01.05.2022

Jede Nacht in Schweden

von Dushan Wegner, Lesezeit 5 Minuten, Foto von Nicholas Selman
Die Premierministerin von Schweden stellt ganz erschrocken fest, dass es »parallele Gesellschaften« in Schweden gibt, die »in komplett verschiedenen Realitäten« leben. – In welcher Realität lebte sie selbst eigentlich die letzten Jahre?
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Wir erinnern uns noch gut, als Trump 2017 im Wahlkampf darauf hinwies, was in Schweden passierte. Das Stichwort war »Last Night in Sweden« – letzte Nacht in Schweden. (Original-Video bei cnn.com, 19.2.2017)

Ach, was höhnte die politisch korrekte Klasse damals über Trump! Schwedische Fotografen gaben ein Fotobuch mit dem Titel »Last Night in Sweden« heraus, das in handverlesenen Bildern zeigen sollte, wie friedlich und beschaulich es doch in Schweden zugehe.

Es ist wahrlich nicht die einzige Angelegenheit, in welcher Trump recht behielt (siehe etwa auch den Essay »Trump warnte, Maas lachte, Trump behielt recht« vom 8.3.2022).

Das Schweigekartell

Als in der Kölner Silvesternacht 2015 tausende Übergriffe durch junge Männer verübt wurden, versuchte die deutsche Presse knapp vier Tage lang einen Medien-Blackout des politisch wenig wünschenswerten Themas. Erst als es etwa in der New York Times auf der Titelseite berichtet wurde, bröckelte das Schweigekartell der Presse im Propagandastaat Deutschland (tagesspiegel.de, 6.1.2016).

In Schweden funktionierte die Leugnung tatsächlicher Probleme durch Migration weit konsequenter als in Deutschland.

Immer wieder las man, aber eben nicht auf den Titelseiten, dass Schwedens Polizei und Politik im Schulterschluss aktiv vertuschen, was wirklich im Land passierte. Das Stichwort ist »Code 219« (siehe etwa spiegel.de, 21.1.2016). Dieser Code ist eine interne Anweisung für die Polizei, in welcher es, so die Berichte, wörtlich heißt: »Nichts soll nach außen dringen.«

Das linke Weltbild ist auf Lügen gebaut, und die praktischen Folgen sind immer grausam und unmenschlich – und sollen so lange wie irgend möglich verschwiegen werden. Das war im Sozialismus so, das ist in Schweden so. (Und das wird in jedem Staat so sein, das den recht offen anti-demokratischen  »UN-Migrationspakt« unterzeichnete. Siehe dazu den Essay vom 2.1.2018, aber auch aktuell den Text vom 30.4.2022)

Wo Code 219 und andere Redeverbote nicht genügen, wird versucht, das blutige Scheitern linken Toleranzwahns als »Hass & Hetze« zu deklarieren und über diesen Hebel zu zensieren. Doch spätestens wenn, wie in Schweden, Bombenanschläge und Schießereien so alltäglich werden, dass sie nicht verschwiegen werden müssen, da niemand mehr von ihnen überrascht ist und sie folglich keinen Nachrichtenwert mehr haben (politico.eu, 16.4.2018), könnte die Stimmung ernsthaft kippen.

Unter Polizeischutz

Zwischen Stockholm und Sankt Petersburg liegen weniger als 700 Kilometer Luftlinie (luftlinie.org), (wenn es auch das ähnlich längliche Finnland ist, dessen 1370 lange östliche Grenze vollständig an Russland grenzt). Russlands Einmarsch in die Ukraine geht den Schweden buchstäblich näher als etwa den Deutschen. Aktuell wird gemeldet, dass ein russisches Flugzeug den schwedischen Flugraum verletzte (english.alarabiya.net, 30.4.2022). Während ich dies schreibe, handelt die Topmeldung bei Dagens Nyheter von Kriegsverbrechen in der Ukraine (dn.se, 1.5.2022).

Die Schweden sind aber nicht nur wegen des nahen Kriegslärms nervös. Eine sehr konkrete Gewalt bedroht Schweden ganz aktuell im Inneren – und es ist genau die, welche man seit Jahren zu verschweigen versucht.

