9.12.2020

Kniebeugen für die Schulen, Millionen für den Staatsfunk

von Dushan Wegner, Lesezeit 5 Minuten, Foto von Osman Rana
Deutschland 2020: Frierenden Schülern werden Kniebeugen gegen die Kälte empfohlen – der Staatsfunk will sich derweil weitere Hunderte Millionen Euro einklagen.
Kniebeugen für die Schulen, Millionen für den Staatsfunk
Telegram
Facebook
Twitter
WhatsApp

»Wo viel Licht ist, da ist auch Schatten«, so heißt es, und zu magischen Gelegenheiten, in gänzlich mondfreien Nächten etwa, wenn nichts als Schatten ist und alle Katzen grau sind, da wirft schon mal der eine Schatten ein überraschend grelles Licht auf einen anderen Schatten.

Ja, sie klingen mystisch, diese Worte zum Texteinstieg, geheimnisvoll und fast-schon-märchenhaft, und in den Märchen, da sind solche Dinge ganz gewöhnlich, die in unserer vernünftigen Welt nicht der Fall sein sollten – und wo wir gerade von Angelegenheiten plaudern, die geradezu mystisch scheinen und doch nicht unmittelbar einen Sinn ergeben, da sind wir bereits bei den Nachrichten des Tages!

Es ist die Eigenschaft schwerer Krankheiten – genauer: von Krankheiten, die als schwer bewertet werden – den Rest des Lebens in Beschlag zu nehmen, zu kontrollieren, zu reglementieren und sich selbst in allen Belangen zu priorisieren. Wer einen schwer Erkrankten kennt oder selbst ein solcher war, der hat erlebt, wie die Krankheit bald das Leben, Denken und Fühlen des Betroffenen und oft auch seiner unmittelbaren Umgebung prägt  – man könnte sagen: die Krankheit übernimmt das Leben. 

Wir stellen heute fest, dass nicht nur das Leben eines einzelnen erkrankten Patienten von einer Krankheit übernommen werden kann. Wir erleben, wie ganze Gesellschaften vom Virus kontrolliert werden (manche Beobachter würden formulieren: wie Regierungen das Virus nutzen, um Kontrolle zu erlangen). 

Wo Regierungen helfen, so gut sie können (und wollen?), und wo sie nicht helfen können (oder wollen?), da haben sie schon mal »gute« Ratschläge: In den Schulen soll im Winter mehr gegen das Virus gelüftet werden, so sagt Frau M., und wenn es den Schülern kalt ist, so empfiehlt die ewige Kanzlerin, dann sollen die Schüler eben Kniebeugen machen oder in die Hände klatschen (etwa n-tv.de, 8.12.2020). In Berlins Luxusrestaurants, wo sich die Strippenzieher mit und ohne Maske treffen, wurden längst Filter installiert – der Schulbesuch einfacher Schüler ist vielleicht nicht ganz so wichtig wie kulinarisch gewiss hochklassige Treffen mit Botschaftern, Haltungsjournalisten oder den ohnehin täglich getesteten Spitzenfußballern.

Einen Tag später, am 9.12.2020 erklärt Merkel im Bundestag, sie würde verstehen, dass Schulden von zukünftigen Generationen bezahlt werden sollen. Ich bin nicht sicher, wen genau »Mutti« mit »zukünftigen Generationen« meint, doch Leser mit Kindern, die noch ihr Leben vor sich haben, berichten mir seit Jahren nun, dass ihre Kinder ihr Leben mit der »Option Ausland« planen. (Randnotiz: Am 8.12.2020 sagte Merkel im Bundestag: »… und unser Handeln ist anders als das Handeln in Ländern, die stärker einer Diktatur gleichen.« – Damit hat die Zerstörerin implizit zugegeben, dass Deutschland bereits graduell einer Diktatur zu ähneln beginnt, mit der Entschuldigung, dass andere es eben noch »stärker« tun. Unbeantwortet blieb aber die Frage, warum man Maßnahmen vorantreibt, die offensichtlich nicht zu funktionieren scheinen.)

Am 8.12.2020 schrieb ich den Essay »Die Ingenieure ziehen fort«; seit Jahren wandern die Hochqualifizierten aus Deutschland aus, sehen für sich und ihre Familien keinen Sinn und keine Zukunft im Merkel-Staatsfunk-System. Meine E-Mail-Inbox füllte sich rapide mit E-Mails von Eltern, die berichteten, dass ihre Kinder längst auf dem Sprung ins Ausland sind oder dort angekommen, Mails von deutschen Fachkräften aus allen Teilen der Welt, und Mails von »alten« Ingenieuren, die ihre Karriere dieser Tage beenden oder bereits beendet haben, und auch sie sagen, dass sie es heute, in diesem sehr veränderten Land, anders tun würden als damals.

