Die deutsche Geburtenrate sinkt – wieder und weiter. Ich weiß, dass die meisten Leute mit den Schultern zucken. Doch: All unser Reden über Deutschland setzt voraus, dass es Deutsche gibt … oder?

Nehmen wir an, dein Haus steht auf einer Klippe. Eines morgens passiert es: Du kommst von der Morgen-Gassi-Runde mit deinem Hund zurück, und da siehst du es …

Du siehst zum ersten Mal: Die Klippe bröckelt – und dein Haus hat bereits zu rutschen begonnen.

Was tust du?

Du gehst in ebendieses Haus. Was sonst sollst du auch tun? Es ist dein Haus, ein anderes Haus hast du nicht.

Du gehst also in dein Haus hinein. Du gibst dem Hund Wasser und Futter. Dir selbst machst du einen Kaffee.

Und was tust du dann? Dies und das tust du.

Du löst Probleme oder denkst dir eine Unterhaltung aus. Nur eines machst du nicht: dir Gedanken über das Abrutschen deines Hauses.

Ich meine nicht bloß, dass du nichts zur Rettung des Hauses unternimmst. Ich meine, dass du nicht einmal weiter darüber nachdenkst!

Auch am nächsten Tag

Und nein, du bist nicht dumm – zumindest nicht im allgemeinen oder klinischen Sinn. Eigentlich bist du mindestens durchschnittlich klug und auch sonst lebensfähig.

Und doch findet das Rutschen deines Hauses keinen Platz in deinen Gedanken. Wir sagen dazu auch: Du blendest es aus.

Die Klippe aber bröckelt weiter.

Das Haus rutscht weiter.

Auch am nächsten Tag.

Und am darauffolgenden Tag wieder.

Runde Gegenstände kullern von selbst, wenn du sie auf eine glatte Fläche legst. In deinem Garten, auf der Seite, die dem Abgrund zugewandt ist, ist bereits eine Ecke die Klippe hinuntergefallen.

Und was tust du? Versuchst du, das Haus zu retten?

Machst du Pläne oder suchst du nach Experten, um vielleicht die bröckelnde Klippe abzusichern?

Es existieren ja Methoden, Felsen und Klippen zu stärken und gegen Absturz zu sichern. Verankerungen mit Stahl, Spritzbeton, präventiv auch Wellenbrecher und Entwässerung.

Doch du tust nichts davon. Du überlegst nicht einmal, das Haus zu verkaufen oder einfach nur zu fliehen. Du tust einfach … nichts.

Du trinkst Kaffee, du gehst mit deinem Hund spazieren – bis das Tier leider verschwindet. (Er fiel aus deinem Garten über jene Ecke, die vor einiger Zeit abgebrochen ist. Eigentlich ist dir das klar, doch du denkst lieber nicht darüber nach. Du gehst einfach nicht mehr in den inzwischen sehr schrägen Garten.)

Du ähnelst jenem Cartoon-Charakter, dessen Zimmer in Flammen steht, während er am Küchentisch sitzt, seinen Kakao trinkt und sich selbst versichert: »This is fine« – »Dies ist in Ordnung«. (Ich beschrieb ihn im Essay »Kakao, wenn die Idee der Demokratie in Flammen steht«.)

Eines Tages kommst du mit einem zufälligen Spaziergänger ins Gespräch, der dich endlich auf das Rutschen deines Hauses anspricht.

Ob du es nicht gemerkt hast, fragt er, dass die Klippe bröckelt und also dein Haus rutscht. Was du dagegen tun willst, will er wissen.

Du aber bist reichlich genervt von seiner Frage. Du schimpfst irgendwas Unhöfliches, gehst verstimmt in dein Haus und schließt die Tür (nur vorsichtig, denn in letzter Zeit ist das Haus etwas wacklig, worüber du aber nicht weiter nachdenkst).

Was geht den Fremden dein Haus an? Was du mit deinem Haus anstellst, ist deine persönliche Sache und so weiter. Du bist damit beschäftigt, einen neuen Hund auszusuchen. Du musst dein Gästezimmer in Betrieb nehmen, denn der Nachbar wurde plötzlich obdachlos (du fragst lieber nicht, warum). Du musst dich um die frischen Risse an den Kellerwänden kümmern. Selbst wenn du wolltest (du willst nicht), hättest du keine Zeit, dich um die bröckelnde Klippe zu kümmern.

