19.5.2020

Milliarden für die Welt, die Schulden bleiben hier

von Dushan Wegner, Lesezeit 9 Minuten, Foto von Jason Mowry
500 Milliarden Euro mal eben futschi, Arbeitsplätze futschi, … – derweil prügeln Linksextreme auf Bürger ein und eine »antikapitalistische Linke« wird zur Verfassungsrichterin ernannt. Was zum Honecker ist in Deutschland los?!
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Ein dicker Mann. Auf dem Sofa. Schmerbauch im fleckigen Unterhemd, in der einen Hand die Bierflasche, in der anderen die Fernbedienung, vor ihm flimmert die Glotze – Fußball, Nachrichten, irgendwas.

(Ja, das ist eine Karikatur und ein Klischee, eine mit Worten gezeichnete Zuspitzung. – Weiter in der Karikatur!)

Die Frau unseres dicken Fernsehguckers sitzt derweil am Esstisch. Auf der Nase trägt sie ihre Lesebrille, vor ihr steht ein Stapel von Lebensmittel-Packungen und ihr Smartphone. Die Frau hört gar nicht mehr die Klangkulisse aus der neuesten Propaganda des Staatsfunks und dem Rülpsen ihres Mannes, denn sie ist ganz damit beschäftigt, wie jeden Abend die Zutaten und Marken der Produkte mit den neuesten Meldungen aus dem Internet abzugleichen. Wenn sie eine Zutat entdeckt, die laut einem obskuren Internet-Blog ungesund ist, wirft sie diese weg (oder gibt sie ihrem Mann zu essen, zum Bier). Und wenn sie entdeckt, dass der Chef einer Marke etwas gesagt hat, was gegen den Geist der gleichgeschalteten Tageswahrheit spricht (aber durchaus von ihrem Mann gesagt werden könnte, wenn er zu viel vom Bier hatte und allzu mutig wurde), dann wirft sie es nicht nur weg – dann geht sie in der Siedlung von Tür zu Tür und fordert alle ihre Kolleginnen-im-Geiste auf, diese nun »böse« Marke weder zu kaufen noch zu verkaufen.

Ach ja, ein paar Pinselstriche zu unserer Karikatur noch: Während der eine mit der Bierflasche in der Hand auf die Glotze starrt, die andere hektisch die ökologische sowie politische Korrektheit der Tofupastete kontrolliert, lodern vorm Haus die Flammen, wird das Fundament des Hauses unterspült und der Bürgermeister verscherbelt gerade die ganze Straße an dunkle Mächte.

Zum Glück ist das alles nur eine Karikatur, ein Witz, und was haben Witze schon mit der Wahrheit zu tun?

Es ist »heilbar«.

Anfang 2017 schrieb ich den Essay »Die letzten Tage des Westens«, und die ersten Worte klangen so:

In der Bibel, im Buch Daniel, Kapitel 5, wird der Prophet zum König Belchazar gerufen. Daniel soll eine an der Wand erschienene Inschrift deuten. Die Inschrift lautet: »Mene mene tekel u-parsin«.

Der Prophet deutet die Schrift so: »Mene, das ist, Gott hat dein Königtum gezählt und beendet. Tekel, das ist, man hat dich auf der Waage gewogen und zu leicht befunden. Peres, das ist, dein Reich ist zerteilt und den Medern und Persern gegeben.«

Was ist es denn heute, das an den Wänden geschrieben ist? Welche Reiche werden heute zerteilt und, rein metaphorisch gesprochen natürlich, »den Medern und Persern« gegeben?

Wer dachte (oder hoffte, wie ich…), Merkel hätte 2015 den Höhepunkt ihres zerstörerischen Schaffen erreicht und alles danach sei Nachklapp, der sieht sich heute eines Gruseligeren belehrt.

