28.8.2020

Der linke Mob, eine »no dad gang«

von Dushan Wegner, Lesezeit 8 Minuten, Foto von Nick Cooper
Jemand nannte die prügelnden linken Banden die »no dad gang«. Es ist ein fieser Spitzname, aber ist er auch falsch? Anders gefragt: Sind Linke einfach nur unglücklich, und ist ihre rasende Wut »nur« die (hochgefährliche!) Äußerung ihrer Zerrissenheit?!
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Ich bitte schon jetzt um Vergebung, sollte das, wovon ich hier schreiben werde, in einigen von uns an alte Wunden und schmerzende Stellen stoßen. – Es erscheint mir notwendig, einen neuen bissigen Begriff zu bereden – es ist ein schmerzender, stechender Begriff, er wird im Englischen von drei Wörtern mit jeweils einer Silbe transportiert, und diese drei Wörter sind: No Dad Gang.

»Sprecht nicht von der Antifa«, so höre ich es derzeit in den USA sarkastisch rufen, »sprecht von der ›No Dad Gang‹!«

Wer seinen Vater aus diesem oder einem anderen Grunde zu früh verlor, oder wer ihn gar nicht erst (persönlich) kannte, wessen Vater aus diesem oder einem anderen Grund nicht zum Vorbild taugte und nicht zur »Vaterfigur«, der könnte irritiert sein: »Frechheit! Ich bin doch kein Banden-Mitglied!«

Ich bitte diese Teilgruppe unter Ihnen, liebe und stets geschätzte Leser, um etwas Nachsicht. Ich habe mir diesen Begriff nicht ausgedacht, ich habe ihn vorgefunden – und ihn für nicht-trivial befunden. Ich dokumentiere den Begriff, und ich will ihn verstehen, denn Erfahrung und Bauchgefühl sagen mir, dass er helfen kann, genau diese Zeit zu verstehen.

Was ist die Botschaft?

Es ist keine überraschende Skandalmeldung mehr, dass und wenn Antifa-Banden irgendwo in der westlichen Welt auf Bürger losgehen. Aktuell agieren etwa in den USA die Antifa-Banden als eine Art »militärischer Arm« der US-Democrats (die übrigens aktuell auch öffentlich erwägen, den zunehmend gebrechlicheren Joe Biden nicht zu Debatten gegen Trump antreten zu lassen; Biden selbst widersetzt sich noch der Empfehlung seiner politischen Kollegin Nancy Pelosi, siehe etwa breitbart.com, 27.8.2020 oder nytimes.com, 27.8.2020).

Aus Washington, D.C. erreichen uns die Bilder eines linken Mobs (man findet sie sogar in deutschen Großmedien, etwa welt.de, 27.8.2020), der auf eine einzelne im Restaurant sitzende Frau einbrüllt, und sie zwingen will, die Hand zur sozialistischen Faust des »Black Lives Matter«-Mobs zu heben – dass es vorwiegend Weiße sind, die hier, je nach Deutungsweise die Bolschewiken oder Faschisten der Neuzeit spielen, dies aber im Namen der Schwarzen tun, gehört zu den Absurditäten des Jahres 2020. (Randnotiz: Was ist die Botschaft, wenn Weiße als die lautesten und also peinlichsten Black-Lives-Matter-Aktivisten auftreten? Dass Weiße »die besseren Schwarzen« seien?)

Aktuell findet in den USA der Parteitag der Republikaner statt, und der linke Mob führt vor, was mit dem scharfen Begriff »no dad gang« gemeint sein könnte (er wird etwa von Ian Miles Cheong zitiert, siehe @stillgray, 28.8.2020).

Wir sehen die an der eigenen Vulgarität berauschten Vermummten, die ältere Herrschaften und Ehepaare anpöbeln, wenn und weil diese den Parteitag verlassen (schauen Sie einfach selbst, etwa hier: @TPCarney, 28.8.2020). Älteren, höflichen Ehepaaren werden von Antifa-Schergen die »linken Argumente« wie »Fuck You!« ins Gesicht gebrüllt und vulgäre Gesten ins Gesicht gehalten (siehe @AriFleischer, 28.8.2020).

Wir sehen die linken Demonstranten und wir sehen in ihnen einen aufgeheizten, aggressiven, gehirngewaschenen, primitiven und auf seine animalischen Triebe reduzierten Mob – der wähnt, in seiner zerstörerischen Wut moralisch gerechtfertigt zu sein.

Einige sehen im aufgepeitschten linken Mob aber (auch) eine »no dad gang«.