Simple Frage: Wo werden dein Haus und du bei dieser Entwicklung in einem Jahr stehen? Oder eben nicht mehr stehen?

Wir lesen aktuell bei welt.de, 18.07.2025: »Geburtenrate sinkt weiter – Tiefstand bei Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit«. »Die ohnehin niedrige Geburtenrate in Deutschland sinkt weiter ab«, so erfahren wir.

Die Geburtenrate bei deutschen Frauen ist im vergangenen Jahr auf 1,23 Kinder pro Frau gesunken, wird uns erklärt.

Im letzten Jahr titelte welt.de, 22.03.2024 noch »Regelrechter Absturz der Geburtenrate – Tiefstand wie zuletzt 2009«, und damals betrug diese Zahl 1,34 Kinder pro Frau.

Zur Erklärung: Diese Zahl nennt man international die Total Fertility Rate, abgekürzt TFR. Es ist eine theoretische Zahl, die die Geburten eines Jahres auf alle Frauen hochrechnet.

Man könnte diese Zahl die wichtigste aller statistischen Zahlen nennen. Damit eine Gesellschaft überleben kann, muss die Geburtenrate mindestens 2,1 Kinder pro Frau betragen. (Die 0,1, um Todesfälle et cetera auszugleichen.)

Jede Zahl unter 2,0 bedeutet, dass ein Volk ausstirbt.

Die TFR für ausländische Frauen in Deutschland ist mit 1,84 zwar höher als für Deutsche, aber noch immer unter 2,1.

Die absoluten Zahlen sind: In Deutschland wurden im Jahr 2024 ungefähr exakt 677.117 Kinder geboren – und 1.007.800 Menschen starben.

1.694.000 wanderten nach Deutschland ein und 1.264.000 Menschen wanderten aus (destatis.de, 18.07.2025).

Rechnet man all diese Zahlen zusammen, hatte Deutschland einen Bevölkerungszuwachs von 99.317 Menschen – ausschließlich durch Zuwanderung.

Und nein, nicht alle diese Menschen werden einfach »Deutsche werden«. Wenn diese Menschen alle gebildet und arbeitsam wären und überall dort, wo auch immer sie wohnen, zum allgemeinen Wohlstand beitragen würden, dann wären sie nicht zu Zig- und Hunderttausenden so erpicht darauf, in ach so »rassistische« All-inclusive-Länder auszuwandern – dann würden ihre Heimatländer doch versuchen, sie daheim zu halten! (Und: Das Wort »Flucht« ist oft eine Lüge – Stichwort »Urlaub im Fluchtland« –, doch es dient als moralische Keule, um das finanzielle Netto-Minus der Zielländer zu rechtfertigen.)

… sondern Statistik

Ich kenne ja Wörter für jenen Vorgang, wenn ein Ding aus einem Behälter entfernt und dann ein anderes Ding hineingetan wird.

Ich habe aber im Staatsfunk gelesen (zdfheute.de, 14.05.2025), dass diese Entwicklungen einen »Austausch« zu nennen total »rechtsradikal« ist und einen ins Visier des Verfassungsschutzes bringt. (Andererseits weiß ich auch, dass »Verschwörungstheorie« und »rechtsradikal« schon mal Propaganda-Code ist für »Wahrheit, von welcher die Mächtigen noch nicht wollen, dass man sie ausspricht, zumeist solange diese Entwicklung noch zu verhindern wäre«.)

Nein, dass die deutsche Bevölkerung in Deutschland weniger wird und die nicht-deutsche mehr, ist keine »Verschwörungstheorie«, sondern Statistik.

