01.04.2022

Niemand sah die »Harten Zeiten« kommen

von Dushan Wegner, Lesezeit 4 Minuten
Der Wirtschaftsminister warnt, dass »harte Zeiten« kommen. Nun, wir wissen ja, wer harte Zeiten macht: »Schwache Männer« (und wohl auch Frauen).
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Eine alte Weisheit, so schrieb ich 2019, besagt: Harte Zeiten schaffen starke Männer. Starke Männer schaffen gute Zeiten. Gute Zeiten schaffen schwache Männer. Schwache Männer schaffen harte Zeiten. (In welchen Zeiten befinden wir uns jetzt – gilt dieser Kreislauf überhaupt noch?)

Und dann schrieb ich: Dies sind dumme Zeiten – es liegt an uns, ob sie uns zu klugen Menschen machen.

Erfrischend zukunftsignorant

Heute lesen wir in den Schlagzeilen: »Wirtschaftsminister Habeck kündigt harte Zeiten an« (bild.de, 1.4.2022(€)). Das Flaggschiff des Axel-Springer-Konzerns hat die Nachricht, dass uns »harte Zeiten« bevorstehen, hinter eine Bezahlmauer gesperrt, und nur gegen harte Westdevise darf es da hinaus. Dass aber »harte Zeiten« kommen, es hat wohl mit »Putins Krieg« zu tun, so viel darf man auch gratis erfahren, als »Info-Schmarotzer« gewissermaßen.

Die »harten Zeiten« kommen natürlich vollständig überraschend, und sie haben auf keinen Fall irgendetwas damit zu tun, dass Deutschland sich im Namen von Fake-Ökologie und linken Lebenslügen in die Energieabhängigkeit von Russland begeben hat. Auch nicht damit, dass der linksgrüne Propagandastaat die letzten Jahre überhaupt erfrischend zukunftsignorant auftrat.

Die weiteren Nachrichten runden das Bild ab: Firmen sanktionieren Russland von sich aus – und sich selbst damit auch (focus.de, 30.3.2022). Der sogenannte »Petro-Dollar« als Weltleitwährung steht zur Disposition (jungefreiheit.de, 28.3.2022). Shanghai geht in einen neuen Lockdown (spiegel.de, 27.3.2022), und wir fragen uns, welche Folgen dies wieder für uns haben wird. Ab welchem Punkt erschwert die Globalisierung unser Leben mehr als sie es erleichtert – so oder so, das Ergebnis der Abhängigkeit bei vorausgehender linksgrüner Idiotie könnten »harte Zeiten« sein.

Die große Welle

Ich bin wahrlich kein Autonomer, doch was Nationen und Völker betrifft, halte ich eine gewisse Autarkie für ratsam. Mein erstes Argument ist, dass nur selbstständige, selbstbewusste Verschiedenheit es möglich macht, voneinander zu lernen. (Siehe dazu die Essays vom 16.06.2018, vom 11.12.2018 oder auch vom 10.4.2018.)

Mein zweites Argument ist, dass optional autarke Länder nicht so anfällig für Domino-Effekte und schlicht Erpressbarkeit sind.

Ich habe jahrelang zu warnen versucht – dies ist mein Essay Nr. 1.353. Ich habe zur Vorbereitung und rechtzeitigen Besinnung aufgerufen. Einige von Ihnen schrieben mir, dass sie sich tatsächlich neu auf ihre relevanten Strukturen besannen und ihre Kreise (neu) ordneten.

Den großen Sturm aber, »die harten Zeiten«, die große Welle praktischer Dummheit konnten auch Leute mit weit größeren Möglichkeiten als wir nicht aufhalten (so sie denn überhaupt wollten) – und also stehen uns nun »harte Zeiten« bevor.

Als Abfolge von Krisen

Ich tue mir täglich schwerer damit, meinen Kindern (oder mir – oder Ihnen) klugen Rat zu geben. Ich bin heute nicht viel mehr als ein Begleiter, ein Ideen-Butler und ein Zu-Bedenken-Geber, eine lebensphilosophische Hilfskraft. Vielleicht hätte ich es schon immer sein sollen, vielleicht war ich das eigentlich schon immer.

Als Beispiel: Ich lese fast jede Woche davon, wie der praktische Nutzen von Universitäten schwindet und Konzerne sich inzwischen ihre eigenen Fachleute ausbilden (2020 schrieb ich sogar selbst darüber), doch ich bin weit davon entfernt, meinen Kindern auch wirklich zu raten, gleich aufs Studium zu verzichten.

Ich bin zerrissen.

Wir ahnen ja seit einiger Zeit, dass harte Zeiten kommen werden, und jetzt gibt die Politik es auch von höchster Stelle aus zu (mit Putins Krieg als Anlass und Ausrede).

Die Generation, die in diesen Jahren erwachsen wird, kennt diese Welt doch nur als Abfolge von Krisen. Was aber soll man konkret anders tun, als man bislang tat?

Muss-man-gesehen-haben

Es sind Zeiten, in denen alte Gewissheiten wie Nachtnebel in der Morgenbrise weggeweht werden, und wir sehen nicht, was danach kommt. Heute, im Frühjahr 2022, erscheint es mir ratsam, täglich weniger Rat zu geben. Heute will ich nur, gemeinsam mit meinen Kindern, mehr Klugheit tanken.

Ich schaue derzeit mit der Familie immer wieder einen Muss-man-gesehen-haben-Film. Ich meine ja, dass in den Klassikern immer auch alte Klugheit eingewoben ist (so werden sie zum Klassiker), und dass sie also wie Zeitkapseln aus klügeren Zeiten sind.

Katharsis ist nicht genug

Ja, dies sind dumme Zeiten, seit einigen Jahren nun, und exakt wie man erwarten muss, werden sie eben zu harten Zeiten werden. Meine Antwort ist keine theoretische, sondern eine praktische: Ich will versuchen, klüger zu werden, und ich meine das nicht als ätherischen Bla-bla-Spruch, sondern konkret, als tägliche Handlung.

Passend zum Krieg lesen wir daheim aktuell das Buch »Slaughterhouse Five«. Für mich ist es eine notwendige Wiederholung nach zu vielen Jahren, für die Tochter ist es ein notwendiger Schock. Ich erwäge noch, ob ich einen der zahlreichen Kriegsfilm-Klassiker mit den Kindern (!) schauen soll – und welchen.

Ändert ja nichts

Ja, man könnte schimpfen und fluchen und die-da-oben mit harschen Adjektiven belegen, und die Katharsis, die das bringt, tut zwar gut – doch innere Entspannung allein ändert ja nichts am allgemeinen, gemeinsamen Schicksal!

Der Wirtschaftsminister warnt, dass »harte Zeiten« kommen. Nun, wir wissen ja, wer harte Zeiten macht: Schwache Männer. Uns wird wenig übrig bleiben, als selbst wieder starke Frauen und Männer zu werden (und für uns selbst festzulegen, was genau wir hier mit der Vokabel »stark« meinen).

Ich will die Ereignisse im Auge behalten, zugleich aber täglich daran arbeiten, etwas weniger dumm zu sein.

Ich weiß nicht, was genau auf uns zukommt, wie diese »harten Zeiten« im Detail sein werden, doch ich bin relativ sicher, dass es besser wäre, morgen klüger zu sein als ich es heute bin.

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