11.07.2021

Herbsttage der Freiheit

von Dushan Wegner, Lesezeit 6 Minuten, Foto von Matt
In den USA gilt man bald als des Terrors verdächtig, wenn man allzu »anti-autoritär« (und weiß) ist. Die EU schafft derweil de facto das Briefgeheimnis ab und will EU-weiten Notstand einführen. Kann es sein, dass der Westen gerade die Freiheit abschafft?
close-up photography of maple leafs with shallow depth of field
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»Spare in der Zeit«, so lehrt uns die Volksweisheit, »dann hast du in der Not.« – Ich weiß, der deutsche Staat hält es nicht so, der wirft das Geld unabhängig von der Zeit aus dem Fenster, aber für den Privatmann wie für die Privatfrau bleibt es ein kluger Ratschlag.

Lassen Sie uns im Stil der Philosophen einmal das vermeintlich »Offensichtliche« abklopfen, indem wir fragen: Warum ist es eine gute Idee, »in der Zeit« zu sparen? Und dann will ich einen weiteren Schritt gehen: Was alles, außer Geld, könnte und sollte man denn noch ansparen?

Ach, wenn man nur wüsste, was die Zukunft bringt, dann wäre es einfacher, wirklich genug und dazu noch die richtigen Dinge anzusparen. Die Nachrichten geben uns durchaus Fingerzeige – man muss »nur« hinsehen, worauf diese »Finger« eigentlich zeigen…

»racism and bigotry«

Seit etwa dem Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts konnten Deutsche davon ausgehen, dass US-Moden absehbar auch in Deutschland ankommen würden. Ob Jazz, Jeans, ob Junk Food oder Junk News (»Social Media«) – was in den USA populär ist, das wird auch in Deutschland populär werden. Es gilt ja auch weiterhin! »Nach drüben« zu schauen ist aufschlussreich … und schillernd.

Am 11. Juni 2021, um 20:16 lokale Zeit soll der 39-jährige US-Amerikaner Justin T. Roberts vor dem Courtyard-by-Marriot-Hotel in Phenix City (Alabama, USA) auf eine Person geschossen haben. Er soll weiter gezogen sein, um dann um 22:15 Uhr auf eine Frau und zwei Männer zu schießen.

Am 12. Juni 2021 um 14:04 Uhr soll er wieder geschossen haben, und um 16:10 Uhr wurde Roberts gestellt und verhaftet.

Roberts sagte aus, dass er aus rassistischen Gründen geschossen habe, dass er seine Opfer gezielt nach deren »Rasse« ausgesucht hatte.

Am 15. Juni verkündete der »Präsident« der USA, Joe »Grabscher« Biden, seinen Kampfplan gegen einheimischen Rassismus. »Wir können diese Gefahr nicht ignorieren, oder wünschen, dass sie weggeht« (whitehouse.gov, Juni 2021 (PDF)), meine Übersetzung), so schrieb (wahrscheinlich einer der Betreuer von) Biden im Strategie-Paper.

Bidens Kampfansage richtet sich direkt gegen »white supremacy«, also (teils militante) Gruppen weißer Rassisten. Biden (oder wer auch immer für ihn denkt) will einheimische Terror-Gruppen verstärkt ins Visier nehmen.

Man will zudem die Faktoren angehen, welche heimischen Terrorismus fördern: im Englischen: »racism and bigotry« – und das ist der Moment, wo es »spannend« wird.

Das Wort »bigotry« war schon immer vieldeutig. Es kann Fanatismus bedeuten, aber auch Intoleranz, Frömmelei oder einfach nur Engstirnigkeit. Das Wort »racism« wurde in den letzten Jahren erst mehrdeutig. Es bedeutete einst, einem Menschen aufgrund seiner Hautfarbe geringeren Wert und weniger Würde zuzusprechen. Heute bedeutet in der Sprache der sich als »Linke« gebenden Globalisten (und ihren nützlichen Idioten in Redaktionen und Universitäten) »rassistisch« praktisch Beliebiges (wenig ist tatsächlich rassistischer als jene Bewegungen, die sich heute als »anti-racist« etikettieren).

Das Strategie-Papier (whitehouse.gov, Juni 2021 (PDF)) verbindet viel allgemeines Geschwurbel mit einigen recht offenen Kampfansagen gegen Abweichler. Auf Seite 6 lesen wir: »Today’s domestic terrorists espouse a range of violent ideological motivations, including racial or ethnic bigotry and hatred as well as anti–government or anti–authority sentiment.«

Zu Deutsch etwa: »Die heutigen einheimischen Terroristen vertreten eine Reihe gewalttätiger ideologischer Motivationen, einschließlich rassischer oder ethnischer Intoleranz [»bigotry«] und Hass, als auch Gefühlen gegen die Regierung und gegen Autorität.«

Man darf das einmal sacken lassen: Für die Leute, die an Bidens Schnüren ziehen, gilt die ur-amerikanische Distanz zu allen Formen von Autorität und übergriffiger Regierung als Kennzeichen von Terrorismus – und natürlich verortet man dies zuerst bei weißen Männern.