Wenn ich Verschwörungstheoretiker wäre

Wollte ich eine »Verschwörungstheorie« formulieren, würde ich so etwas sagen: »Diese ›Transformation‹ Deutschlands geht schnell voran. Während Deutsche um Wohnungen wettstreiten, werden für ›die Neuen‹ mit hohem Tempo komfortable Wohnanlagen gebaut. Eberswalde (moz.de, 01.05.2001), Stuttgart (stuttgarter-zeitung.de, 17.05.2024), Himmelstadt (mainpost.de, 16.07.25), Rhede (rhede.de, 24.03.2025), Bahrenfeld (ardmediathek.de, 18.07.2025) und so weiter, deutschlandweit. Dazu kommen die Großanlagen außerhalb Deutschlands, die als Zwischenstation vor der Weiterverteilung auf EU-Länder dienen. Gewissen Kräften geht das alles noch nicht schnell genug. Eine einsame, lästige Partei thematisiert noch den Wunsch der Deutschen, als Deutsche zu überleben, was zu störendem Widerstand gegen die ›Transformation‹ führen könnte. Deshalb muss diese Partei mit ›U-Booten‹ und V-Leuten von innen geschwächt und parallel von außen verboten werden, um die ›Transformation‹ noch glatter durchzuziehen.«

Nein, so etwas sage ich nicht, denn ich bin kein Verschwörungstheoretiker. Ich bin Essayist und ich bin ein Mensch. Und ich verstehe zumindest die grundlegenden Zahlen.

Die Regierung leugnet ja gar nicht, dass es so ist. Die Regierung leugnet nicht, dass Deutsche wenige Kinder haben und qualifizierte Deutsche auswandern.

Die EU ist recht offen damit, dass sie europäische Länder unter Druck setzt, junge Männer im wehrfähigen Alter zu beherbergen und rundum zu versorgen.

Viele Regierungen sind ja offen mit den Statistiken und Tatsachen, wenn man nur nachhakt.

Und du siehst die Entwicklung mit deinen eigenen Augen in den Städten, falls die Gehirnwäsche dir nicht bereits das Sehen abtrainiert hat.

Es liegt ja alles offen. Die Regierung verfolgt dich bloß, wenn du die Fakten klar benennst oder dich gar allzu laut darüber beschwerst. (Orwell hatte recht: Es ist nicht notwendig, Fakten tatsächlich geheimzuhalten, wenn es viel einfacher ist, die Menschen dazu zu bewegen, diese Fakten zu leugnen – auch vor sich selbst.)

Da stürzte es nicht ein

Wenn die deutsche Gesellschaft – sprich: die Deutschen – der Fels ist, auf dem du dein »Haus« gebaut hast, dann sagen Zahlen und Augenschein, dass dieser Fels unter dir ins Meer der Geschichte bröckelt – und das Haus steht bereits gefährlich schief.

Zu Felsen und den Häusern auf diesen Felsen fällt Christen vielleicht ein bestimmtes Gleichnis ein!

Jesus erzählt in Matthäus 7,24-27 von einem klugen Mann, »der sein Haus auf Fels baute. Als ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es nicht ein; denn es war auf Fels gebaut.«

Dann war da aber noch ein anderer, weniger kluger Mann, »der sein Haus auf Sand baute. Als ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es ein und wurde völlig zerstört.«

Die Schlussfolgerung schmerzt mich so sehr wie euch. Es sieht glatt danach aus, dass jenes, was uns wie ein Fels erschien, tatsächlich Sand war – oder von gewissen Mächten zu Sand zermahlen wird.

Gerade als ich diesen Essay veröffentlichte, einen Tag nach dem obigen Zitat, als ob er einen Nachtrag verfassen wollte, schrieb der kluge @ZubyMusic auf X dies:

People need to learn that pretending something doesn’t exist doesn’t stop it from existing. (@ZubyMusic, 19.07.2025)

Das bedeutet auf Deutsch: Die Leute müssen lernen, dass so zu tun, als ob eine Sache nicht existiert, die Existenz dieser Sache nicht beendet.

Besser du gestehst dir früher als später ein, dass es ist, wie es ist. Idealerweise noch bevor dein Hund über die bereits abgebrochene Ecke hinten im Garten hinunterstürzt.

Und dann, wenn du mutig genug bist, kannst du zur Suche nach einem neuen Felsen aufbrechen.

E-Mail-Abo

Lassen Sie sich automatisch benachrichtigen, sobald ich hier etwas Neues veröffentliche! (Gratis, jederzeit abbestellbar.)

Der Essay Geburtenrate sinkt, na und? von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/geburtenrate/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!