Vater, nicht Kumpel

Bis eben noch hieß es, dass moderne Väter ihren Kindern ein »Kumpel« sein sollen, dass sie Dinge »ausdiskutieren« wollen und Dinge sagen wie »du, das tut dem Jonas-Martin aber weh, wenn du ihm mit der Gabel ins Auge stichst«. Im 2020-Stress ist die Debatte deutlich leiser geworden, wie »moderne Väter« heute denken, reden und handeln sollen. Warum? Weil wir einfach zu überleben versuchen? Weil wir froh sind, wenn überhaupt irgendein Vater da ist? Da wir es in Wahrheit immer wussten, dass das mit dem »Kumpel« falsch ist, und weil die Debatte wenig mehr als ein weiteres linkes Fake-Thema war?

Nein, ich versuche nicht, meinen Kindern ein »Kumpel« zu sein. Ich höre mir an, was sie sagen – oder Elli berichtet es mir – doch ich debattiere meine Entscheidungen nicht mit ihnen.

Nein, ich bin kein Kumpel und kein Weihnachtsmann, trotz Bart. Ich bin Vater, und als solcher nicht selten der »Ist jetzt gut«-Mann.

Ihr wollt einen dritten Nachtisch? – Nein, ihr Licht meiner Augen – es ist jetzt gut!

Ihr wollt um zehn Uhr Abends noch aufbleiben? Die vierte Sportart in diesem Jahr anfangen? Noch ein weiteres Dutzend zur Geburtstagsfeier einladen? Noch mehr Lego kaufen? – Immer wieder: Ne, ihr Kinderlein, ist jetzt gut.

Ich bin Vater, und eine meiner nicht-ganz-unwesentlichen Aufgaben ist es, der »Ist jetzt gut«-Mann zu sein.

Ich werde dereinst nicht danach bewertet werden, wie viel Szenenapplaus ich von meinen Kindern bekam, sondern danach, ob ich sie einigermaßen stabil auf die Schienen setzte, um glückliche Menschen sein zu können.

Nicht erst seit der Randale der »no dad gang« stellen die Erwachsenen unter den Erwachsenen besorgt fest, dass aktuell eine Generation aufwächst, die nicht lernte, mit Grenzen umzugehen.

Nein, dies ist nicht dasselbe Klagen über die »Jugend von heute«, das man seit buchstäblich »biblischen Zeiten« kennt.

Die »jungen Leute«, von denen wir heute reden, sind oft nicht (mehr) Menschen, die Grenzen erleben und übertreten – das waren all die Generationen vor ihnen, inklusive Elli und mir.

Die »jungen Leute«, von denen wir heute reden, haben kaum ernsthaft gelernt, was Grenzen sind – und das ist nicht ungefährlich.

In extra-traditioneller Vorstellung spielt die Mutter die liebevolle, verstehende, fürsorgliche Elternrolle – und der Vater spielt, unter anderem, die Jetzt-ist-aber-gut-Rolle.

Eine »no dad gang« ist eine Anrottung von Leuten, denen nie »jetzt ist aber genug« gesagt wurde – und die so unglücklich darüber sind, dass sie Menschen zusammenschlagen und Städte niederbrennen wollen.

Die verheerende Kombination einer Erziehung ohne verinnerlichte Grenzen bei gleichzeitiger Reduktion des Denkens auf Trigger-Reaktionen resultiert in einem animalisch brüllenden Mob, ob er wie in Deutschland »Wir sind mehr!« brüllt, oder eben wie in den USA: »Fuck You!«

Entweder, oder

Wenn es nicht in die Nähe des Entschuldigungsversuchs gerückt werden könnte, würde man dem so in seiner Existenz traurigen wie verachtungswürdigen linken Mob zurufen wollen: Eure Gewalt ist nur ein fehlgeleiteter Schrei nach einer Vaterfigur!

(Wir haben gehört, ohne Namen nennen zu wollen, dass es auch Antifa-Schläger geben soll, die durchaus einen biologischen Vater hatten, und dieser zusätzlich auch noch in der Politik tätig war/ist. Wir gehen höflich nicht näher auf solche Fälle ein.)

Wenn wir nur diese beiden Interpretationen zur Verfügung hätten, welche klänge plausibler? – Entweder: Die Antifa, die Andersdenkenden zusammenschlägt und »Fuck you!« brüllt, hat sich mit den politischen Positionen ihrer Gegner beschäftigt und ist zur Erkenntnis gelangt, dass solches Handeln sie an ihr Ziel einer besseren Welt bringen wird. – Oder: Die »no dad gang« ist verzweifelt und unglücklich, weil sie nie einen Vater kennenlernte und/oder das Leben sie auch sonst nicht lehrte, wie wichtig Grenzen sind, und ihr Geschrei ist wenig mehr als das Herausbrechen einer verzweifelten Angst, dass es für sie zu spät sein könnte, eine echte Vaterfigur zu finden.

