen, ihr Unwohlsein in Worte zu kleiden wie »unnatürlich« oder »Kind gekauft«.
Der Kölner Anwalt Ralf Höcker hat bei alexander-wallasch.de eine Liste von Gegen-Gegen-Argumenten geliefert. Ich empfehle die Lektüre!
Wie schwach die moralische Position der Befürworter dieser Praxis ist, erkennt man etwa an denkbar schwachen Argumenten wie etwa diesem: »Leihmutterschaft ist unnatürlich« ist laut Höcker kein Gegenargument, denn, so der Jurist: »Viele andere Formen der Reproduktionsmedizin – und nicht nur der Reproduktionsmedizin – wären nach diesem Maßstab ebenfalls abzulehnen.«
Der argumentative Fehler (um nicht »Trick« zu sagen) besteht darin, dass Reproduktionsmedizin bei heterosexuellen Paaren einen natürlichen Zustand wiederherstellen will (ob es natürlich ist, mit 40+ noch Kinder zu bekommen, ist eine andere Frage), während es definitiv nicht natürlich ist, dass schwule Paare sich ein Kind im Ausland austragen lassen. Lasst es mich so sagen: Höcker ist ein intelligenter Mann und würde seinen Gegnern solche Argumente gewiss nicht durchgehen lassen.
Ja, wo ist sie denn, die Demut?
Ich werde auch nicht weiter darauf eingehen, dass die CDU auf ihrem Bundesparteitag im Februar 2026 in Stuttgart das Verbot der Leihmutterschaft ausdrücklich bekräftigt hat – »auch in altruistischen Modellen«, um »Missbrauch, Ausbeutung und gesundheitliche Risiken zu verhindern« (euronews.com, 16.7.2026).
Kurz zuvor, im November 2025, sagte Spahn bei ntv, sein Kinderwunsch habe sich bislang nicht erfüllt (so stuttgarter-zeitung.de, 16.7.2026). Anfang Juli 2026 war Georg da. Rechnen Sie selbst.
Dass sich ein schwuler CDU-Promi wie selbstverständlich über die eigene Beschlusslage hinwegsetzt: Das ist eben »Unsere Demokratie«.
Interessanter aber ist, was Spahn selbst im Magazin GQ einmal schrieb, damals gesundheitspolitischer Sprecher seiner Fraktion: »Als schwuler Mann und Christ kann ich mich persönlich nur sehr schwer mit der Idee eines gemieteten Mutterbauchs anfreunden.« Und weiter: »Zu akzeptieren, dass ich nicht auf natürlichem Weg Vater werde, erfordert ein großes Maß an Demut.« (zdfheute.de, 16.7.2026)
Deutsche Politiker und Demut? Eher wird der Teufel seinen Durst mit Weihwasser löschen.
Georgs Lebensweg begleiten
All das reiße ich nur an, hake es als zur Kenntnis genommen ab. Denn mir ist ein besonderes Detail aufgefallen, das Spahn widerlegt und alle bestätigt, die ihr Unwohlsein nicht politisch korrekt unterdrücken können.
Im BILD-Jubel-Artikel (bild.de, 15.07.2026) lesen wir über die gebärende »Leihmutter«: »Sie gehört nun quasi zur Familie und wird Georgs Lebensweg begleiten.«
Moment, was heißt es, dass die austragende Mutter »quasi zur Familie gehört«?
In welcher Rolle »gehört sie zur Familie«?
Nein, sie gehört nicht zum Lebensentwurf des schwulen Promipaares, das sich ein Kind im Ausland gebären lässt – weil dies in Deutschland verboten ist und die eigene Partei dieses Verbot erst vor wenigen Monaten bekräftigt hat.
Entweder wurde die Leihmutter von den beiden für eine Dienstleistung bezahlt und gehört damit so wenig »zur Familie« wie die Putzfrau oder der Fliesenleger.
Oder es existiert ein tatsächlicher Bund, der durch das Austragen des Kindes entstand, dann aber zuerst zum Kind. (Dann vielleicht zum leiblichen Vater, der laut Berichten Daniel Funke sein soll. Und zur »Spenderin« der Eizelle, die nochmal jemand anders ist.)
In der verquasten Formulierung, die Leihmutter gehöre »quasi zur Familie«, haben die Promi-Schwulen ungewollt durchscheinen lassen, dass sie selbst fühlen, wie falsch ihr Tun ist.
Schlafmangel unwahrscheinlich
Immerhin gewähren sie der Leihmutter die Gnade, »Georgs Lebensweg begleiten« zu dürfen. Nein, sie wird nicht ihr Kind aufziehen, wie eine Mutter eben ihr Kind aufziehen soll, Tag und Nacht, bis es gehen kann, und dann noch eine Zeit lang weiter.
Ach, seien wir realistisch: Es steht zu vermuten, dass die beiden Väter sich wie so viele reiche Leute eine Nanny (oder mehrere) anmieten werden. Sicher, Papa wird gelegentlich da sein und mit dem Kind »Maskendeal« oder »Villa kaufen« spielen oder was weiß ich; doch reiche Leute verbringen selten die ersten Jahre ihres Kindes in dauerndem Schlafmangel oder gar blanker Existenzangst.
All das sei gesagt und notiert. Es sei wohl auch festgestellt, dass alle Pro-Leihmutterschaft-Argumentierer zuerst mit ihrer eigenen Wunscherfüllung argumentieren.