Der schwedisch-dänische Politiker Rasmus Paludan hatte bei einer Demonstration einen Koran verbrannt, unter Polizeischutz übrigens, wegen Meinungsfreiheit und so. Muslimische Einwanderer nutzten diese Meinungsäußerung als Anlass zu Aufständen, Brandlegung und Gewalt gegen Polizei (nypost.com, 18.4.2022bbc.com, 18.4.2022).

Die Bilder von den Protesten erinnern an die Plünderungen und Brandschatzungen bei einigen »Black Lives Matter«-Aufmärschen, und sie ähneln ebenso teilweise Bildern aus einem Bürgerkrieg.

Wütende Schweden mit Migrationshintergrund legten Feuer und griffen Polizisten an. Schwedens Polizeichef sagte, er habe noch nie derart brutale Aufstände gesehen (theguardian.com, 28.4.2022).

Schwedens Premierministerin Magdalena Andersson (Sozialdemokratin) gab dieser Tage zu: »Die Segregation konnte so weit gehen, dass wir parallele Gesellschaften in Schweden haben. Wir leben in demselben Land, aber in komplett verschiedenen Realitäten.« (zitiert nach arabnews.com, 28.4.2022, meine Übersetzung aus dem Englischen).

Rasmus Paludan plant weitere Koranverbrennungen. Noch plant die schwedische Polizei, auch diese zu schützen. Würde man sie jetzt verbieten, würde man vor der Gewalt einknicken. Noch ist man in Schweden nicht so weit.

Nach dem Irrsinn von 2015 war Schweden ja bereits letztes Jahr etwas zu Sinnen gekommen (siehe »Kluge Staaten, verrückte Staaten« vom 11.5.2021, aber auch foreignpolicy.com, 17.11.2022: »Sogar Schweden will keine Migranten mehr«), doch man versuchte, die Kursänderung eher subtil zu verkaufen.

Natürlich wird Provokateur Paludan für seine Aktionen kritisiert, auch von der Premierministerin selbst. Fakt ist aber, dass seine Provokationen indirekt dazu führten, dass die Politik endlich zugibt, was sie zu lange verschweigen wollte.

Unfreiheit anderer Leute

Wird Schweden vor der importierten Gewalt einknicken? Wird es Polizisten opfern und Stadtteile aufgeben?

Ich stehe dazu, bedächtige Vorsicht der nur dünn begründeten Zuversicht vorzuziehen. Hoffnung entwickele ich lieber nur dort, wo ich den Gegenstand meiner Hoffnung selbst gestalten kann.

Und doch ist es ein gutes Zeichen, dass Probleme immerhin angesprochen werden. Nein, die durch linke Lebenslügen entstandenen Probleme lassen sich nicht einfach so abwickeln.

Meine Vermutung ist, dass die parallelen Gesellschaften fürs Erste nicht aufgelöst werden, sondern eher zementiert und abgeriegelt. Die Parallelität wird zum Dauerzustand, jeden Tag und jede Nacht, in Schweden und anderswo.

25,9 % Prozent der in Schweden lebenden Menschen wurden im Ausland geboren (scb.se). – Ein Teil dieser Menschen lehnt aber offen die westlich-freiheitlichen Werte ab, die ihnen überhaupt erst ermöglichten, nach Schweden zu ziehen und dort bei Bedarf auf Kosten der schwedischen Steuerzahler ihre Parallelgesellschaft aufzubauen. Das werden ein paar Sozialarbeiter nicht reparieren können.

Wenn eine Gruppe es unter Meinungsfreiheit zulässt, die heilige Schrift einer anderen Religion zu verbrennen, und eine andere Gruppe es unter Religionsfreiheit einsortiert, Straßenzüge anzuzünden und Polizisten zusammenzuschlagen, dann wäre es wahrscheinlich eine gute Idee, die beiden Gruppen voneinander fernzuhalten.

Ja, es ist etwas Gutes, dass Probleme immerhin genannt werden. Wenn dein Haus in Flammen steht – vielleicht sogar buchstäblich –  werden die Bewohner halt irgendwann zugeben müssen, dass es etwas wärmer geworden ist. Und dann muss sich der Einzelne entscheiden, ob er darauf vertraut, dass die Flammen gelöscht werden – oder ob der die Flammen zumindest vom eigenen Zimmer im gemeinsamen Haus vorm Feuer bewahrt.

Freiheit muss auch bedeuten, die innere Unfreiheit anderer Leute nicht zu meiner Unfreiheit werden zu lassen.

Weiterschreiben, Wegner!

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