11.05.2021

Kluge Staaten, verrückte Staaten

von Dushan Wegner, Lesezeit 9 Minuten, Foto von Jessica Pamp
Tausende Migranten landen wieder auf Lampedusa – aber Länder wie Dänemark und Schweden werden endlich klug. Das zeigt, wie wichtig die Freiheit der Nationen ist! Kluge Staaten müssen sich von verrückten Regierungen wie der in Deutschland absetzen können.
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Es tut sich etwas, was die Migration nach Europa angeht. Es tut sich etwas im Norden, und es tut sich etwas im Süden.

Zuerst der Norden: In Dänemark will man mit einem neuen Gesetz konsequent soziale Brennpunkte mit hohem Migrantenanteil und zugleich hoher Kriminalität entschärfen; die Maßnahmen reichen bis zur Zwangsumsiedelung (taz.de, 18.3.2021, welt.de, 9.5.2021 (€)).

Wir werden sehen, wieviel und was in Dänemark wirklich passieren und was sich wirklich verändern wird; von entsprechenden Ankündigungen und Versuchen hörte man schon früher (vergleiche etwa spiegel.de, 17.7.2020; tagesspiegel.de, 3.12.2019, deutschlandfunkkultur.de, 21.3.2021). Jedoch, nicht nur die Dänen selbst hoffen, dass sich diesmal tatsächlich etwas zum Besseren bewegt – Dänemark wird bei seinem Nachbarland Schweden als Vorbild genannt. (Länder wie Polen und Ungarn haben ja schon früher mit all ihrer Kraft dafür gekämpft, sich vom Deutschen Wahn abzukoppeln – sie wurden von Berlin und Brüssel aus dafür beschimpft und bedroht.)

Nach Dänemark könnte es auch dem Schweden nicht mehr genügen, die Probleme nur auszusprechen (vergleiche etwa den Essay vom 23.9.2020). Jimmie Åkesson von den Schwedendemokraten, gegenwärtig größte Oppositionspartei, welche von der deutschen Presse als eine Art »schwedische AfD« beschrieben wird, darf dieser Tage jubeln: »Wir werden das neue Dänemark sein!« (vergleiche etwa yahoo.com, 8.5.2021)

Am Sonntag, dem 9.5.2021 gelang es den Schwedendemokraten, mit drei weiteren Parteien ein Bündnis für striktere Einwanderungspolitik zu schließen. Man brauche, so Åkesson, noch schärfere Maßnahmen als Dänemark, denn die Probleme Schwedens seien größer. Beim gegenwärtigen politischen Klima in Schweden ist abzusehen, dass die Schwedendemokraten bei den Wahlen am 11. September 2022 in die Regierung kommen – und folglich setzen sie schon jetzt politische Themen.

Schlepper schleppen wieder

Während in Europas Norden nun erste Vernunft einzukehren scheint – hoffentlich nicht zu spät, die »Soldaten« von Schwedens Clankriegen bleiben ja erst einmal im Land, und mit ihnen ihre Konflikte – fahren in Europas Süden die Schlepper ihr Geschäft wieder hoch.

Auf der italienischen Insel Lampedusa sind in den letzten Tagen, so welt.de, 10.5.2021 zweitausend »Bootsmigranten« angekommen. Die Zahl hat sich gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum verdreifacht. (Interessant ist übrigens, dass hier die Journalisten bei der Bezeichnung der Schlepperkunden still die Propaganda-Lüge »Flüchtling« gegen das Wort »Bootsmigrant« austauschen – soll es an die »boat people« erinnern? Die waren ja tatsächlich vor einem Krieg geflohen, siehe Wikipedia.)

