Ein Kommissar wurde zur Kommissarin, und zufällig steht dadurch evtl. ein Karrieresprung bevor. Die Behörde aber vermutet Betrug. – Es ist schlimm, wenn nicht nur Quotenfrauen, sondern auch Transquotenfrauen solchen toxischen Vorurteilen ausgesetzt sind.

»Die Realität folgt der Kunst!«, so rufen wir Leute bisweilen aus.

Wir sagen, dass die Realität der Kunst folgt, weil wir das für die lustige Umkehrung der üblichen Logik halten. Wir denken: Normalerweise malt man das Stillleben nach den Gegenständen auf dem Tisch und das Landschaftsgemälde nach der Landschaft. Die Kunst soll in diesem Sinne der Realität folgen.

Bisweilen aber scheint es dann doch andersherum zu sein. Wir erleben eine Szene oder hören eine Nachricht – und wir erkennen Muster, auf die wir zuvor in der Kunst gestoßen waren.

Lasst mich – mit essayistischem Selbstbewusstsein – heute einen solchen Fall zitieren!

Im Jahr 2023 schrieb ich den Text »Lucy, ich und unser Eskimo-Baby«.

Jener Text ist halb sarkastisch und ganz ernsthaft, voller zukunftsgerichteter Sorge. Ich beschreibe ein Szenario, mich an einer Kurzgeschichte versuchend – oder sollte ich es Parabel nennen?

In der Einleitung heißt es:

Ich habe einen Traum, dass meine Kinder eines Tages in einer Welt leben, in der sie endlich nicht mehr an ihrer Leistung oder ihrem Charakter gemessen werden, sondern daran, als was sie sich identifizieren.
Essay vom 2.4.2023

Der »Witz« an der Geschichte ist das surreale Szenario eines »modernen« Deutschlands, in dem Menschen ihren Randgruppen-Status »optimieren«.

Mitgliedschaft in bestimmten Randgruppen kann zu praktischen Vorteilen führen, so meine ausgedachte Geschichte. Zugleich kann jeder Bürger frei wählen, zu welcher Randgruppe er gehört.

Also folgt logischerweise: Menschen wählen, als Mitglied welcher Randgruppe sie sich – und ihre Kinder – »identifizieren«. So zumindest beschreibt es meine »Kunst« im Jahr 2023.

Vom Polizeipräsidium angezeigt

Heute lesen wir eine bemerkenswerte Nachricht aus Düsseldorf:

Einer Kommissarin aus Düsseldorf wird vorgeworfen, ihren Geschlechtswechsel für einen Karrieresprung genutzt zu haben.
focus.de, 11.11.2025

Die Kommissarin wurde, wenn ich die Nachricht richtig lese, vom Polizeipräsidium angezeigt, und der Vorwurf lautet Betrug.

In der Begründung schreibt man:

»Der früher männliche Kollege hatte seinerseits mehrfach an unterschiedlichen Stellen im Kollegenkreis aktiv, explizit und plakativ zum Ausdruck gebracht, dass er seinen Geschlechtseintrag nur ändern lassen wolle, um von der behördlichen Frauenförderung im Beurteilungs- und Beförderungswesen zu profitieren. Im Anschluss an eine Beförderung werde er dies erneut ändern und rückgängig machen, um zeitnah als Mann heiraten zu können.«
– Polizeipräsidium Düsseldorf, zitiert nach focus.de, 11.11.2025

Das Problem ist also nicht, dass ein Mann sich als Frau ausgibt, sondern dass die Person öffentlich zugegeben haben soll, dies zwecks Erzielung von Vorteilen zu tun.

Der Anwalt der Kommissarin bestreitet das und sagt, »dass die eigene Behördenleitung nicht akzeptiere, dass auch Polizisten ihr Geschlecht ändern können, sei sehr belastend für seine Mandantin« (www1.wdr.de, 11.11.2025).

Wir fühlen uns an einen anderen aktuellen Fall erinnert, siehe dazu den Essay »Sven ist jetzt Marla Svenja«. Auch da wurde ein Bürger vom Mann zur Frau, und die »Guten« hatten Zweifel an seiner Motivation.

Was genau aber wirft man den Menschen vor?

Dass sie ein Gesetz zu ihrem Vorteil nutzen?

Dass sie nicht »wirklich« glauben, was sie erklären?