Ex-FDJ-Funktionärin Merkel und Ex-Rothschild-Banker Macron verkünden aktuell, dass sie endlich umsetzen werden, was Sozialisten, EU-Bürokraten und Deutschlandhasser seit langem forderten: Gemeinsame Europäische Schulden. Begründung ist Corona, klar. Trägt es wirklich noch Informationsgehalt, warum Merkel diesem Land schadet? Das Geld wird übrigens »an den Finanzmärkten« geliehen – mit sehr langen Laufzeiten. (welt.de 18.5.2020)

Ein Twitterer kalkuliert es so vor:

Versailles II: Umgerechnet pro eigenem Einwohner €1.600 schenkt Deutschland dem EU-Ausland, damit trotz #Corona weiterhin Franzosen mit 60 und Italienerinnen mit 58 in Rente gehen können. (@ShakRiet, 19.5.2020)

 

Ich halte wenig von den Verschwörungstheorien, wonach Deutschland eine »GmbH« sei – ein Geschäftsführer hätte bei einer Geschäftsführung, wie Merkel & ihre Helfer sie betreiben, längst so richtig großen Ärger am Hacken.

Der anonyme YouTuber »Rezo« (siehe auch »Umweltpanik? Nein, danke!«) rühmte sich einst damit, die »Zerstörung« der CDU vollbracht zu haben. Merkel könnte mancher nachsagen, die Zerstörung Deutschlands zu betreiben. Es steht zu befürchten, dass Merkel weit, weit erfolgreicher sein wird.

Frau Merkel hat gewiss, wie alle ehemaligen DDR-Funktionäre, ein lupenreines Verhältnis zu Demokratie, Rechtsstaat und Wahrheit. Von Merkels makelloser Demokratieliebe zeugen ihre Einlassungen zu Thüringen, als sie via »unverzeihlich«-Dekret eine demokratische Wahl quasi annullieren ließ (siehe Essay vom 6.2.2020), was dem Kandidat der umbenannten SED, Bodo »Genosse Stalin ;-)« Ramelow, zur erneuten Macht verhalf. Von Merkels unbezweifelter Rechtsstaatstreue zeugen nicht nur ihr Handeln in 2015 oder das Schadloshalten von Banken, die sich in Griechenland verspekuliert hatten, ebenso ist es ein Ausweis ihres unverbrüchlichen Einstehen für das Wohl Deutschlands, wenn sie ein nicht-deutschlandfeindliches Urteil des Verfassungsgerichts quasi als Krankheit bezeichnet (es sei, Zitat: »heilbar«, so tagesspiegel.de, 11.5.2020). (Muss man noch extra dazusagen, dass auch Herr Soros das Urteil nicht so toll fand? Siehe augsburger-allgemeine.de, 11.5.2020.)

Ist 2020 das Jahr, in dem endgültig der Geist und einiges des Personals der DDR die Bundesrepublik erfüllten und übernahmen? Nun, in Schwerin wurde eine sympathische Dame namens Barbara Borchardt zur Landesverfassungsrichterin gewählt (jungefreiheit.de, 19.5.2020). Frau Borchardt trat 1976 in die SED ein (es war ein Jahr des Aufbruchs, Honecker löste Ulbricht ab, und die SED verschärfte ihr Profil als »Kampfbund gleichgesinnter Kommunisten«), und bis heute, so liest man, ist Frau Borchardt ein Mitglied in der »Antikapitalistischen Linken«. Ein weiteres Mal werden wir an »Poe’s Gesetz« erinnert, wonach das Extreme nicht von seiner Persiflage zu unterscheiden ist – doch wenn es ein ganzes Land ist, genauer: wenn es mein Land ist, das zu seiner eigenen Karikatur wird, dann ist mir wenig zum Lachen zu Mute.

Während Merkel und Konsorten unglaubliche Summen raushauen, werden in Berlin die Prinzipien des Rechtsstaats ganz offen angegriffen. Wenn ein Bürger einen Polizisten anzeigt, obliegt es diesem zu beweisen, dass er unschuldig ist (so bz-berlin.de, 17.5.2020); außerdem wird Vereinen und »Aktivisten« (neudeutsch für qualifikations- und arbeitslose Linke?) die Möglichkeit geschaffen, stellvertretend für einen Bürger zu klagen – uns droht die ohnehin menschenfeindliche und demokratieschädliche politische Korrektheit im Einsatz zur gezielten und bewussten Lähmung des Staates im Namen des Kampfes gegen Diskriminierung. (Aus Duisburg wird derweil berichtet, siehe bild.de, 18.5.2020, dass es zur Verhaftung eines einzelnen Clan-Mitgliedes mehrere Streifenwagen brauchte – könnte der Clan in Berlin nun wegen »Diskriminierung« klagen, woraufhin die Polizisten ihre Unschuld beweisen müssten, wissend dass in Deutschland immer derjenige Recht hat, der »Rassismus« schreit, so damit nicht Rassismus gegen Deutsche oder Nachbarstaaten gemeint ist – der ist auch weiterhin »gut« im linken Sinne.)