Merkels bayerischer Einknicker im Innenministerium wird aktuell lapidar zitiert: »Es zeichnet sich ab, dass die Migrationszahlen wieder deutlich steigen« (welt.de, 11.5.2021), und: »Wir müssen etwas tun, damit wir nicht wieder in bedenkliche Größenordnungen kommen.« – »Uff!«, möchte man ausrufen, »und wir dachten schon, keiner wüsste, dass ›etwas‹ getan werden muss.« – Wie will man ein Problem lösen, dessen Ursachen man auch weiterhin nicht nennen darf?

Gratis, Gratis, Gratis

Das Problem der heutigen Massenmigration ist schlicht, dass die Denkweisen, die zu den Problemen vor Ort führten, in den Köpfen der Menschen neu importiert werden.

Anders als etwa bei Migranten wie meiner Familie oder bei der Einwanderung in die USA im frühen 20. Jahrhundert wird oft nicht die Denkweise der neuen Kultur angenommen, sondern es werden dem Zielland die eigenen kontraproduktiven Denkweisen aufgeprägt – und das führt eben zu den Krisenherden, die nicht nur optisch den Krisenherden in den Herkunftsländern zu ähneln beginnen – mit dem einen sehr großen Unterschied, dass einem ein Gratis-Einkommen, eine Gratis-Wohnung und Gratis-Dienstleistungen auf Steuerzahlerkosten geschenkt werden, was die Motivation zur gewiss nicht einfachen Anpassung und Selbstveränderung praktisch auf Null senken kann.

Nicht nur die praktischen Gründe nehmen Migranten die Motivation, an sich zu arbeiten um Teil des Ziellandes zu werden – es hat auch mit der westlichen Selbstverleugnung zu tun. Schon 2018 fragte ich: »Wie soll man sich integrieren in ein Land, das nicht Heimat sein darf?«

Zahl und Druck zur Anpassung

Das Migrationsproblem erweist sich bei näherem, ehrlichem Hinsehen als Denkmuster-Konflikt-Problem. Archaische Denkmuster sind schlicht nicht kompatibel mit einer Welt, die wir modern nennen, wie auch Gutmenschen schnell feststellen, wenn sie selbst damit konfrontiert sind – »aus Gutmenschen, die es selbst betrifft, werden schnell Bösmenschen«.

Wenn erstens die Zahl der Migranten relativ klein ist, und zweitens von der Zielkultur genug, ja, Anpassungsdruck ausgeht, dann kann es funktionieren, Migranten in eine Zielkultur aufzunehmen und sie Mitbürger werden zu lassen, statt im Namen der Toleranz einfach nur die Probleme des Herkunftslandes zu importieren – wenn nicht, dann nicht.

Was sollen also die nächsten Schritte sein? Wohin kann und wird die Reise gehen?

Ich denke (und plane damit), dass sich auch die Migrationsproblematik in bestimmte größere Linien einfügt, namentlich im politischen Wettbewerb und im automatisierten Glück.

Nach der Demokratie

Ereignisse wie Merkels Eingreifen in Thüringen, die »Wahl« 2020 in den USA, oder die auffallend gleich schaltende Pro-Baerbock Wahlkampagne (wie nennt man es, wenn sie alle gleich schalten?) wirken wie eine Übergangsphase: Bei Wahlen soll es keine »Unfälle« geben. Durch die Zuwanderung von Migranten kann es gleich auf mehrere Arten zu »Wahlunfällen« kommen. Zum einen könnten Parteien gewählt werden, die trotz Propaganda und Antifa-Terror es wagen, der »herrschenden Meinung« zu widersprechen. Zum anderen könnten Migranten das Wahlrecht erhalten und in Zukunft plötzlich Politiker wählen, die politisch und ideologisch »die alte Heimat« neu aufrichten wollen.

In Thüringen etwa scheint aktuell aus der CDU heraus ganz offen gegen die dort vereinbarten Neuwahlen plädiert zu werden, auch da die Wahlen keine Vorteile für die CDU hätten (siehe mdr.de, 6.5.2021: »Die CDU könne dabei nichts gewinnen.«). Bei Wahlen soll es keine »Unfälle« geben, und die am sichersten unfallfreie Wahl wäre damit die, die man gar nicht erst abhält.