Hunger mit Essen zu stillen

Linke Ideologen haben wenig Chance, logisch betrachtet, glücklich zu werden – der immer rasender auftretende linke Mob ist die zwingende Konsequenz linker Anti-Werte-Ideologie. Glück braucht Ordnung. Glück braucht Werte und ein Bewusstsein der eigenen relevanten Strukturen. Der »Generation Teilnahmepreis« wurden kaum alte, bewährte Werte vermittelt, nur Floskeln, Phrasen und die linken Scheißhausparolen der Tagespropaganda. (»Toleranz« ist kein Wert, sondern suizidale Abstumpfung und Abtötung des Selbstbewahrungstriebs. Wenn es nach dem Wortsinn geht, ist kaum jemand weniger »tolerant« als jene, die sich das Label »Toleranz« anheften.)

Wäre der linke Mob nicht in seinem Verhalten derart unsympathisch und in seinem offenen Kampf gegen die Werte der Demokratie derart gefährlich, würde man beinahe Mitleid für deren Dilemma empfinden: Die »no dad gang« sehnt sich nach Werten – doch ihr wurde antrainiert, alle Werte zu verachten.

Der linke Mob ist wie ein Hungernder, der von einem geistigen Wahn daran gehindert wird, Essen zu essen, obgleich die Speisen reichlich vor ihm aufgetischt wurden, und also wird er immerzu hungriger, und er steigert sich zugleich in immer rasendere Wut auf alle jene, die ganz selbstverständlich ihren Hunger mit Essen zu stillen wissen.

Was einem verwehrt blieb

Ich weiß, dass einige von Ihnen selbst keinen Vater hatten, aus diesem oder jenem Grund. Ich vertraue darauf, dass Sie erkennen, dass es nicht die Vaterlosigkeit ist, die ich kritisch angehe – es ist die Abwesenheit von durch und an Grenzen geformten Werten, die wütende Sehnsucht nach jenen Werten (die früher traditionellerweise von Vätern vermittelt wurden), ein Sehnsucht nach Werten bei gleichzeitiger aggressiver und manischer Verachtung eben dieser Werte (und teils sogar der Väter – man redet sich ein, zu hassen, was einem verwehrt blieb).

Wer keinen Vater hat, muss sich selbst Vater sein. Früher oder später werden wir ein jeder von uns ohne Vater sein. (Ich weiß: Einige Kinder sterben vor ihren Eltern, das ist ein wiederum eigenes, recht grausames Schicksal.) – Wir tun gut daran, schon früh zu lernen, uns selbst Vater zu sein, uns selbst zu sagen: Ist gut jetzt!

»Jeder Mensch muss sich selbst Vater sein« – was heißt das aber? Es heißt, dass wir unsere eigenen Werte verinnerlicht haben sollten – und wir sollten, wie Väter zu gelegentlichem Überdruss ihrer willigen wie unwilligen Zuhörer es praktizieren und in der Lage sein, unsere Werte auch zu benennen, ja sie tatsächlich auszuformulieren.

Je rasender deren Wut

Ich bitte ein weiteres (und nun letztes) Mal um Verständnis und Verzeihung, wenn der Begriff der »no dad gang« en passant etwas Schmerz hervorrief. – Dass es hier wehtut, bedeutet nicht, dass es dort falsch ist.

Der linke Mob, der ja erschreckend viele Sympathisanten und Unterstützer »weiter oben« hat, er ist zuerst gefährlich für Demokratie und Gesellschaft, er ist eben auch ein bedauernswertes Kind dieser Zeit und ihrer Ideologien.

Wir können und sollten es lernen, der so unglücklichen, im Wortsinne wie auch metaphorisch, brandgefährlichen »no dad gang« aus dem Weg zu gehen. Je rasender deren Wut brennt, umso klüger muss unsere Vorsicht walten.

Wir haben wenig Wahl, außer klug zu werden – jeden Tag klüger als am Tag zuvor, stets ein klein wenig vorsichtiger als notwendig – und hoffentlich auch bald (noch) mutiger als wir es bislang waren! Die Dummheit ist nicht stabil, doch solange sie wütet, achtet mit aller eurer Kraft auf das, was euch wichtig ist!

Noch dies: Werdet klug! Werdet geschickt darin, der Dummheit auszuweichen. Wenn ihr einen Vater habt, dann schätzt ihn, und schätzt ihn bitte auch dann, wenn er euch sagt: Ist gut jetzt!

»Weiterschreiben, Wegner!«

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