22.12.2019

Es ist okay, okay zu sein!

von Dushan Wegner, Lesezeit 6 Minuten, Bild von Annie Spratt
2019 war das Jahr der Moralprediger (und -innen!), die uns einreden, dass alles was wir tun, »nicht okay« sei. Zur Arbeit fahren? Nicht okay! Ausatmen? Doppel-nicht-okay!! Ich widerspreche. Ich bin okay, und mein neues Motto ist: Es ist okay, okay zu sein!
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Fisch ist gesund und gut für den Körper, und manchmal serviert man auch den Gästen etwas gebratenen Fisch. Gäste wiederum können nett sein, und wenn sie nett sind und vielleicht noch klug, dann sind sie gesund für die Seele. Gäste und Fische beide, das weiß die Volksweisheit genau, stinken nach drei Tagen (und einige Fische wie Gäste noch merklich früher) – wie schmackhaft und charmant sie anfänglich auch sein mögen.

Und dann gibt es noch die Moralisten, die sind ähnlich wie Gäste und Fisch. Der Einfluss von Moralisten auf die öffentliche Debatte ist so erheblich wie ihr Ruf in den klügeren Kreisen fischig ist.

Auch ich kritisiere gern und regelmäßig die Heuchelei und Hybris der moralpopulistischen Populärmoralisten, doch meine Kritik besteht nicht einmal nur darin, dass sie ihrem nah am Halbseidenen gewebten Gewerbe überhaupt nachgehen, sondern zuerst und zuletzt darin, dass ihr Einfluss so groß ist.

Moralin (und mit Moralin meine ich die moralische Ermahnung bei großer Selbstgewissheit) ist wie Salz, und ein wenig Moralin kann der allgemeine Debatte durchaus etwas interessante Würze geben, doch zu viel ist eben zu viel!

Wenn der Koch die Suppe versalzt, ist das denn nur die Schuld des Salzes? Ich kritisiere weder Salz noch Moralisten, ich kritisiere den Koch und die Gesellschaft, die die Suppe bis zur Giftigkeit versalzen. – »Ihr seid das Salz der Erde«, so ruft Jesus seine Jünger auf (Matthäus 5:13a), uns alle zu nerven, doch wenn das Salz in der Erde zu viel wird, dann wächst dort weder Ähre noch Blümelein, dann wird die fröhliche Wiese zum freudlosen Salzacker.

Die Botschaft ist stets…

Die letzten Jahre des Lebens im besten Salzacker aller Zeiten waren geprägt von Moralisten, die uns allezeit einredeten, dass wir nicht okay sind, dass wir immerzu schuldig sind, dass wir schuldig sind, wenn wir ausatmen, dass wir schuldig sind, wenn wir zur Arbeit fahren, um das Geld für Steuern und Zwangsgebühren zu verdienen, dass wir schuldig sind, wenn wir das Licht anmachen, während wir unsere Steuererklärung ausfüllen, dass wir schuldig sind, wenn wir die Heizung andrehen – und wehe wir fragen uns, warum diese Leute denn selbst nicht schuldig sind, wenn sie ihre überflüssigen Büros und sonstigen Paläste beheizen, oder wenn sie um die Welt jetten, um uns ob unserer Schuldigkeit zu belehren oder einfach nur ein Eis in Florida zu schlecken.

Wer waren denn die prominenten Themen und Köpfe des Jahres 2019? Ob Habeck oder Thunberg, ob Kühnert oder Neubauer oder all die Haltungssöldner in den Redaktionen – ihre Botschaft ist stets: Du bist nicht okay!

»It’s Okay To Be Different« lehrt ein beliebtes Kinderbuch, und ich stimme zu. Andersdenkende und Abweichler mögen den Linken heute als »Nazis« ohne »Haltung« gelten, doch ich bin auf der Seite derer, die selbst denken und selbst bestimmen, was ihnen wichtig ist – es ist okay, selbst zu denken und zu anderen Schlüssen zu kommen als die gehorsame Masse. 

Ich wage es, hier und heute und für das kommende Jahr, diesen Spar-Moralisten zu widersprechen. Wer sind die Figürchen denn, was haben sie geleistet (außer zu schwätzen), welche Verdienste sollen sie angesammelt haben, dass die Ihnen oder mir einreden wollen, dass wir nicht okay seien, dass wir uns deren Moraldiktat beugen müssten?

…der wird heute Moralist

Es gibt einige Berufe, in denen man es ohne formale Qualifikation und spezielles Fachwissen zu Geld bringen kann, dazu zählen etwa Politik, Journalismus oder Prostitution, und einige davon (nicht alle) beinhalten, dass man mangelnde Qualifikation durch lautes Einfordern von Moral ersetzen kann (im Buch »Talking Points« behandele ich das Einfordern von Moral im Abschnitt »Populismus«).