Als logischer Zielpunkt dieser Entwicklung erscheint mir jener Zustand, den ich im Essay vom 22.04.2021 als das »automatisierte Glück« beschrieb. Im Essay vom 22.11.2020 notierte ich, dass und wie einzelne Staaten wie selbstverständlich das Verhalten ihrer Bürger mit digitalen Mitteln kontrollieren. Letzten Endes werden auch westliche Staaten beginnen, das Verhalten ihrer Bürger mit modernen Mitteln vorzugeben und Gehorsam durchzusetzen – und zwar auch unter Migranten.

In Deutschland wird es besonders schwer und holprig werden, vielleicht sogar erst einmal scheitern, da jene intellektuelle Kaste, welche das von der Automatik durchzusetzende Glück definieren wird, in Deutschland heute schrecklich ungebildet in Sachen der Seele ist.

Ich sage nicht, dass ich es so will – ich sage, dass ich es für wahrscheinlich halte: Man wird versuchen, die kulturellen und politischen Probleme, die sich aus Migration ergeben, im Rahmen technologischer Verhaltenskontrolle gleich mit zu lösen.

Politischer Wettbewerb

Die zweite große Linie ist der politische Wettbewerb, in den sich die Länder schon jetzt bei der Migration begeben.

Nein, ich denke nicht, dass sich Migrationsströme wirklich langfristig aufhalten lassen. Durch Soziale Medien sehen Menschen ja täglich, dass es anderswo besser ist, und zum Vorteil seiner Nachkommen die eigenen »Jagdgründe« wechseln zu wollen ist ein urmenschlicher Trieb. Zur realistischen Handhabe von Migrationswünschen braucht es aber strikt durchgesetzte innere Verhaltensregeln innerhalb der Staaten. Migranten werden sich dann etwa aussuchen können, ob sie in einem Land leben wollen, wo sie ihre Denkweisen weiter betreiben können, aber arm bleiben, oder in einem Land, wo sich anpassen und arbeiten müssen, und so eine echte Chance an der Teilhabe am Wohlstand haben.

Apps und Kaugummikauen

Schon 2019 wurde China-Reisenden empfohlen, das Handy nach China-Reisen zu »entsorgen« (handelsblatt.com, 24.12.2019 (€)), weil in Teilen von China auf Smartphones eine »Polizei-App« (sueddeutsche.de, 2.6.2019) zur Ausspähung aller Reisenden installiert würde. Ich wage die Behauptung, dass was 2019 noch verdeckt passierte, in der Zukunft zur öffentlichen Selbstverständlichkeit werden wird, nicht nur in China – die »Corona-Apps« sind ja quasi Testläufe.

Wenn der Bürger in der Zukunft zwischen konkurrierenden Demokratien reist, wird er mit jeweiligem Grenzübertritt auch jeweils einem neuen automatisierten Verhaltensteuerung-System unterworfen werden (und ja, natürlich wird es Ausnahmen für Diplomaten, Superreiche und sonstige der »Gleicheren« geben).

Man unterwirft sich ja auch heute schon den Gesetzen des jeweiligen Landes, in dem man sich aufhält, welche ein Stück weit das Verhalten vorgeben, nur dass in der Zukunft durch automatisierte Überwachung auch »kleine« und »weiche« Regeln wie Höflichkeit und Stimmungsäußerung überwacht werden, deren Übertreten man aktuell noch »toleriert« (wenn auch bereits heute nicht überall: Kaugummikauen kann auch schon mal als Straftat gelten; siehe dw.com, 29.3.2002).

Welche Verwaltungszone?

Das Migrationsproblem ist ein Problem der unterschiedlichen Denkweisen und Verhaltensmuster – und in Zukunft werden Gesellschaften die Denkweisen und Verhaltensmuster ihrer Bürger automatisch in Richtung eines »kuscheltotalitären« automatisierten Glücks steuern – was in den erfolgreichen Ländern quasi »nebenbei« manche Migrationskonflikte glätten wird.