Manchen in Deutschland geht aber auch dieses politische Schleifen der demokratischen Werte nicht schnell genug – wir beginnen von gezielten Tötungsversuchen durch linke Straßenterroristen zu hören (aktuell etwa aus Stuttgart, badische-zeitung.de, siehe 18.5.2020, Stand 1.6.2020: Artikel ist nicht mehr verfügbar, aber z.B. bei FAZ, 19.5.2020 nachzulesen). Linker Straßenterror ist eben links und damit wohl »von den Guten«, auf jeden Fall hört man nur selten im Staatsfunk davon – es passt nicht ins »Framing«. Im Relotiusblatt scheint man derweil auf bizarre Weise den Angriff durch Antifa-Schläger auf einen Staatsfunk-Trupp auf einen fehlgeleiteten Angriff auf einen eher rechten Medienmacher reduzieren zu wollen, weil dieser sich zeitweise im selben Studio einmiete (wie viele andere auch, siehe spiegel.de, 18.5.2020).

Das Menetekel zu lesen

Sie und ich liebe Leser, wir lesen die »Zeichen an der Wand«, das sprichwörtliche Menetekel, und wir fühlen uns an jene auf George Santayana zurückgehende Weisheit erinnert: Wer aus der Geschichte nicht lernt, der ist gezwungen, sie zu wiederholen – und wir ergänzen: doch wer aus der Geschichte lernt, der ist gezwungen, hilflos dabei zuzusehen, wie die tumbe Masse sie wiederholt. (Frage am Rande: Ist es besser, unwissend Hoffnung zu hegen oder wissend in den Abgrund zu sehen?)

Demokratie setzt ein Minimum an Debatten- und Denkfähigkeit der Wählerschaft voraus – und einen breiten medialen Raum, in welchem diese Debatte stattfindet. Staatsfunker Schönenborn nannte die von allen deutschen Haushalten zu zahlende Propaganda-Zwangsgebühr eine »Demokratie-Abgabe« (ard.de, 17.12.2012), und es ist auf eine unbeabsichtigte Weise wahr: Indem die öffentliche Debatte vom monsterhaft großen Politikfunk auf Planschbeckenniveau gebracht wird, »gibt« Deutschland seine Demokratie »ab«. Staatsfunk bedeutet langfristig Abgabe der Demokratie.

Im Text »Vorabend der Idiokratie« (6.10.2018) fragte ich:

Spüren Sie auch diese Übelkeit, wenn Sie heute Nachrichten lesen? Sagen Sie sich auch, »das kann doch nicht wahr sein«, und es ist doch wahr? Das ist, wie sich »Idiokratie« anfühlt, genau das.

In Deutschland werden, immer offener, immer zynischer, immer brutaler die Werte der Demokratie und der Nationen als ihrem Garanten verletzt, beschädigt und schlussendlich aufgegeben. Wer sich in Deutschland auf Recht und Verfassung beruft, der fürchtet bald, von der Polizei abgeführt oder gar von Behörden überwacht zu werden – doch wer die Grundfesten der Nation ablehnt, der kann noch immer Journalist beim Staatsfunk oder womöglich sogar Verfassungsrichter werden. Dem selbst denkenden Bürger (man muss nicht auf /freie-denker/ notiert sein, um frei und sorgfältig zu denken!) bleibt wenig, als die Zeichen an der Wand nach bestem Wissen und Gewissen selbst zu deuten – und sich nach bestem Mut und Können vor denen zu hüten, welche sich weigern, das Menetekel zu lesen.

