Mein gestriges Video hatte am Ende des Tages 62 Aufrufe. Zwei davon waren von mir. Und ich habe allein mit diesem einen Video vier Abonnenten verloren.
Nun, ich bin kein MrBeast und kein Joe Rogan. Aber bis vor kurzem lag die übliche Zahl der Aufrufe zumindest im vierstelligen Bereich.
Was ist gestern passiert?
Nun, erstens ging es in dem Video nicht um ein aktuelles Nachrichtenthema – so sah es jedenfalls an der Oberfläche aus. Das Video scheint von Rudyard Kipling zu handeln und von jenem bekannten Gedicht »If—«.
Aber das allein war nicht der Grund für das, was wie meine Niederlage aussah.
Das Problem war wohl vielmehr: Das Video war auf Englisch, und ihr seid größtenteils deutsch. Und ihr denkt euch: »Warum zum Kuckuck redet der jetzt auf Englisch?«
Und wenn das Video vom Algorithmus einem englischsprachigen Publikum gezeigt wird, dann fällt den Zuschauern dort mein seltsamer Akzent auf.
In gewisser Weise fange ich also bei YouTube wieder bei Level eins an. Und auch diesen Text habe ich als englischsprachiges Video aufgenommen.
Um das Gedicht aus jenem gefloppten Video zu paraphrasieren: Indem ich Englisch spreche, setze ich meinen gesamten Gewinn auf einen einzigen Wurf. (Jenes Gedicht habe ich übrigens vor Zeiten ins Deutsche übersetzt und für euch vorgetragen!)
Aber warum?
Der ehrliche Grund lautet: Ich glaube nicht, dass Deutschland auf friedlichem Wege aus der gegenwärtigen Misere herauskommt. Und mehrere voneinander unabhängige Faktoren würden und werden jeden wirksamen Ausweg vollständig verhindern, ob friedlich oder anders.
Stellen wir uns ein Glas vor, das von einem Tisch gestoßen wird. Wann genau gilt es als zerbrochen? Man würde gewöhnlich sagen: wenn es auf dem Boden aufschlägt und zerspringt. Ein Philosoph könnte sagen: Sobald das Glas zu fallen begonnen hat, darf es bereits als zerbrochen gelten. Und für den Zen-Meister ist das Glas vielleicht schon zerbrochen, während es noch auf dem Tisch steht.
Nun, das Glas namens »Deutschland« fällt nicht bloß, sein Rand ist längst auf dem harten Boden der Realität aufgeschlagen, und die Risse breiten sich schnell aus. Wie wir hier zu sagen pfleg(t)en: Am Ende gewinnt immer die Realität.
Deutschland als Deutschland ist vorbei.
Jeder Deutsche, mit dem ich rede und der einen Plan für sich hat, spricht Englisch. Und meist interessiert er sich nicht sonderlich für »aktuelles deutsches Denken«.
Es gibt keine deutsche Diaspora, die deutsches Denken außerhalb der Grenzen der scheiternden Nation fortsetzen würde. Es gibt kein neues Prag, kein Paris, nicht einmal ein Wien.
Deutschland bewegt sich, auf den Fersen Großbritanniens, auf das zu, was ich Lethokratie nenne, ein totalitäres Regime, das auf die Zerstörung der eigenen Nation zielt. Die deutsche Bevölkerung wird von einer der größten Propagandamaschinen dieses Planeten gefügig gehalten.
Wenn man zu einem deutschen Publikum spricht, kommt einem ein bestimmtes Tolkien-Zitat in den Sinn: »Flieht, ihr Narren!« – im Original: »Fly, you fools!«
Und es wäre nicht einmal meine eigene Idee. »Flieht, ihr Narren« ist ein Zitat, das man dieser Tage recht oft hört.
Unterdessen ist die deutsche katholische Kirche weltweit bekannt für ihren Anschein von Häresie und Blasphemie. Und außerdem dafür, sehr, sehr reich zu sein.
In weiten Teilen Deutschlands ist, wenn man tatsächlich an Jesus Christus und die alte Lehre der Kirche glaubt, die praktisch einzige Möglichkeit, seine Seele zu retten, darauf zu hoffen, dass die »exkommunizierte« Piusbruderschaft eine Kapelle in der Nähe hat. Oder das Land zu verlassen.
Übrigens: Wenn ihr nicht bereit seid, das Land zu wechseln, »bloß« um eure Seele zu retten – glaubt ihr dann wirklich, was ihr zu glauben sagt?
Deutsche, auch konservative und selbsterklärte Christen, haben sich zu oft dafür entschieden, sich selbst zu belügen.
Zugleich fürchte ich, dass Teile der Welt und Teile der Weltbevölkerung bald Grauen biblischen Ausmaßes erleben werden. Manche erleben es bereits. Fragt nigerianische Christen. Fragt die Palästinenser. Fragt jeden Elternteil, dessen Kind als Opfergabe an die offenen Grenzen getötet wurde.
Andererseits gibt es Schönheit. Es gibt Schönheit, für die alle Worte versagen außer göttlich und himmlisch. Ich weiß, dass es sie gibt, weil ich sie gesehen habe. Erlebt habe. In Knochen und Seele gespürt habe.
Und weder das Grauen noch die Schönheit lässt sich wirklich mit meinen konservativen und/oder katholischen deutschen Freunden besprechen. Viele scheinen unfähig, sich auch nur eines von beiden vorzustellen. Geschweige denn zuzugeben, dass beides wirklich ist und bereits da.
Englisch ist die Sprache der Welt. Latein ist die Sprache der Kirche, die der Leib Christi ist.
Ich bete auf Latein. Ich gebe alles für ein Projekt namens »Latin Prayer«.
Und darum rede ich jetzt Englisch.
Ich bin in beidem nicht gut, weder im Englischen noch im Lateinischen. Nur mein Spanisch ist schlechter.
Ich bin begriffsstutzig wie ein Stein und genauso belehrbar.
Aber ich bin auch stur wie ein Stein.
Dies könnte genau die Zeit sein, in der die Steine schreien werden.
Weiterschreiben, Wegner!
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Der Essay Warum ich jetzt Englisch spreche (und die Steine schreien werden) von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/warum-ich-jetzt-englisch-spreche-und-die-steine-schreien-werden/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!