Die Quellen noch

Ach ja, fast hätte ich bei dem Bericht von den Anschlägen des Justin T. Roberts einen Baerbock gebaut und die Quellen nicht angegeben. Es sei nachgeliefert! nypost.com, 15.6.2021 etwa berichtete (meine Übertragung): »Die Schuss-Tour [»shooting spree«] des schwarzen Verdächtigen, der 5 verletzte, war von Rasse motiviert«. Oder news.yahoo.com, 15.6.2021: »Mann, der angeblich auf 5 Menschen in Georgia und Alabama schoss, sagt, dass er es auf weiße Männer abgesehen hat.« (Sie ahnen, warum ich die Quellen zunächst bewusst verbaerbockte.)

Es braucht schon die Unverfrorenheit einer Regierung, welche auch einen Biden als US-Präsidenten einsetzt, um wenige Tage nachdem ein Schwarzer auf rassistische Baller-Tour loszieht, laut und stolz die Verschärfung der Maßnahmen gegen »white supremacy« anzukündigen. Man führt praktisch vor, wie egal es ist, was die echte Realität ist. Realität ist, was gewisse Akteure als Realität festlegen.

Die Baller-Tour des Beschuldigten Justin Tyrone Roberts war ja nicht der erste anti-weiße rassistische Anschlag in den letzten Monaten. Im Kontext der anti-weißen Bewegung (ja, mit vielen selbsthassenden Weißen im Schlepptau) »Black Lives Matter« (Implikation: »more than other lives«) kam es zu einer Reihe von Anschlägen gegen Weiße.

Spätestens aber, wenn die US-Regierung offen erklärt, dass bereits eine »anti-autoritäre« Einstellung, die vielleicht als »gegen die Regierung« gedeutet werden kann, als terroristisch gilt, wissen wir, dass es um etwas ganz anderes geht.

Mit dem vorgeblichen Kampf gegen Rassismus und »white supremacy« wird die Kritik and der Regierung selbst in die Nähe von Terrorismus gerückt – eine Praxis, die man sonst aus Diktaturen kennt.

No Freedom

Die Freiheit, wie der Westen sie kannte – wie sie den Westen stark gemacht hat! – sie wird (auch) im Westen abgeschafft.

In Europa will die EU unter der Skandal-Politikerin Ursula von der Leyen den »EU-weiten Notstand« ermöglichen (achgut.com, 16.6.2021). Das digitale Briefgeheimnis wird im Nachrichtenschatten der Fußball-EM mal eben aufgehoben (spiegel.de, 7.7.2021).

Viele Menschen, auch ich, reden viel von anstehenden wirtschaftlichen Entwicklungen. Durch Corona- und Klimapanik wird die wirtschaftliche Lage des Westens weiter gegenüber China geschwächt, das ist wahr.

Jedoch, während es im Interesse der Regierungen und globalen Akteure ist, uns wirtschaftlich einigermaßen zufrieden zu halten (aber nicht zu sehr, sonst werden wir unproduktiv), sehe ich eine andere Art von Mangel am Horizont, der von den bestehenden Mächten nicht nur in Kauf genommen wird, sondern begrüßt und sogar aktiv herbeigeführt werden kann.

Die Freiheit des blanken Gedankens stirbt. Teils dieselben Leute, die mit Qatar-Airways teure Deals verhandeln, füttern uns mit pseudo-moralischem Bullshit-Vokabular (spiegel.de, 9.7.2021) – und im Bezug auf eben solches Propaganda-Vokabular wird die Freiheit abgeschafft.

»Du kritisierst die Regierung?«, heißt es bald: »Bist du gar ein Terrorist?« – Und: »Du hast etwas zu verstecken? Bist du gar ein Rassist?«

Fingerzeige

»Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr«, so heißt es im Gedicht Herbsttag von Rilke (ich erwähnte es im Essay vom 7.9.2019).

Es kommt das Alter und damit der Zeitpunkt im Leben, da hat man entweder seine Dinge geordnet, so dass man ein würdiges Alter verleben kann, den Herbst, oder eben nicht.

Dies sind die Herbsttage unserer Kultur, unserer Selbstverständlichkeiten, unserer blanken Freiheit des Denkens. Wer jetzt keine Freiheit hat, der »baut« sich bald keine mehr.

»Spare in der Zeit, dann hast du in der Not«, so sagt die alte Weisheit. »Sparen«, das heißt hier zuerst: Sammeln!

Ich sage mir – und rate meinen Kindern: Sammle jetzt Wissen und Gedanken, die du brauchen wirst, wenn es nicht mehr so einfach sein wird, an neue Gedanken dranzukommen.

Die Chancen stehen gut, dass es dir nicht an Geld mangeln wird, sondern an der Gelegenheit, neue Ideen zu lesen, altes Wissen neu zu entdecken, zu eigenen, frischen Gedanken inspiriert zu werden.

Die Nachrichten, von hier wie von drüber, sie sind »wie zeigende Finger«, wie Fingerzeige auf das, was bereits vom Horizont her naht. Die Weisheit der Asiaten lehrt uns, nicht auf den Finger zu sehen, sondern auf das, worauf der Finger zeigt.

Lasst uns, so gut wir es vermögen, etwas »innere Freiheit« sammeln, auf dass wir dann, wenn wir sie brauchen, genug davon haben!

»Weiterschreiben, Wegner!«

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