Die berühmten Quoten

All dieser Wahnsinn ist überhaupt nur aufgrund des »Selbstbestimmungsgesetzes« möglich. Diesess wurde 2023 beschlossen. Das Justizministerium war damals in »FDP«-Hand, heute eine Sonstige-Partei. Dank dieses Gesetzes kann jeder Bürger ins Standesamt marschieren und erklären, dass er jetzt das andere Geschlecht »ist«.

Wie erwartet, ist die Zahl der Männer, die sich zu Frauen erklären, offenbar höher als andersherum. Dies mag am modernen Testosteronmangel liegen, am männlichen Selbsthass, der Jungen in der Schule eingeimpft wird. Oder es liegt womöglich daran, dass eine Frau zu sein (in Deutschland) viele rechtliche und finanzielle Vorteile bietet, etwa die berühmten »Quoten«.

Die Initiatoren jenes irren Gesetzes wollten explizit keine Prüfung der Absicht durch einen Psychologen. Das sei »diskriminierend« und »transphob«. Und überhaupt versicherte man dem Bürger, solche Fälle könnten ja gar nicht eintreten, denn Frau zu sein habe doch nur Nachteile. (Und gänzlich tabu war es, das Szenario anzubringen, dass Triebtäter sich zu »Frauen« erklären, um dann in Frauenschutzräume einzudringen.)

Wird der Kommissarin vorgeworfen, ein Gesetz zu ihrem Vorteil zu nutzen?

Pardon, das tun wir alle, jeden Tag. Es nennt sich: mündiger Bürger eines Rechtsstaats zu sein. (Ein Unternehmenschef etwa könnte rechtlichen Ärger bekommen, wenn er rechtlich mögliche Vorteile nicht ausnutzt.)

Dass sie »es nicht so meint«?

Pardon, das Selbstbestimmungsgesetz löst das Transsexuellengesetz ab, in welchem für ähnliche Vorhaben zwei psychologische Gutachten gefordert wurden (siehe lsvd.de).

Wollen die Behördenleiter auf ein abgelöstes Gesetz zurückgreifen und sich selbst als »Gutachter« einsetzen?

Ein rational agierender Rechtsstaat und seine Medien würden zugeben, was jeder weiß: dass jenes Gesetz hanebüchener Unsinn ist. Dass die Regenbogenflagge heute für das Aussetzen von Vernunft (und oft Menschlichkeit) steht. Beliebigkeit ist kein höherer ethischer Wert. Beliebigkeit mit Amt und Siegel sieht leicht wie Unrecht aus.

Gleich doppelt gegen Vorurteile

Solche Entwicklungen – oder doch nur: solche Vorwürfe – hat meine Geschichte damals vorhergesehen. Folgt also die Realität der Kunst? – Jein.

Ich hatte schlicht geschaut, entlang welcher Linien gewisse aktuelle Entwicklungen verlaufen. Habe weitergedacht, habe die Linie weitergezogen. Und ich schaute, wo sich diese Linien kreuzen.

Ich ahnte, dass es passieren würde. Wie in manch anderer Prognose lag ich nur darin falsch, wann es soweit sein würde. Menschen wird unterstellt, dass sie ihren Randgruppen-Status optimieren, weil es handfeste Vorteile hat, Mitglied staatlich bevorzugter Randgruppen zu sein.

Diese Kommissarin meinte alles absolut ernst, doch sie machte vorab Scherze, die angeblich Zweifel an ihrer Ernsthaftigkeit aufkommen ließen. Ihr Anwalt erklärt: »Das habe sie nur im Spaß gesagt.« (www1.wdr.de, 11.11.2025)

Ich finde es grundsätzlich schlimm, wenn Menschen unter Generalverdacht gestellt werden. Quotenfrauen werden ja ohnehin verdächtigt, nicht aufgrund der Qualifikation, sondern aufgrund des Geschlechts befördert worden zu sein. Und Transquotefrauen müssen gleich doppelt gegen Vorurteile kämpfen. Schlimm.

Uns aber bleibt die Erkenntnis, dass wir auch weiter die Mühe aufbringen wollen, das Offensichtliche zu benennen.

In wahnsinnigen Zeiten wollen wir darum kämpfen, selbst nicht wahnsinnig zu werden. Es hilft der inneren Ordnung, die Verrückung auszumessen und als verrückt zu notieren.

Hiermit getan.

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Der Essay Frau Kommisarin war Herr Kommisar von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/transquotenfrau/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!