Während Merkel und das Virus dieses Land kontrollieren und abwürgen, lodert noch ein weiterer Krieg in deutschen Landen, und es geht um Geld. Nein ich meine nicht die Clankriege in Berlin (spiegel.de, 6.12.2020). Ich meine den reichsten, teuersten und luxuriösesten Staatsfunk der Welt, den es nach noch mehr Geld hungert. Während die Gottgleiche den Schülern rät, gegen das Frieren in die Hände zu klatschen – selbst ein Kim Yong Un würde für solchen Rat schräg angeschaut werden – fordern ARD und ZDF mit viel Nachdruck hunderte Millionen Euro mehr im Jahr – und sie wollen dafür vors Bundesverfassungsgericht ziehen, und so selbstredend wie zynisch sind die teuren Anwälte hierfür wahrscheinlich auch von Zwangsgebühren bezahlt (siehe etwa bild.de, 8.12.2020).

Das ist die Situation Deutschlands: Die Schüler machen Kniebeugen gegen die Kälte und klatschen in die Hände, damit sie den Bleistift noch halten können, Arbeitnehmer ächzen oder werden ganz entlassen, Unternehmen bauen Stellen ab und Ingenieure wandern aus – nur der Staatsfunk, der schwimmt in Milliarden Euro (zusätzlich zu den direkten Propaganda-Millionen der Regierung; siehe »1,1 Milliarden Euro – willkommen im Propagandastaat« vom 27.11.2020), und er will noch mehr.

Merkels weltfremder Rat ist wie ein Schatten, die Abwesenheit (höheren?) Lichtes. Die endlose Gier der Staatsfunk-Bosse, die schon jetzt monatlich ein Jahresgehalt kassieren, auch sie ist ein Schatten. Hier wirft allerdings wirklich ein Schatten ein Licht auf den anderen Schatten. Es wird deutlich, wo in Deutschland die Prioritäten wirklich liegen. Niemand zieht vors Bundesverfassungsgericht, um Schülern vernünftige Lüftung, ausreichendes und ausreichend digital gebildetes Personal und die notwendigen Geräte zu finanzieren.

Manchem Patienten tut es gut, schon in der Krankheit für »die Zeit danach« zu planen. Bei manchem Kranken könnte allerdings der (zusätzlich!) nagende Verdacht aufkommen, dass seine Planung für die »gesunde Zeit danach« Illusion und Zeitverschwendung ist.

Was aber, wenn es so bleibt? So oder so ähnlich?

2016, im Text »Die Freiheit nehm‘ ich mir« (den manche Kommentatoren damals als eine Art »Manifest« bezeichneten) schrieb ich vom »Krieg um Wichtigkeit«: Man will uns vorgeben, was uns wichtig zu sein hat – und deren Wichtigkeit ist nicht unbedingt dieselbe wie unsere.

Mancher Kranke berichtet, dass seine Krankheit – so er sie überlebte – ihn ein neues Bewusstsein für das ihm wirklich Wichtige entwickeln ließ. Wenn uns alles genommen zu werden droht, wird uns bewusst, was uns wirklich wichtig ist.

Die-da-oben wissen recht genau, was denen wichtig ist, und sie treiben es jeden Tag voran –  vielleicht ist das deren eigentliche Stärke. Es liegt an uns, unsere Stärke neu zu entdecken. Jeder Tag ist ein guter Tag, für uns selbst neu nachzuziehen, was uns wichtig ist.

»Weiterschreiben, Wegner!«

Diese Texte – bei /liste/ finden Sie alle (bislang) 987 Essays! – und der Betrieb dieser Website sind nur mit Ihrer freiwilligen Unterstützung möglich. Es geht einfach und schnell via Kreditkarte oder PayPal – und schon jetzt: Dankeschön!

Jahresbeitrag(entspricht 1€ pro Woche) 52€

Mit Freunden teilen

Telegram
Reddit
Facebook
WhatsApp
Twitter
E-Mail

Dushan anziehen

alle Designs: /merch/ →

Wegner verstehen

Alles, was ich schreibe, basiert auf einer bestimmten Philosophie, den Relevanten Strukturen. In diesem Buch erkläre ich Ihnen, wie ich denke.

alle Bücher /buecher/ →

Kniebeugen für die Schulen, Millionen für den Staatsfunk

Darf ich Sie via E-Mail darauf hinweisen, wenn ich einen neuen Text schreibe? (Via Mailchimp, gratis und jederzeit mit 1 Klick abbestellbar – probieren Sie es einfach aus!)