Wer nichts kann, wenig Skrupel hat, vom Schwätzen abgesehen faul ist und doch komfortabel leben will, der wird heute Moralist.

Die Gehälter studierter Ingenieure sogar nach Jahrzehnten von Erfahrung liegen unter den Einstiegseinkommen von Bundestagsabgeordneten mit abgebrochenem Studium (siehe merkur.de, 18.9.2018: »Wie viel verdienen Ingenieure in Deutschland?«, bundestag.de, Juli 2019: »Die Abgeordnetenentschädigung beträgt seit dem 1. Juli 2019 monatlich 10.083,47 Euro« – und zu Nebeneinkünften lese man etwa abgeordnetenwatch.de, 16.08.2019). Ja, man kann vom Moralismus wohlversorgt leben, doch ob man ein derart investiertes Leben auch »gut« findet, das muss man eben selbst entscheiden.

Nach so viel Kritik an Moralisten könnte man nun meinen, ich wollte das Moralistentum ganz abschaffen, doch das wäre auch nicht ganz richtig – Moralisten mögen häufig moralisch fragwürdige Gestalten sein, doch das heißt noch nicht, dass sie in allen Punkten falsch liegen!

Unterhaltsam, erfrischend

Das Kind, das uns sagt, dass der Kaiser nackt ist, kann darin ja durchaus richtig liegen – und doch wäre es ein Fehler, dem Kind anschließend jeden kindischen Gedanken zu glauben und es zum König an Stelle des Königs zu machen!

Früher hieß es: »Ich bin okay, du bist okay.« – Das Motto der Moralisten ist: »Ich bin moralisch überlegen, und du bist nicht okay.« – Von Zeit zu Zeit finde ich Moralisten und andere Prediger ganz charmant, oder sagen wir: unterhaltsam, vielleicht sogar erfrischend, doch allmählich stinken mir diese Leute wie alter Fisch.

Es war ja gar nicht verkehrt, dass die Ökos uns daran erinnerten, uns ein wenig mehr um die Umwelt zu kümmern – doch sie auch tatsächlich die entsprechende Politik bestimmen zu lassen, das ist wie wenn man das freche Kind zum König machen würde – ein freches Kind mag niedlich sein, dasselbe Kind als König eingesetzt bringt Chaos, Leid und Elend.

Ich bin es satt, von um-die-Welt-fliegenden Öko-Aktivisten gesagt zu bekommen, dass es moralisch verderblich sei, zur Arbeit zu fahren um sein Geld zu verdienen. Ich bin es satt, von Politikgroßverdienern erzählt zu bekommen, dass es moralisch verderblich sei, im Supermarkt normales Essen für meine Familie zu kaufen. (Und ich bin es doppelt und dreifach satt, von wohlstandsverwahrlosten Dummschwätzen erklärt zu bekommen, dass meine Familie den Sozialismus, aus dem wir geflohen sind, nur nicht richtig verstanden hat.)

… okay zu sein!

Ich bin okay, und ich bestehe darauf, okay zu sein. Es ist ein neues Motto von mir, und ich habe mir sogar ein T-Shirt-daraus gemacht: »Es ist okay, okay zu sein!«

Es ist okay, zu essen, was Menschen seit buchstäblich hunderttausenden von Jahren essen. Es ist okay, dass ich arbeiten und meinen Kindern das bestmögliche Leben ermöglichen will – und dass ich halbwegs würdig und möglichst lebendig zur und von der Arbeit kommen will (dass es überhaupt gesagt werden muss ist schon ein Zeichen des linksgrünen Wahnsinns dieser Zeiten). Es ist okay, zu genießen, was man sich erarbeitet hat. Es ist okay, seine Familie zu lieben, seine Stadt, sein Land, und ja, sein Volk.

Es ist okay, daran festzuhalten, was wir gemeinsam über Jahrhunderte gelernt haben, teils durch bittere Schulen. Es ist okay, seinen Verstand zu gebrauchen und seiner Erfahrung zu vertrauen. Es ist okay, Angst zu haben – und es ist sogar okay, mal »nicht okay« zu sein!

Es ist okay, dagegen anzukämpfen, dass sich die von falscher Moral vergiftete Salzwüste linker Heuchelei noch weiter ausbreitet. Es ist okay, einfach nur leben zu wollen.

Es ist okay, dafür zu kämpfen was einem wichtig ist, und wer dafür kämpft, was einem wichtig ist, der ist definitiv auch okay. Es ist okay, Fische, Gäste und Moralisten fort zu schicken, wenn sie zu stinken beginnen.

All das und noch mehr, in einem Satz: Es ist okay, okay zu sein.

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