Das große Problem Deutschlands bei dieser Transformation wird nicht die rechtlich-moralische Debatte sein, eher schon die technischen Aspekte (Regierungssoftware wirkt doch schon lange zuerst wie eine Art, sich als Politiker »fortschrittlich« zu geben und zugleich viel Steuergeld an befreundete Agenturen zu verschieben – um irgendwann leise das zuverlässig scheiternde Projekt auf den digitalen Friedhof abzustellen).

Das wirklich größte Problem bei der Transformation ist gerade für Deutschland die Tatsache, dass verbindliche Verhaltensmuster, die auch tatsächlich funktionieren, einen klugen und weisen Denk-Unterbau benötigen. (Das erste Problem mit den Grünen ist nicht einmal ihr totalitäres Denken, sondern dass sie geradezu ein parteigewordener Dummheitskult sind.)

Was heute als »Werte« gepredigt wird ist mehr ein Dauerfeuer inkohärenter Schlagworte, die am wenigsten die umsetzen, welche sie am lautesten einfordern.

Für den einzelnen Bürger stellen sich, so er für sich und seine Kinder in die Zukunft planen will, meines Erachtens zwei Fragen:

Erstens: Welchem Land (beziehungsweise de facto von Konzernen kontrollierten Verwaltungszonen) traue ich am ehesten zu, erfolgreich ein echtes »automatisiertes Glück« umzusetzen, innerhalb dessen ich und meine Kinder ein gutes Leben führen können? (Die 100 Millionen Opfer des Kommunismus zeugen davon, wie verheerend es sein kann, wenn ein totalitäres System von grundfalschen Annahmen über die menschliche Psyche ausgeht.)

Zweitens: Um zu bewerten, welches Land und damit welches durchgesetzte Wertsystem ich wählen will, muss ich zunächst selbst über ein eigenes Wertesystem verfügen. Und auf Migration bezogen: Wenn ich von Migranten das Einhalten bestimmter Werte einfordere, sollte ich diese Werte auch nennen können – und sollte sie selbst leben.

Eine ähnliche Wette

Im Essay vom 15.4.2021 erwähnte ich die Pascalsche Wette, nach welcher es sich lohnt, so zu handeln, als ob etwas der Fall wäre, selbst dann, wenn es nicht der Fall ist, und unsere Entscheidungslage ist hier ähnlich.

Ich glaube, dass die politische Weltkarte der Zukunft eine Konkurrenz verschiedener automatisiert durchgesetzter Wertesysteme ist. Zur praktischen Lebensplanung gehört es heute, sich ganz persönlich die alten Lehren und Philosophen neu anzuschauen – die alten Namen, die Ihnen jetzt dazu spontan einfallen, sind wahrscheinlich ein hervorragender Anfang.

Wenn ich richtig liege – und Sie vielleicht sogar selbst zum Migranten werden sollten, sei es innerhalb von Deutschland, innerhalb von Europa oder einmal um die Weltkugel – dann wäre es ganz konkret klug, sich vorher sehr genau Gedanken gemacht zu haben, innerhalb welchen Wertesystems man glücklich werden kann – und dafür sollte man doch zuvor einige Wertesysteme und Weisheitslehren kennen!

Wenn ich aber falsch liegen sollte in meiner Vorhersage, dann hätten Sie eben, wie bei Pascals Wette, einige der größten und befriedigendsten Gedanken gelesen und wiederentdeckt, welche die Menschheit bis heute hervorgebracht hat.

Es tut sich etwas, in Europa und in der Welt. Die Zeit wird kommen, da werdet ihr euch wünschen, mehr gelernt, mehr gelesen, mehr nachgedacht zu haben.

Seid klug – und lest bei den Alten nach, was klug zu sein überhaupt bedeutet!

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