Und doch fiel mir in diesem selbstbewussten Affront gegen die Werte der CDU (ja, ein Oxymoron: CDU und Werte) die hilflose Konstruktion auf, mit der man die Leihmutter einbindet. Damit haben die beiden Promis de facto zugegeben, wie falsch ihr Konstrukt ist – und was zu tun richtig wäre.
Wo klare Kante notwendig wäre
Wenn eine Ehe zerbrochen wurde, schreiben Gerichte – weltweit – oft wie selbstverständlich das (meiste) Sorgerecht der Mutter zu. In zu vielen Einzelfällen kann das ein Fehler sein, ich weiß, doch im Prinzip ist der Grund durchaus einleuchtend!
Gerade in den ersten Lebensjahren braucht das Kind seine Mutter, und kein Vater kann diese besondere Beziehung ersetzen.
Die Gründe für die Notwendigkeit einer Mutter überschneiden sich mit den Gründen, warum ein »weiblich« regiertes und gerichtetes Land absehbar von »männlich« geführten Nationen und Systemen verdrängt wird. Frauen gewähren Gnade, wo Männer eher Härte zeigen. Frauen suchen nach Ausgleich, wo klare Kante notwendig wäre. Frauen sind um des lieben Friedens Willen ungerecht, wo Männer konsequent auf Prinzipien bestehen. (Siehe dazu die Essays »Wenn weiße Frauen alles opfern«, »Wenn Frauen ein Land beherrschen«, »Weiße Frauen 2«.)
All diese genuin weiblichen, von der Natur ins weibliche Gehirn »einprogrammierten« Eigenschaften sind derart wichtig für das Kindeswohl, dass das Gehirn des Kindes darauf »programmiert« ist, nach einer weiblichen Mutter zu verlangen.
Später, spätestens ab der frühen Pubertät, verschiebt sich die Gewichtung etwas. Väter, die auch Männer sind (immer seltener in einer feminisierten Gesellschaft), bringen Kindern wichtige Eigenschaften wie Durchsetzungsvermögen, Frustrationstoleranz und Selbstdisziplin bei. Vaterlose Kinder haben es später deutlich schwerer, das »echte Leben« zu bewältigen (vergleiche annualreviews.org, 2013). Für das Grundvertrauen in die Menschheit und das eigene Schicksal aber ist in den ersten Lebensjahren die Anwesenheit der Mutter notwendig. (Dies erklärt die Tendenz zum autoritären Linkssein in Patchwork-Familien-Gesellschaften: Man lernte nie Eigenverantwortung und Freude an der eigenen Leistung, man lernte nur Vertrauen ins System.)
Gegen die höhere Ordnung
Die kollektive Empörung zusammen mit all dem Unterdrückten in einer zunehmend anti-christlichen Gesellschaft mit einer gottlosen CDU an der Macht – all das hat seine Berechtigung. Doch gerade in ihrer Rechtfertigung verraten die Handelnden, dass sie wissen, dass und wie sie gegen höhere Ordnung handeln.
Ich weiß nicht, ob man in der »CDU« schon davon gehört hat, aber die Bibel ist recht eindeutig:
Da schuf Gott den Menschen nach seinem Bilde: nach dem Bilde Gottes schuf er ihn; als Mann und Weib schuf er sie.
– Genesis 1:27
Ein Kind braucht Vater und Mutter, so ist es von Gott selbst vorgesehen. Mit wem legen sich also jene an, die sich ihre eigenen Vier-Personen-Konzepte basteln?
Und hinsichtlich der Leihmutterschaft ist der Vatikan nicht weniger eindeutig. Die Glaubenskongregation hielt schon 1987 fest, Leihmutterschaft verletze das Recht des Kindes, »von den eigenen Eltern empfangen, ausgetragen, zur Welt gebracht und erzogen zu werden« (Donum vitae, II.A.3). Empfangen, ausgetragen, geboren, erzogen: vier Handlungen, die von den eigenen zwei Eltern durchgeführt werden sollen, nicht verteilt auf Eizellspenderin, Leihmutter und zwei wohlhabende Lebensdesigner.
2024 wurde das Dikasterium für die Glaubenslehre noch deutlicher und zitierte Papst Franziskus:
Ein Kind ist immer ein Geschenk und niemals ein Vertragsgegenstand.
– Dignitas infinita, Nr. 48
All das kümmert die »Christ«-Demokraten wenig.
Und wir wissen spätestens seit dem Coronatheater – also der Zeit mit den Maskendeals –, wie viel oder wenig man in Berlin vom Grundgesetz hält. Also wird es für diese Gestalten womöglich ebenso überraschend wie egal sein, wenn es dort heißt:
Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft.
– Grundgesetz Art. 6, Abs. 4
Ich weiß nicht, ob »quasi zur Familie« zu gehören und den Lebensweg ihres Kindes »begleiten« zu dürfen unter »Schutz und Fürsorge der Gemeinschaft« fällt.
Ich weiß aber, dass Deutschland in geradezu abenteuerlicher Schieflage über dem Abgrund schwankt – und dass Teile von Deutschland moralisch längst abgestürzt sind.
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Der Essay Die Mutter, quasi Teil der Familie von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/quasi-teil-der-familie/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!