Blitz in brennendes Haus

Die beiden Figuren, die wir in der Karikatur beschrieben, sind nur auf den ersten Blick verschieden.

Der Klischee-Fernsehfußball-Gucker und die Klischee-Marken-auf-Empörungspotential-Abklopferin lenken sich beide mit Trivialitäten von den Geschehnissen ab, die um sie herum passieren.

Im Text »Balkanroute und Hafermilch« (11.11.2019) schrieb ich:

Stellen wir uns vor, ein Haus brennt, und der Familienvorstand löscht nicht das Feuer und bringt die Bewohner in Sicherheit, sondern beginnt minütlich mit neuen Debatten über die Farbe der Tapeten, über die Position des Sofas, über die Schulnoten der Kinder, all das mit dem Ziel, vom Feuer abzulenken – so in etwa ist die Lage heute in Deutschland. Die Wirtschaftsdaten flauen ab, Arbeitsplätze schmelzen weg, Hunderttausende weitere niedrig- und gar-nicht-qualifizierte Menschen planen den Weg nach Deutschland und in seine Sozialsysteme – derweil beschäftigen sich die Schönredner und Beschwichtiger mit politisch korrektem Gendering und dem Rückbau der Industrie im Namen der Moral.

Die Coronakrise war wie der Blitz, der in ein ohnehin brennendes Haus einschlägt. Und die Deutschen derweil, die brave Mehrheit? Die Deutschen gucken Fußball im TV – oder sie studieren die Etiketten auf dem Bioaufstrich, ob die Kräuter auch im günstigen Sternzeichen gepflückt wurden und der Landwirt wirklich-wirklich-niemals der geliebten Kanzlerin und dem Mann im Fernsehen widersprochen hat.

Raumdekoration

Ich habe mal gefragt: »Denken darf jeder – warum tun es nur so wenige?!« – Es ist eine halb rhetorische, halb ernsthafte Frage, und wir ahnen die Antwort. Anders als der feige und latent faschistische Kampfschrei »Wir sind mehr!«, kann das praktische Ausleben des »Denke selbst!« zu Momenten der Einsamkeit führen, zu Augenblicken der Ratlosigkeit und der beginnenden Verzweiflung. Fürchte die Masse, doch glaube ihr nicht – die Masse hält das Menetekel an der Wand für Raumdekoration!

Was können wir tun? Zuerst gilt es, seine relevante Strukturen zu ordnen. Was nützt alle Vorsicht und Mahnung, wenn im eigenen Heim und in der eigenen Seele unschöne Unordnung herrscht? Und dann gilt es, für sich selbst einen »Mittelweg der Hoffnung« zu finden.

Nein, es wird nicht »wieder alles gut werden«, nicht einmal »normal«. Es wird sehr anders werden. Wenn Merkel und ihre Möglichmacher so weitermachen – wird Deutschland wenig mehr als eine zweitklassige Verwaltungsprovinz im postdemokratischen Superstaat der Banken, Konzerne und Bürokraten sein.

Ich weiß nicht, wie und ob man die deutsche Demokratie aufrütteln kann, wenn Staatsfunk und Propaganda den Wählern allabendlich hochwirksame Narkosemittel in die Blutbahn ihrer Seelen spritzen.

Der Einzelne aber, der kann sich noch dem Wahn verweigern, kann seinen »Weg zwischen den Abgründen« suchen.

Macht die Glotze aus. Lest ein altes Buch aus besseren Zeiten. Lasst euch weder von der Empörung noch von der Trägheit anstecken.

Es wird nicht mehr »normal« sein, es wird anders sein. Ich kann nicht viel daran ändern, wie »die Zeiten« sein werden – doch ich kann ändern, wie und wer ich sein werde. Und ich will keiner sein, der sich über Brotaufstrich aufregt – und auch keiner, der stumpf vorm Fernseher hängt.

Es ist ein kämpferisches Motto, und weil es echt ist, und weil es wirklich mutig ist, kann es einem auch schlaflose Nächte bereiten, und doch will ich kein anderes Motto leben, denn es gilt, auch und gerade heute: Prüfe alles, glaube wenig, denke selbst!

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